(wS/red) Kreis Siegen-Wittgenstein 11.03.2026 | In den Fluren des Kreishauses an der Koblenzer Straße herrscht geschäftiges Schweigen. Während Landrat Andreas Müller (SPD) sich auf die heutigen Haushaltsberatungen und den anstehenden Kulturausschuss vorbereitet, liegen drei Dossiers auf seinem Schreibtisch, die das Potenzial haben, die politische Gemütlichkeit der Region empfindlich zu stören. Die CDU-Kreistagsfraktion unter Hermann-Josef Droege hat zum parlamentarischen Rundumschlag ausgeholt. Es geht um Geld, um Sicherheit und um die Zukunft der Arbeit.
Das Phantom vom Giller
Das emotionalste Thema ist zweifellos KulturPur. Das Festival ist das kulturelle Herzstück Südwestfalens, doch hinter den Kulissen der Zeltstadt am Giller scheint die Buchführung im Nebel zu liegen. Die Union fordert nun einen Kassensturz für das Jahr 2025. „Bisher hat es keine schlüssige Antwort gegeben“, moniert Fraktionschef Droege. Ob die Verwaltung selbst noch den Überblick über die Verflechtungen von Honoraren, Agenturkosten und Technikpauschalen habe, wird offen bezweifelt .
Besonders brisant: Die Afrikanische Schweinepest rückt näher. Während die Planungen für 2026 laufen, stellt die CDU die Existenzfrage: Kann das Festival in den wachsenden Schutzzonen überhaupt stattfinden? Und wer zahlt, wenn die Zelte kurzfristig leer bleiben müssen? Die Forderung nach Transparenz über Ausfallversicherungen ist hier mehr als nur eine fiskalische Fußnote.
Die bröckelnde Basis der Ausbildung
Abseits der Festivalbühnen blickt die Fraktion mit Sorge auf die Industrie- und Gewerbestätten des Kreises. Eine bundesweite Studie schlägt Alarm: Fast 30 Prozent der Ausbildungsverhältnisse werden vorzeitig gelöst – ein historischer Tiefstand. Nun muss die Verwaltung Farbe bekennen:
- Trifft dieser Trend die technisch-gewerblichen Schwergewichte in Siegen-Wittgenstein mit gleicher Härte wie den Dienstleistungssektor?
- Wie entwickeln sich die Quoten in den Berufskollegs in Siegen im Vergleich zum Raum Wittgenstein?
- Welche Auswirkungen hat der Schwund auf die Klassenbildungen vor Ort?
Schutzraum gesucht
Der dritte Pfeiler der Oppositionsoffensive betrifft die Achillessehne moderner Verwaltungen: den Zivilschutz. Seit 2015 ist der Katastrophenschutz in NRW gesetzlich dem Brandschutz gleichgestellt. Doch wie steht es um die Umsetzung im Kreis? Die CDU will wissen, wann der hiesige Katastrophenschutzplan zuletzt an die spezifischen Bedingungen der Region angepasst wurde.
Die Fragen sind konkret und unangenehm: Wie viele Vollzeitstellen befassen sich im Amt 38 tatsächlich mit der Zivilschutzplanung? Und vor allem: Wo sind die Schutzbauten für die Bevölkerung im Ernstfall? Es ist die Suche nach der Resilienz einer Region, die sich zwischen Tradition und neuen globalen Krisen behaupten muss.
Warten auf Antwort
Bisher blieb das Landratsamt die Antworten schuldig. Doch der heutige Mittwoch könnte zur Stunde der Wahrheit werden. Wenn der Kulturausschuss tagt, wird sich zeigen, ob die Verwaltung die Transparenz liefert, die für eine seriöse Haushaltsplanung 2026 unerlässlich ist. Die Opposition hat die Fragen gestellt – nun ist die Exekutive am Zug.

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