(wS/si) Siegen 24.03.2026 | Es grünt und gurgelt hinter dem „Haus der Musik“ in der Siegener Innenstadt: Die naturnahe Umgestaltung der Weiß in der dichten Bebauung zwischen Oranienstraße und Häutebachweg ist abgeschlossen. Auf knapp 100 Meter Länge wurde die Weiß aus ihrem gepflasterten Flussbett – eine eingemauerte Rinne – „befreit“, bevor sie unterhalb der Koblenzer Straße beim Apollo-Theater in die Sieg fließt.
Im Auftrag des städtische Entsorgungsbetriebs ESi wurde die Weiß seit September vergangenen Jahres renaturiert. Inzwischen ist die Fluss-Baustelle abgeschlossen, die Baubeteiligten wie auch Bürgermeister Tristan Vitt haben sich das begrünte „neue Ufer“ angesehen. Beim Termin vor Ort stellte Stephan Roth, Technischer Betriebsleiter bei ESi, die Baumaßnahme vor: „Wir sind fristgerecht fertig geworden. Die Baukosten waren mit 513.000 Euro veranschlagt, dabei ist es auch geblieben.“ Die Finanzierung erfolgte zu 80 Prozent aus Fördermitteln des Landes zur ökologischen Gewässerentwicklung und zu 20 Prozent mit städtischen Finanzmitteln.
Bürgermeister Tristan Vitt bedankte sich insbesondere bei den direkten Anliegern der Fläche für ihre Geduld und Kooperation, trotz der schwierigen räumlichen Verhältnisse. Renaturiert wurde die Uferseite hin zum „Haus der Musik“ und dem Gymnasium Am Löhrtor, die rechte Ufermauer zum ehemaligen Druckhaus am Häutebachweg blieb bestehen.
Um den Hochwasserabfluss zu verbessern, wurde die linke Ufermauer abgebrochen und durch eine flachere, naturnahe Böschung ersetzt. Die Sohle des Flussbettes ist nun bis zu sieben Meter breit, so dass das Gewässer im Falle eines Hochwassers besser abfließen kann. Die gepflasterte Rinne erhielt ein natürliches Sohlsubsrat aus Kies und Steinen. Der Uferbereich wurde in Teilen neu bepflanzt, um eine natürliche Vegetation zu fördern. Der einstige Bewuchs war bereits vor Baubeginn zurückgeschnitten worden, um Platz für den Rückbau zu schaffen.
Im Mittelpunkt der Fluss-Renaturierung steht der Hochwasserschutz – wichtig vor allem für das „Haus der Musik“, das in der Flutungsfläche liegt. Bei Hochwasser und Starkregenereignissen muss das Ufer ausreichend Platz bieten, falls die Weiß entsprechend anschwillt. Tristan Vitt: „Die Renaturierung der Weiß ist ein gutes Beispiel für Klimaanpassung vor Ort. Die Verbreiterung des Flusses bereitet uns besser auf Starkregen- und Hochwasserereignisse vor, indem sie dem Wasser mehr Platz gibt. Solche Maßnahmen sind notwendige ,Akkupunkturmaßnahmen‘, die im gesamten Stadtgebiet umgesetzt werden müssen.“ Die Stadt Siegen erstellt aktuell ein Konzept zur Klimafolgenanpassung, das solche „Hotspots“ im Stadtgebiet identifizieren und Maßnahmen zur Anpassung ermitteln soll.
Beispiele für Klimaanpassung vor Ort sind die Schaffung von Grünflächen, Rückhaltung von Regenwasser, Reduzierung von Hitzehotspots. Mit diesen Maßnahmen bereitet sich die Stadt Siegen gezielt auf Auswirkungen des Klimawandels vor, um damit die Stadt widerstandfähiger („resilienter“) gegen Hitzewellen, Hochwasser oder Trockenperioden zu machen und Stadtplanung bzw. städtische Infrastruktur anzupassen, um die Lebensqualität langfristig zu sichern.
Durch die Entsiegelung der Weiß verbessert sich beispielsweise das Stadtklima, indem größere Flächen zur Verdunstung geschaffen werden und so das Stadtklima – besonders im Sommer – gekühlt wird. Außerdem entsteht mitten in der Innenstadt ein naturnaher Lebensraum für Wasserinsekten, Fische und Vögel.

Hochwasserschutz „im Blick“: (v.l.) Karolin Wiegel (Klimafolgenanpassungsmanagerin), Bauleiterin Jessica Fritsch (ESi), Bürgermeister Tristan Vitt und Stephan Roth (ESi) am neuen Ufer der Weiß.
Foto: Stadt Siegen
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