Zu viele Fehlwürfe, zu wenig Zugriff: TuS Ferndorf kassiert deutliche Heimniederlage

Teilen Sie
Teilen Sie

(wS/red) Kreuztal, 29.03.2026 | Gebrauchte 60 Minuten für Ferndorf: Balingen zeigt eindrucksvoll seine Aufstiegsambitionen

TuS Ferndorf – HBW Balingen‑Weilstetten 24:32 (10:16)

Wenn man die Tabelle zu Rate zieht, könnte man auch sagen „Kellertreppe gegen Penthouse“, und das Penthouse hat wie ein designierter Aufsteiger gespielt und 2 hochverdiente Punkte mitgenommen.

Vor dem Spiel:

HBW-Trainer Matthias Flohr schlägt warnende Töne an. Die Begegnung in der Stählerwiese bezeichnet er als äußerst anspruchsvoll, nicht zuletzt wegen der intensiven Atmosphäre in der Halle. Insgesamt stellt sich der Tabellenzweite auf eine kompakte Mannschaft ein, die vor allem durch ihre stabile Abwehr und ein starkes Torhütergespann überzeugt. Entsprechend gewarnt geht der HBW in die Partie.

CEVEN KLATT:  Balingen ist eine Top-Mannschaft mit ganz viel Qualität, sie haben sich im letzten Jahr auch nochmal verstärkt. Sie machen einen guten Job in der bisherigen Saison und sind ja auch nicht umsonst Tabellenzweiter und untermauern dadurch auch ihre Ansprüche auf den Aufstieg. Wir müssen schauen, dass wir Balingen von Anfang an klar machen, dass es kein einfaches Spiel für sie wird.

Nun zum Spiel:

Eine proppenvolle Stählerwiese (ausverkauft, 1400 Zuschauer) empfing die „Gallier von der Alb“ mit lauten Trommeln, Gesängen, Klatschen, Tröten und und und, aber davor hatte Coach Matthias Flohr seine Jungs ja schon gewarnt. Aber sie hatten sich ja auch nicht vorgenommen, nur die Halle zu besuchen und zu duschen, nein, sie wollten etwas Zählbares mitnehmen.

Und das taten sie dann ja auch, denn die „Gallier von der Alb“ stürmten die Festung Stählerwiese mit teils überfallartigen und einfachen Toren und übernahmen schon in der 9. Minute das Ruder und bestätigten eindrucksvoll den zweiten Tabellenplatz.

Dabei hatte der TuS gut begonnen. Balingen legte zwar vor, aber in der 6. Minute stand es 4:2, ganz nach dem Geschmack der vielen Fans. Doch Ceven Klatt und seine Jungs wussten schon, wer ihnen da auf der Platte gegenüberstand. War es zu viel Respekt vor dem Gegner, wollte man zu viel oder hatte man einen rabenschwarzen Tag erwischt? Wir wissen es nicht, wahrscheinlich war es von allem ein bisschen. Mattis Michel holte sich eine Zeitstrafe ab und dann kam das 4:3, 4:4 und das 4:5 in der 9. Minute, wobei das 4:5 eine Antwort auf den ersten Fehlwurf des TuS war. Doch es war nicht das Spiel des TuS und das bezieht sich auf die kompletten 60 Minuten.

Und schon gar nicht war es die 1. HZ, denn da lief so gut wie nichts zusammen. Das zeigen eindrucksvoll die Zwischenergebnisse von 5:10 (14.), 7:12 (22.), 8:14 (27.) und auch der Pausenstand von 10:16. Das war ein Schlag ins Kontor, das saß und die Haupttribüne wurde ruhiger. In dieser 1. HZ war der TuS den Galliern in allen Belangen unterlegen. Von der 17. bis zur 27. Minute erzielte Ferndorf nur 1 Tor, das ist definitiv zu wenig. Etliche Fehlwürfe und Mattis zweite Zeitstrafe brachten Unruhe ins Spiel und begünstigten den weiteren Spielverlauf natürlich auch nicht. Eine weitere Zeitstrafe für Mattis hätte Rot für ihn bedeutet und da verletzungsbedingt am Kreis auch Valentino Duvancic fehlte, bekam nun auch Philip Würz seine Einsatzzeiten.

