(wS/red) Kreuztal, 26.04.2026 | Bitterer Abend mit Verletzungsdrama und knapper Niederlage
Ferndorf ging mit einem ohnehin schon stark dezimierten Kader in diese Partie und genau das war fast über die gesamte Spielzeit hinweg spürbar. Die Belastung für die verbliebenen Spieler war extrem hoch. In so einer Situation geht es nicht mehr in erster Linie um Taktik, sondern ums reine Durchhalten. Handball lebt normalerweise von Tempo, von Wechseln zwischen Abwehr und Angriff, von frischen Kräften auf der Platte. All das war heute nur eingeschränkt möglich. Spieler mussten durchspielen und man konnte sehen, wie die Kräfte von Minute zu Minute schwanden.

Ein Blick auf die Zahlen macht das deutlich. Von insgesamt 45 Würfen fanden nur 24 den Weg ins Tor. Das bedeutet 21 Fehlwürfe. Eine Zahl, die weh tut. Nach dem Ausfall von Tom Jansen, der mit einer Angina zu kämpfen hat, fehlte im Rückraum eine zentrale Option. Später fiel auch Soeren Servos aus. Damit gingen die Alternativen im Rückraum nahezu gegen null. Überraschende Lösungen waren kaum noch möglich und genau darauf konnte sich Nettelstedt einstellen.
Diese Niederlage ist ist aufgrund des Spielverlaufs verdient, auch wenn sie sich nicht wie eine klare Unterlegenheit anfühlt. Es fehlten schlicht die personellen Möglichkeiten. Tom Jansen wurde schmerzlich vermisst. Im Vergleich zum Spiel in Hagen fehlte der Spieler, der individuell Tore erzwingen kann, der auch in schwierigen Phasen Verantwortung übernimmt und Dinge einfach erzwingt.
Marvin Mundus und Julius Fanger fanden an diesem Abend nicht ins Spiel. Beide kamen jeweils nur auf 1 Treffer. Damit war der Rückraum über weite Strecken nahezu blank. Einzig Daniel Hideg stemmte sich mit 6 Treffern dagegen. Soeren Servos und Nico Schnabl steuerten jeweils 2 Tore bei. In Summe kamen die Rückraumspieler auf 10 Tore, was bei insgesamt 24 Treffern und jeweils 12 Toren pro Halbzeit auf dem Papier gar nicht so schlecht aussieht.

Doch das Spiel erzählte eine andere Geschichte. Viele Kreuzungen wurden gespielt, vielleicht zu viele. Immer wieder kam es zu Abstimmungsproblemen, Bälle konnten nicht erreicht werden oder flogen ins Leere. Gleichzeitig stand die Abwehr von Nettelstedt extrem stabil. Auf der Platte standen zwei Teams, die zu den defensiv stärksten der Liga gehören. Nettelstedt hatte ebenfalls personelle Ausfälle, spielte aber in entscheidenden Phasen cleverer und wirkte gedanklich oft einen Schritt schneller.
Dabei begann Ferndorf stark. Durch das eingespielte Zusammenspiel von Mattis Michel und Daniel Hideg stand es schnell 2:0. Beim ersten Treffer setzte Hideg mit einem Überkopfpass Mattis in Szene, das zweite Tor erzielte er selbst. Doch schon in Minute 2:29 folgte eine kuriose Szene. Der Gästecoach drückte bereits zu diesem frühen Zeitpunkt den Buzzer. Verwunderung in der gesamten Halle. Eine Auszeit nach nicht einmal drei Minuten hat absoluten Seltenheitswert. Möglicherweise hatte man sich taktisch auf Tom Jansen eingestellt und musste den Plan nach dessen Fehlen sofort anpassen. Das widerum passte nicht zu seinem Verhalten während der Auszeit, wild gestikulierend sprach er mit seinen Jungs.
Ferndorf verlor dieses Spiel nicht, weil man klar schlechter war, sondern weil am Ende die Kräfte und Optionen ausgingen. Vier Tore Unterschied sind eine Niederlage, ja, aber keine Klatsche.

