(wS/red) Siegen – Geisweid 29.06.2026 | Bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen ist am Montagnachmittag, 29. Juni 2026, der offizielle Spatenstich für den Neubau des Hauptdienstgebäudes der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein erfolgt. Auf dem Gelände an der Geisweider Straße 13–15 – dem früheren ThyssenKrupp-Areal – griffen die Ehrengäste um 15:00 Uhr gemeinsam zum Spaten. Unter ihnen waren NRW-Innenminister Herbert Reul, Landrat und Behördenleiter Andreas Müller, der heimische Landtagsabgeordnete Jens Kamieth (CDU), der Siegener Bürgermeister Tristan Vitt, Polizeidirektor Klaus Bunse sowie Vertreter des Investors, der Thelen Gruppe.


Eröffnet wurde der Festakt von Leitendem Polizeidirektor Klaus Bunse, Abteilungsleiter der Polizei in Siegen-Wittgenstein. Er begrüßte die Gäste aus Politik, Polizei und Wirtschaft und dankte allen Beteiligten ausdrücklich für die Vorbereitung des Termins – trotz der großen Hitze auf der weitgehend schattenlosen Fläche.

Polizeidirektor Klaus Bunse
Den Reigen der Reden eröffnete Innenminister Herbert Reul. Er machte deutlich, welchen Stellenwert das Vorhaben für ihn hat: „Es gibt so Projekte, die haben was an sich“, sagte Reul mit Blick auf die lange Vorgeschichte, die Hitze und die Schwierigkeiten beim Aufbau. Entscheidend sei, nun endlich den ersten Schritt zu tun – „nicht planen, nicht überlegen, nicht diskutieren, sondern einfach einen ersten Schritt tun“. Wer im Staat Verantwortung trage, so der Minister, habe auch dafür zu sorgen, dass die Menschen, die für die Sicherheit der Bevölkerung sorgen, ordentliche Arbeitsbedingungen vorfinden: „Wir wollen kein Wellness-Zentrum bauen. Hier geht es ganz einfach darum, Menschen, die diese Arbeit machen müssen, ordentliche Arbeitsbedingungen zu geben.“

Innenminister Herbert Reul
Nordrhein-Westfalen habe in den vergangenen Jahren rund 3,6 Milliarden Euro investiert, um Polizeiwachen und -gebäude instand zu setzen oder neu zu bauen. Dass dies nötig sei, untermauerte Reul mit drastischen Beispielen aus anderen Behörden – ausdrücklich nicht aus Siegen: Er habe Wachen gesehen, in denen Ratten herumliefen, und Dienststellen, in denen Beamte zum Duschen nach Hause fahren mussten. „Im normalen Betrieb der Wirtschaft würde die Gewerbeaufsicht solche Dinge schließen.“ Sicherheit sei letztlich der Bereich, an dem sich zeige, ob der Staat funktioniere und ob die Menschen ihm vertrauen könnten – wenn Polizei, Feuerwehr und Rettungswesen funktionierten, leiste man dazu einen ganz praktischen Beitrag. Er sei froh, den ersten Spatenstich nun „bei Sonnenschein“ setzen zu können.