In diesen ersten 30 Minuten produzierte der TuS 10 Fehlwürfe, Can kam nur auf 2 Paraden und Filip Baranasic, der ab der 22. Minute das Tor hütete, hatte noch mehr Pech. Ziemlich enttäuscht begab sich Ceven mit seinen Jungs in die Kabine. Was sie zu hören bekamen, weiß niemand, aber eine wesentliche Veränderung im Spiel sahen wir auch nicht.

Balingen erzielte in der 1. HZ 16 Tore und es waren in der 2. HZ auch 16 Tore, also konnten wir die Anzahl ihrer Tore nicht verringern. Ferndorf kam in dieser 2. HZ auf 14 Tore, also 4 mehr als in HZ eins. Das liest sich auf dem Papier etwas besser, riss die TuS Fans aber nicht zu Begeisterungsstürmen hin. Die Unterstützung von der Haupt und Quasttribüne ebbte teilweise ab, es war eine logische Konsequenz für die gezeigten Leistungen. Eine gute Leistung sahen wir in der 2. HZ von Daniel Hideg, er war in dieser 2. HZ bester Schütze mit 4 Toren und blieb auch über 60 Minuten der beste Torschütze mit insgesamt 5 Treffern. Es war die hohe Fehlerquote, die uns wieder mal ins Stolpern brachte. Tom Jansen, Daniel Hideg und Nico Schnabl produzierten alleine schon 13 Fehlwürfe bei 22 Wurfversuchen, kamen also alle drei zusammen auf 9 Tore. Das bringt der ganzen Mannschaft über 60 Minuten eine Wurfquote von nur 52 %. Unsere Gäste hingegen glänzten mit einer Quote von 71 %. Balingen machte aus 45 Würfen 32 Tore, Ferndorf mit 46 Würfen nur 32 Tore.

Gabriel Viana und Mattis Michel waren mehrfach erfolgreich und zwei der wenigen konstanten Offensiv und Defensivfaktoren im Match. Sie warfen jeweils 4 Tore bei nur 1 Fehlwurf. Die Torleute haben heute beide nichts gerissen, Sahnetage, wie wir sie ja von ihnen kennen, sehen anders aus. In der 41. Minute kam wieder Can Adanir in den Kasten, da Filip im Tor weiter Pech hatte. Can steuerte noch gute 5 Paraden bei und kam so auf die trotzdem wenigen 7 Gesamtparaden. Schreckmoment nach gespielten 54:37 Minuten: Julius Fanger hielt sich schmerzverzerrt die Hand beziehungsweise Finger und kam vom Spielfeld herunter. In der späteren Pressekonferenz sagte Ceven Klatt, dass es wohl nichts Schlimmes sei.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der TuS Ferndorf einen gebrauchten Abend erwischt hat, an dem nur wenig zusammenlief. Gerade in den entscheidenden Phasen fehlte die nötige Konsequenz im Abschluss sowie die Stabilität in der Defensive, um dem Spiel eine andere Richtung zu geben. Die Gäste nutzten hingegen nahezu jede sich bietende Gelegenheit eiskalt aus und bestraften Fehler sofort.

Dennoch sollte man dieses Spiel schnell abhaken und den Blick nach vorne richten. In der aktuellen Situation zählt jeder Punkt und die Mannschaft ist gefordert, in den kommenden Begegnungen wieder ihr wahres Leistungsvermögen abzurufen. Gerade vor heimischem Publikum hat der TuS in dieser Saison bereits bewiesen, dass er auch stärkere Gegner vor große Probleme stellen kann.

Jetzt gilt es, die Trainingswoche intensiv zu nutzen, die Fehler klar anzusprechen und vor allem im Abschluss wieder mehr Sicherheit zu gewinnen. Auch die Abwehrarbeit muss wieder kompakter werden, um den Gegnern weniger einfache Tore zu ermöglichen.

