(wS/hgm) Siegen 12.03.2026 | Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Und ein solcher ist der des Siegener Blasorchesters unter der Leitung von Daniel Ridder, das in diesem Jahr sein 100jähriges Jubiläum feiern kann. Der würdige Auftakt dazu fand am vergangenen Sonntagnachmittag in der St. Michaels-Kirche in Siegen statt: Nämlich mit einem Kirchenkonzert, an das man sich noch lange zurück erinnern wird.
Das Siegener Blasorchester ist ein sinfonisches Blasorchester mit professionellem Charakter, das mit zu den erfolgreichsten der Siegerländer Kulturszene zählt. Sehr bemerkenswert, dass kein Eintrittsgeld erhoben wurde, und relativ viele Zuhörer waren gekommen.
Mit der „Feuerwerksmusik“ einer Ouvertüre von Georg Friedrich Händel, eröffnete das Blasorchester seine Vorträge. Das Werk begann feierlich im Stil einer französischen Barock-Ouvertüre und entfaltete eine lebhafte, festliche Musik – einfach perfekt für einen repräsentativen Anlass. Einfach hervorragend intoniert, auch bedingt durch die sorgfältige Registerbesetzung dieses Klangkörpers.
Gleich danach wurde noch eine weitere Ouvertüre nachgeschoben, nämlich die „Festival Overture“, komponiert von Hans van der Heide. Ein festliches und energiegeladenes Werk für Blasorchester. Kraftvolle Fanfaren, rhythmische Energie und lyrische Zwischenteile wechselten sich ab und sorgten für enorme, klangliche Vielfalt. Ein Werk, das bestens für feierliche Konzertanlässe geeignet ist.
Erwähnt werden muss auch das ruhige und konzentrierte Dirigat von Daniel Ridder. Ridder ist ein renommierter deutscher Profi-Tubist, Solist und Dozent, der vor allem für seine Arbeit beim Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg und seine außergewöhnliche Sammlung von über 120 historischen Tuben bekannt ist.
Nach dem eher ruhigen und klangvollen Werk „Amen“, das aus warmen Klangfarben und choralartig gestalteten Passagen besteht, wurde es mit „Vita pro Musica“ wieder lebhafter.
Übrigens hat das Siegener Blasorchester zum 100jährigen Bestehen die „Pro Musica-Plakette“ erhalten. Doch nun erfolgte ein besonders bemerkenswerter Vortrag: Die Uraufführung von „Siegenia“. Das von Thomas Asanger komponierte Werk verbindet moderne Klangfarben mit kraftvollen Fanfaren und lyrischen Momenten. Dieser Titel greift den historischen Namen der Stadt Siegen auf und steht symbolisch für Tradition, Geschichte und Zukunft des Orchesters. Hervorstechend waren auch die zahlreichen Koloraturen (musikalische Verzierungen) die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk zogen.
Nach dem Vortrag von „Yorkshire Ballad“, eine Komposition, die trotz ihrer schlichten Struktur eine enorme emotionale Wirkung erzeugt, brachten die Musizierenden „La Storia“ zum Vortrag. Übersetzt bedeutet dieser Titel „Die Geschichte“, zu der es allerdings nie einen festen Ablauf und auch keinen Film gegeben hat und dennoch sehr wohl dramatische Charaktere in verschiedenen Stufen beschreibt. Der Komponist, Jacob de Haan ist bekannt für seine erzählende Blasorchester-Musik, die besonders beliebt ist. Die stark unterschiedliche und oft diffizile Rhythmik in diesem Stück wurde vom Orchester sehr gut gemeistert.
Anschließend wurden noch „The Day After Tomorrow“ (die musikalische Beschreibung einer Klimakatastrophe) sowie der festliche Konzertmarsch „Marcia Glorioso“ angestimmt. Dieser Marsh verbindet traditionelle Marschelemente mit moderner Blasorchester-Klangsprache. U. a. machten das strahlende Trio und das kräftige Blech dieses Stück zu einem glänzenden Werk in diesem Konzert.
Zum Ausklang wurde als letztes Stück noch einmal der Eingangstitel des Konzertes, nämlich der 5. Satz aus der „Feuerwerksmusik“, von G. F. Händel, vorgetragen. Enormer Beifall brandete auf, und nach dem Konzert musste Daniel Ridder noch viele Glückwünsche entgegennehmen und zahlreiche Hände schütteln. Eine bekannte, geachtete und beliebte Persönlichkeit.
Das nächste Konzert in diesem Jubiläumsjahr findet übriges am 7. Mai 2026, um 19.30 Uhr im Leonard-Gläser-Saal der Siegerlandhalle in Siegen statt: Ein großes Benefizkonzert mit dem Musikkorps der Bundeswehr.




Text und Fotos: Hans-Gerhard Maiwald
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