Neunkirchen: Jugendliche gestalten Graffiti zum Thema Grundgesetz

(wS/red) Neunkirchen 20.08.2019 | Demokratie zum Anschauen

Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verkündet. Den 70. Geburtstag der geltenden Verfassung nahm der Kreisjugendring zu Beginn des Jahres zum Anlass, Jugendgruppen und offene Einrichtungen aufzurufen, sich mit dem Regelwerk auseinanderzusetzen. Christian Götz, der Leiter des Jugendtreffs Neunkirchen, beschäftigte sich gemeinsam mit einigen Jugendlichen mit dem Thema. Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Während der Schullaufbahn sollte jeder Schüler eine Ausgabe des Grundgesetzes erhalten. Aber was passiert dann? Setzen wir uns mit dem 146 Artikel umfassenden Werk auseinander? Was bedeutet die rechtliche und politische Grundordnung für uns? Diesen Aspekten widmeten sich Christian Götz und die Jugendlichen des Jugendtreffs in Neunkirchen. Die Frage, wie man das Thema schließlich anschaulich umsetzen könnte war schnell gelöst: Die Jugendlichen hatten schon mehrfach den Wunsch geäußert, Graffitis zu anzufertigen. Am Jugendtreff selbst war im Vorjahr bereits ein farbenfrohes Motiv entstanden, doch die Lust am Sprayen war ungebrochen.

„Das ist uns wichtig am Grundgesetz“. Christian Götz, der Leiter des Neunkirchener Jugendtreffs, und der Graffiti-Künstler Julian Irlich sind begeistert von dem Kunstwerk, dass die Jugendlichen im Rahmen der Aktion des Kreisjugendrings verwirklicht haben.

Mit Julian Irlich holte man sich einen „Farben-Fachmann“ ins Boot, der in Zusammenarbeit mit Jugendlichen schon viele Erfahrungen sammeln konnte. Doch zunächst ging es an die Motivauswahl und die bedurfte der Überlegung, welche Grundrechte den Jugendlichen wichtig sind. Dabei wurden – je nach Hintergrund – große Unterschiede deutlich: „Aufgrund der Erfahrungen in ihren Heimatländern spielten für die jugendlichen Flüchtlinge Werte wie Freiheit und Würde eine viel größere Rolle, als für die Jugendlichen vor Ort“, erklärt Christian Götz. So entspann sich eine spannende Diskussionsgrundlage, an der sich viele Besucher des Jugendtreffs beteiligten.

Nachdem ein Wort-Pool gebildet worden war, ging es daran, die Begriffe grafisch auszuarbeiten. Im Jugendtreff wurden gemeinsam mit Julian Irlich erste Skizzen entworfen, die Idee eines „Schutzschirms“ entstand. Er sollte wichtige demokratische Errungenschaften schützen und zugleich negative Einflüsse abschirmen. Auch die farbliche Gestaltung wurde dem Spraydosenkünstler aus Brachbach festgelegt.

Julian Irlich leitete die jungen Künstler hinsichtlich des Handlings der Sprühdose und des Abstands zur Wand an.

Während das Projekt in der Theorie voranschritt, kam das Gemeindejubiläum der praktischen Umsetzung zu passe: Der Wunsch bei der 50-Jahr-Feier als Jugendtreff präsent zu sein, war Christian Götz ein wichtiges Anliegen. Mit der Idee von Jugendpfleger Thilo Edelmann, den ehemaligen Antalya-Grill als zu verschönerndes Objekt zu nutzen, bevor er abgerissen wird, ließen sich also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Das geplante Graffiti wurde zur Mitmach-Aktion im Rahmen des Jugendtags.

Julian Irlich kombinierte die Ideen zu einem Gesamtkonzept und sprühte im Vorfeld die Konturen vor. Am Donnerstag vor der 50-Jahr-Feier ging’s dann für die jungen Graffiti-Sprayer ans Werk. Mehr als 80 Jugendliche waren in den nächsten Tagen vor Ort, um ihre Wünsche nach „Freiheit“, „Würde“ und „Frieden“ bildlich Ausdruck zu verleihen. Immer wieder kamen neugierige Besucher vorbei, es entwickelte sich eine „Straßendynamik“. Fertig wurde das farbenfrohe Statement am Festwochenende selbst. Und die Gelegenheit, den Freunden und Verwandten „ihr“ Kunstwerk zu zeigen, nutzten viele der jungen Sprayer.

Nun ziert das Bild gewordene Grundgesetz die Gebäudewand in Neunkirchens Zentrum. Zumindest so lange, bis die Abrissbirne eines Tages ihre Arbeit verrichtet. Aber auch dann ist das aussagekräftige Motiv nicht verloren. Die Entwürfe und Ergebnisse wurden seitens des Kreisjugendrings festgehalten. Sie sollen den an der Aktion teilnehmenden Jugendgruppen später als Banner zur Verfügung gestellt werden. Eine Ausstellung der dokumentierten Ergebnisse ist für den Herbst geplant.

Etwa ein viertel Jahr haben die Planungen des Graffitis in Anspruch genommen. Nur noch ein paar Feinheiten sind nötig, um das große Ganze und somit ein sehr gelungenes Projekt des Jugendtreffs fertigzustellen.

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