Mit Hightech und Expertise gegen den Krebs: Ärzte zeigen Potenziale der modernen Onkochirurgie

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(wS/dia) Siegen 15.05.2026 | Spannende Vorträge, medizinisches Know-how und gute Gespräche im feierlichen Rahmen: Mit einem besonderen Nachmittag ist das Diakonie Klinikum Jung-Stilling ins Jubiläum seines 60-jährigen Bestehens auf dem Siegener Rosterberg gestartet. Hoch oben auf der Panoramaetage des „Stilling“ präsentierten klinische Experten neueste Entwicklungen der modernen Krebschirurgie, von der immer mehr Patienten auch aus der Region profitieren.

Geschäftsführer Dr. Josef Rosenbauer und der Ärztliche Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Professor Dr. Mohammad Golriz, hießen zur Veranstaltung mehr als 100 Gäste aus Medizin, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft willkommen. Beide hoben die Bedeutung des Diakonie Klinikums nicht nur für Siegen, sondern für die gesamte Region hervor. Zusammen mit seinen „Schwestern“, dem Klinikum Bethesda in Freudenberg und dem Krankenhaus in Kirchen, erfülle das „Stilling“ einen zentralen Auftrag in der Gesundheitsversorgung für das Dreiländereck von NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz. Einen wesentlichen Eckpfeiler bildet dabei – neben der Notfallmedizin, der Herz- und Gefäßmedizin sowie der Geburtshilfe – die Onkologie.

Gebündelt wird die Expertise in der Krebsbehandlung im „Stilling“ beim Interdisziplinären Onkologischen Zentrum (IOZ), das 2024 unter strengen Anforderungskriterien von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert wurde. Dass es sich dabei „nicht nur um ein Emblem handelt, sondern um gelebte onkologische Wirklichkeit“, verdeutlichte IOZ-Leiter Chefarzt Dr. Martin Klump. So werde am Diakonie Klinikum bereits seit vielen Jahren auf höchste Standards und qualitätsgesicherte Versorgung von Tumorpatienten geachtet. Dies wurde bei inzwischen sechs der spezialisierten Organkrebszentren unter dem Dach des IOZ ebenfalls per Zertifikat bescheinigt: für Brustkrebs, gynäkologische Krebserkrankungen, Hämatologische Neoplasien, Prostatakrebs, Darmkrebs sowie Hautkrebs. Für weitere Zentren ist eine Erstzertifizierung noch im laufenden Jahr anvisiert. Schon jetzt werden laut Dr. Klump am Diakonie Klinikum jährlich rund 1700 Patienten mit neu diagnostizierter Krebserkrankung behandelt – Tendenz steigend. „Jeder Fall wird von uns Ärzten und weiteren Fachleuten in interdisziplinären Tumorkonferenzen besprochen, um für jeden Patienten die bestmögliche Therapie zu gewährleisten.“ Dabei stehe die Versorgung in einem zertifizierten Zentrum nachweislich nicht nur für eine bessere Behandlungsqualität, weniger Komplikationen und höhere Überlebenschancen.

Neben der Chemo- und der Strahlentherapie ist die Operation eine der drei Hauptsäulen der Krebsbehandlung. Was moderne Onkochirurgie zu leisten imstande ist, skizzierte Prof. Dr. Golriz in seinem Vortrag. Dabei verdeutlichte er zunächst, warum es in Siegen dringend einen klinischen Maximalversorger mit entsprechender Infrastruktur und Expertise braucht: Bei einem regionalen Einzugsgebiet von rund 600.000 Einwohnern sei statistisch pro Jahr mit 3600 Krebsneuerkrankungen zu rechnen – auch hier bei steigender Tendenz, nicht zuletzt wegen der demografischen Entwicklung. „Da rollt ein Tsunami auf uns zu“, so Golriz. Die von ihm geleitete Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie ist spezialisiert auf Operationen aller Bauchorgane – ob offen-chirurgisch oder auch minimalinvasiv (laparoskopisch oder robotisch). Seit 2024 wurden 3500 Eingriffe mit sehr niedrigen Mortalitäts- und Morbiditätsraten durchgeführt. Damit liege man sowohl quantitativ als auch qualitativ bundesweit deutlich über der Benchmark, so Golriz. Abschließend verwies er auf das OnkoCare-Team, ein Netzwerk am Klinikum, das geschaffen wurde, um eine nahtlose Versorgung der Patienten vor, während und nach der OP durch Experten verschiedenster Fachgebiete zu gewährleisten. Versorgung dürfe kein Standortnachteil sein, so der Appell des Ärztlichen Direktors: „Exzellente Medizin entfaltet ihren Wert erst dann, wenn sie für alle erreichbar ist.“