Landrat Andreas Müller
Wie lang der Weg bis zu diesem Tag war, schilderte anschließend Landrat Andreas Müller, zugleich Behördenleiter der Kreispolizeibehörde. Er hatte das Projekt am 1. Juli 2018 ins Leben gerufen; die ersten Überlegungen reichen mit einer Raumbedarfsanalyse sogar bis ins Jahr 2017 zurück. Ursprünglich war der Spatenstich für den 1. Oktober 2020 geplant, der Einzug für das Jahr 2023. Vom Planungsbeginn bis zum heutigen Tag vergingen damit fast acht Jahre – oder, wie Müller es in „polizeilicher Rechnung“ formulierte: „vier Abteilungsleiter, die das Projekt schon überdauert hat“. Der Einzug, so seine augenzwinkernde Prognose mit Blick auf Abteilungsleiter Klaus Bunse, werde wohl unter dem fünften erfolgen. „Auch für mich sollte dieser Bau eigentlich keine Lebensaufgabe werden“, so der Landrat.
Warum es den Neubau überhaupt braucht, beantwortete Müller gleich mit: Die Behörde sei 1997 in ihr heutiges Gebäude eingezogen und damit seit knapp 30 Jahren dort. Neue Aufgaben, mehr Personal, zusätzliche technische Anforderungen und Einsatzmittel sowie zu wenig Stellfläche für die Einsatzfahrzeuge hätten zu einem Mehrbedarf von rund 1.000 Quadratmetern geführt. Aufstocken oder anbauen lasse das Baurecht am alten Standort nicht zu, ein dauerhaftes Verteilen auf mehrere Standorte sei nicht praktikabel – also fiel die Entscheidung für einen Neubau. Müller betonte zugleich, dass das bisherige Siegener Gebäude ausdrücklich nicht zu den von Reul beschriebenen Negativbeispielen zähle.
2021 stand fest, dass die Thelen Gruppe mit Sitz in Essen den Zuschlag erhält. Der Investor habe nicht nur das nötige Know-how und bereits erfolgreiche Projekte für das Land NRW vorzuweisen, sondern auch das passende Grundstück mitgebracht – eben jene Fläche in der Talsohle mit kurzer Anbindung an die Hüttentalstraße (HTS) und guter ÖPNV-Anbindung. Den Standort lobte Müller ausdrücklich: Er sei für die Bürgerinnen und Bürger gut erreichbar und ermögliche der Polizei kurze Wege in den Einsatz. Müller erinnerte zudem daran, dass auf dem Areal bis 2009 das markante 14-stöckige Krupp-Hochhaus stand – einst Verwaltungsgebäude der Stahlwerke Südwestfalen und später von Krupp übernommen.
Den unterschriebenen Vertrag datierte der Landrat auf den 22. Mai 2021, mitten in der Corona-Zeit. Die anschließenden Verzögerungen erklärte er mit der Pandemie, vor allem aber mit dem Beginn des Ukraine-Krieges: In die Höhe schießende Bau- und Materialkosten hätten Nachverhandlungen nötig gemacht, hinzu seien zusätzliche Anforderungen sowie umweltbezogene Aspekte wie die Offenlegung eines bislang verrohrten Baches gekommen. Am Ende werde der Kreispolizeibehörde ein „repräsentatives, bürgerfreundliches und modernes Dienstgebäude“ zur Verfügung stehen. Mit Blick auf den anwesenden obersten Dienstherrn ließ Müller sich einen Hinweis nicht nehmen: Im vergangenen Jahr habe die Behörde das „Triple“ geholt – kürzeste Einsatzreaktionszeit, höchste Aufklärungsquote und geringste Zahl an Unfallverletzten in Nordrhein-Westfalen.
Für den Investor sprach anschließend ein Vertreter der Thelen Gruppe. Auf dem Areal entstehe in den kommenden Jahren ein Standort mit rund 12.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche, auf dem künftig über 380 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Dienst tun und unterschiedlichste Aufgabenbereiche unter einem Dach zusammengeführt würden. Es gehe um mehr als Quadratmeter, Technik und Architektur: „Sicherheit entsteht durch Menschen“, betonte er – durch Polizistinnen und Polizisten, die Tag und Nacht Verantwortung übernähmen. Ihnen eine moderne, funktionale und zukunftsfähige Arbeitsumgebung zu geben, sei Ausdruck von Wertschätzung. Zugleich leiste das Vorhaben einen Beitrag zur städtebaulichen Entwicklung: Eine bislang ungenutzte Fläche werde sinnvoll nachgenutzt und gebe dem Stadtteil einen nachhaltigen Impuls. Solche Projekte zeigten, was möglich sei, wenn öffentliche Hand und private Partner vertrauensvoll zusammenarbeiteten.

Christoph Thelen – Geschäftsführender Gesellschafter
Den Abschluss der Reden bildete der Siegener Bürgermeister Tristan Vitt. Anschließend griffen die Ehrengäste – darunter ein Vertreter der Polizei in Uniform – zu den Spaten und nahmen am aufgeschütteten Erdhügel den symbolischen ersten Spatenstich vor. Danach standen die Beteiligten für Fragen und Interviews bereit; im Zelt waren bei der großen Hitze ein Imbiss und Getränke vorbereitet.

Tristan Vitt – Bürgermeister von Siegen




Hier an der Geisweider Straße 13–15 in Geisweid wird demnächst das neue Polizeidienstgebäude gebaut.
Fotos: Andreas Trojak / wirSiegen.de
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