Die Unterstützung der Fans wird dabei weiterhin ein wichtiger Faktor sein, denn trotz der Enttäuschung stehen sie hinter der Mannschaft. Gemeinsam kann es gelingen, in den nächsten Spielen wichtige Punkte einzufahren und den Abstand zu den Abstiegsrängen wieder zu vergrößern.

FAZIT: Der TuS Ferndorf hat gestern in der Stählerwiese eine deutliche 24:32 Heimniederlage gegen den Aufstiegsaspiranten HBW Balingen Weilstetten kassiert. Die Gäste dominierten nach frühem Rückstand nahezu die komplette Partie und zeigten, warum sie im Rennen um den Bundesliga Aufstieg ganz vorne mitmischen. Sei es im Rückzugsverhalten, bei Tempogegenstößen oder durch ihre hohe Trefferquote, sie waren zu schnell, spielten perfekten Handball, waren stark in der Abwehr, glänzten im Offensivverhalten und wenn nichts ging, stand hinten Daniel Rebmann im Kasten und vereitelte 12 Würfe der Ferndorfer. Ja, sie waren ganz einfach besser, sie sind schließlich auch Tabellenzweiter und ihr Aufstieg in die Beletage des Handballs scheint in Reichweite. Gegen so einen Gegner kann man verlieren, man ging ja auch im Vorfeld davon aus, aber was weh tut, ist die Art und Weise. Man kann gut spielen und trotzdem verlieren, aber am gestrigen Abend wollten es die Gallier mehr. Glückwunsch zum Sieg. Was nicht in den Kram passt, ist die Tatsache, dass die HSG Krefeld ihr Spiel gegen Dormagen gewonnen hat. Das Schlimme daran: Für Ferndorf verkürzt sich damit der Abstand auf den ersten Abstiegsplatz auf nur noch 3 Punkte.

Und ob sich daran etwas ändern wird, werden die 2 nächsten Spiele des TuS und der HSG Krefeld zeigen, denn für den TuS folgen die Matches in Potsdam und das Heimspiel gegen Elbflorenz.

Drücken wir Ceven und seinen Jungs also die Daumen für diese 2 Spiele, Punkte wären so wichtig.

Bericht: Peter Trojak

Fotos: Andreas Domian

JOSIP ERES:

In der 1. HZ haben wir wirklich sehr schlecht gespielt, der Unterschied von 6 Toren war einfach zu viel, wir haben dann aber besser in der 2. HZ gedeckt. Ich glaube, die letzten 5 Minuten der 1. HZ waren entscheidend. Wir müssen mehr über die Breite spielen, das ist unser Problem, wir spielen viel zu viel über die Mitte. Wir haben noch zwei, drei schwierige Spiele hintereinander und da müssen wir alles geben.

CEVEN KLATT:

Wir kommen sehr gut ins Spiel, haben einen guten Start bis zum 4:2, verteidigen auch gut, doch dann fällt uns das Tore werfen leider ein bisschen schwer und diesem auslassen von Torchancen laufen wir dann im gesamten Spiel hinterher. Balingen schafft es, durch die gute Abwehr und die gute Torhüterleistung den sechs-Tore Vorsprung zu erspielen und wir verschießen einfach zu viele klare Bälle, hundertprozentige Chancen und haben zwei, drei technische Fehler, die Balingen dann im Aufbau bestraft und das hat uns heute das Genick gebrochen, denn davon erholen wir uns im Prinzip nicht. In der 2. HZ stellen wir wieder ein bisschen um, bringen Daniel und kriegen da über Schusssituationen für Daniel nochmal einfache Tore für uns. Aber Balingen ist am heutigen Tag einfach zu stark und zu konsequent und antwortet dann auch mit einfachen Toren aus dem Tempo heraus, spielt das im Stile einer Spitzenmannschaft runter und gewinnt am Ende verdient mit 32:24.

Teilen Sie

Anzeige

Archivkalender

160x600 not