Exzellente Medizin – das bedeutet heutzutage auch immer mehr den Einsatz von Hightech. Etwa in der Neurochirurgie des Diakonie Klinikums. Schon seit ein paar Jahren sind Künstliche Intelligenz (KI) und Augmented Reality (AR) dort unverzichtbare Werkzeuge im Klinikalltag, wie Professor Dr. Veit Braun berichtete. In seiner beruflichen Laufbahn hat der Chefarzt revolutionäre Entwicklungen in seinem Fachgebiet miterlebt. Bestand bei der Operation von Hirntumoren noch bis vor etwa 30 Jahren eine relativ hohe Gefahr, wichtige Areale des Gehirns unwissentlich mit zu entfernen, wurde dieses Risiko mit der Etablierung der Wachkraniotomie signifikant gesenkt. „Doch auch die Wach-OP war gestern“, so Braun. „Heute setzen wir KI-Mustererkennung in Kombination mit AR-Brillen ein, um Tumoren im Gehirn zu lokalisieren und auf dieser Basis komplexe Operationen präzise zu planen.“ Auch Gehirnfunktionen könnten mithilfe dieser Technologien sichtbar gemacht werden. Dank KI-basierter Neuronavigation lassen sich zudem vorliegende Bilddaten (MRT, CT) in Echtzeit mit der Position im OP-Saal abgleichen, so Braun. „Das erhöht die Sicherheit der Patienten enorm.“ Sein Fazit: „Früher war alles besser? Nein, zumindest in der Medizin gilt: Früher war alles schlechter.“

Die Chefarzt-Kollegen Dr. Peter Weib und Dr. Mahmoud Farzat werden dies so unterschreiben. Denn auch in der Urologie hat es bahnbrechende Fortschritte gegeben. Stichwort: Robotik. Seit 2019 wurden am „Stilling“ etwa 2500 Operationen und Rekonstruktionen an Prostata, Blase, Nieren und Harnwegen minimalinvasiv mit dem Robotersystem „Da Vinci“ durchgeführt. Die mit Abstand meisten Eingriffe betreffen dabei die Prostata, so Dr. Weib: „Seit 2020 hat sich die Zahl der Patienten mit Prostatakarzinom verdoppelt.“ Mit 300 Primärfällen im Jahr 2025 gehört das Zentrum am „Stilling“ zu den 20 größten bundesweit. Zum Leistungsspektrum zählt dabei nicht nur High-End-Therapie, sondern auch modernste Diagnostik, zum Beispiel per Fusionsbiopsie. Dabei ermöglicht die Kombination aus hochauflösenden MRT-Bildern und einem Echtzeit-Ultraschall eine punktgenaue Gewebeentnahme aus verdächtigen Arealen und somit eine fundierte Risikobewertung für den Patienten. Dies wiederum spiegelt sich in den Zahlen wider, die Dr. Farzat präsentierte. So liegt auch die Urologie im Diakonie Klinikum bei sämtlichen Indikatoren für Behandlungsqualität deutlich besser als der bundesweite Vergleichsmaßstab.

Das Schlusswort zur Veranstaltung sprach Geschäftsführer Dr. Rosenbauer. 60 Jahre „Stilling“ am Standort Wichernstraße seien geprägt durch stetige Weiterentwicklung, wie sie an diesem Nachmittag noch einmal aufgezeigt worden sei – „und von Menschen, die mit Herzblut für ihr Fachgebiet leben“. Im Laufe des Jubiläumsjahres sollen sich weitere Veranstaltungen zu medizinischen Schwerpunkten anschließen.


Spitzenmedizin im Fokus: Die Chefärzte Professor Dr. Veit Braun, Dr. Peter Weib, Professor Dr. Mohammad Golriz, Dr. Martin Klump und Dr. Mahmoud Farzat (von links) zeigten im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen neueste Entwicklungen der modernen Krebschirurgie auf.

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