Niedrige Impfquote – In Siegen-Wittgenstein leben mehr Pflegebedürftige in den eigenen vier Wänden

(wS/red) Siegen-Wittgenstein 04.02.2021  |  Niedrigere Impfquote ist Konsequenz der Erfolgsgeschichte „Leben und Wohnen im Alter“

Warum wurden in Siegen-Wittgenstein bisher prozentual weniger Menschen gegen das Coronavirus geimpft als in anderen Kreisen? Der Grund dafür ist eine Erfolgsgeschichte: „Leben und Wohnen im Alter“.

„Mit dem Programm ‚Leben und Wohnen im Alter‘ arbeiten wir seit vielen Jahren erfolgreich daran, es älteren Menschen zu ermöglichen, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu wohnen – was auch deren Wunsch entspricht. Der Umzug in ein Pflegeheim sollte immer nur die letzte Alternative sein. Deshalb setzen wir konsequent auf ambulante Versorgung – und das mit messbarem Erfolg“, erläutert Landrat Andreas Müller: „Laut Zahlen des Landes hat Siegen-Wittgenstein pro 100.000 Einwohner die zweitwenigsten Heimbewohner in Westfalen-Lippe. Bisher, in der ersten Impfphase, sind aber primär Bewohnerinnen und Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen geimpft worden. Unsere niedrige Heimplatzquote führt damit zum jetzigen Zeitpunkt auch automatisch zu einer niedrigen Impfquote“, erläutert der Landrat.

Hinzu kommen weitere Faktoren wie gekürzte Impfmengen, abgesagte Impftermine und der völlige Impfstopp Mitte Januar. Trotzdem bleibt am Ende eine Erkenntnis: „Wenn in ganz NRW alle Menschen, die in Heimen wohnen, geimpft worden sind, werden wir in Siegen-Wittgenstein immer noch eine schlechtere Quote haben, weil bei uns einfach prozentual weniger Menschen in Heimen leben“, bringt der Landrat die Zusammenhänge auf den Punkt. Die Kassenärztliche Vereinigung hatte schon vor Wochen darauf hingewiesen, dass die Impfungen kein Wettbewerb zwischen den Regionen sind. Im November 2019 hatte das Land einen Bericht*) vorgelegt, der die positive Entwicklung „ambulant vor stationär“ in Siegen-Wittgenstein mit Zahlen untermauert. Demnach lebten in Siegen-Wittgenstein 754 Personen pro 100.000 Einwohner in stationären Pflegeeinrichtungen. In Westfalen-Lippe waren es nur in Gütersloh mit 666 noch weniger.

Dieser erfolgreiche Weg von „Leben und Wohnen im Alter“ hat aber eine weitere Konsequenz, erläutert Andreas Müller: „Wer sich mit Gehhilfe, Rollator oder Rollstuhl in der eigenen Wohnung bewegen kann, ansonsten aber auf Hilfe angewiesen ist, wird nicht so einfach nach Eiserfeld ins Impfzentrum kommen können. Und von diesen ambulant Betreuten Menschen gibt es bei uns prozentual besonders viele. Das macht noch einmal deutlich, wie dringend wir dezentrale Impfangebote benötigen: etwa als kleine Impfaußenstellen des Impfzentrums, in größeren Arztpraxen oder analog zum Blutspendebus mit mobilen Angeboten“, betont Landrat Andreas Müller.

*) Bericht des MAGS zum Thema „Überprüfung der Wirkungen des Alten- und Pflegegesetzes (APG NRW) und der Verordnung zur Ausführung des Alten- und Pflegegesetzes und nach § 8a SGB XI


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