24 erzielte Tore hingegen sind wenig, doch bei 21 Fehlwürfen waren auch viele klare Chancen dabei, die liegen gelassen wurden. Und jeder Fehlwurf eröffnet dem Gegner die Möglichkeit zum schnellen Gegenzug. Julius Fanger kam auf 1 Tor bei 5 Fehlwürfen, Marvin Mundus auf 1 Tor bei 4 Fehlwürfen. Daniel Hideg hatte ebenfalls 4 Fehlwürfe, traf aber 6 Mal und war damit bester Torschütze.
Die Ausfälle im Rückraum führten dazu, dass die Spieler versuchten, Bewährtes noch besser zu machen. Genau das kann kippen. Auch Josip Eres hatte mit 3 Fehlwürfen, darunter ein vergebener Siebenmeter, einen ungewöhnlichen Abend. Doch die Mannschaft ist am Limit. Die Saison geht in die entscheidende Phase. In Hagen hat man die eigene Leistungsgrenze überschritten, anders wäre dieser Sieg nicht möglich gewesen.
Und ganz ehrlich, man verliert dieses Heimspiel gegen Nettelstedt lieber als das Auswärtsspiel in Hagen. Beides zu gewinnen wäre ideal, aber das ist kein Wunschkonzert, sondern das eiskalte Handball-Geschäft.
Auch die Torhüter erwischten keinen guten Tag. Insgesamt nur 7 Paraden, davon 5 durch Can Adanir und 2 durch Filip Baranasic. Auf der Gegenseite standen 15 Paraden, ein deutlicher Unterschied.
Man könnte zum Ende hin versuchen, das Tempo zu drosseln, Angriffe länger auszuspielen und auf die „Schnelle Mitte“ zu verzichten, um Kräfte zu sparen. Doch genau hier entsteht der klassische Teufelskreis. Wenn man Gegentore kassiert, müsste man eigentlich schneller spielen. Die Mannschaft wollte, aber sie konnte nicht mehr.

Die Belastung war enorm. Spiele am 17.03. in Lübeck, am 21.03. in Hagen und am 24.03. gegen Nettelstedt. Der Körnerkasten war so gut wie leer und die Jungs konnten einem leid tun. Wenn man dann schon mal liest oder auch im Vorbeigehen hört, wie auf die Mannschaft einschl. Trainer verbal eingeprügelt wird, gewinnt man den Eindruck, dass sie den Sport nicht verstanden haben.
Die erste Halbzeit war lange ausgeglichen. 4:4, 8:8, 10:10. Mit weniger Fehlern hätte Ferndorf auch führen können. Doch gegen Ende der ersten Halbzeit war Nettelstedt konzentrierter. Aus einem 4:6 in der 13. Minute machte Ferndorf zwar ein 8:6 in der 17. Minute, doch zur Pause lag man mit 12:15 zurück. Es hätte genauso gut andersrum stehen können.
In der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein zähes Spiel. Kaum jemand schien Lust auf Tore zu haben. Fehler auf beiden Seiten, dazu aber starke Torhüteraktionen. In der 34. Minute fasste sich Julius Fanger ein Herz und erzielte das 13:15, direkt nachdem Can Adanir einen Siebenmeter gehalten hatte.
In der 36. Minute folgte ein echtes Highlight. Soeren Servos hämmerte den Ball mit voller Wucht zum 14:16 ins Netz. Ein Tor voller Energie, voller Willen, solche Treffer fehlen der Mannschaft.

Nach dem 16:20 in der 42. Minute nahm Ceven Klatt eine Auszeit. Doch danach folgten bis zur 46. Minute vier Fehler in Serie. Nettelstedt nutzte das nur teilweise und erhöhte auf 16:21. Trotzdem zog Ceven erneut die Reißleine und nahm nur fünf Minuten nach der letzten Auszeit die nächste. Es ging darum, die letzten Stellschrauben zu justieren.
Doch der Kräfteverschleiß war inzwischen deutlich sichtbar. Beim Stand von 16:21 und später 18:23 blieb der Abstand konstant. Ferndorf kam nicht mehr näher heran, ließ sich aber auch nicht abschütteln.
Nach 51:21 Minuten dann die nächste kritische Phase. Zwei Minuten gegen Ferndorf. Torwart raus, Feldspieler rein. Alles oder nichts.
Und dann kam die 53. Minute. Eine Szene, die man so schnell nicht vergisst. Ferndorf im Angriff. Soeren Servos bewegt sich rückwärts Richtung Seitenaus, will sich freilaufen, verliert das Gleichgewicht und geht mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden. Zunächst sah es nach einem Ausrutscher aus. Doch dann wurde klar, dass er dem Gästetrainer wohl zu nahe gekommen war. Es gab wohl einen Kontakt, Soeren trat ihm offensichtlich auf den Fuß und knickte um.

Ob der Trainer im Spielfeld stand oder nicht, konnte niemand sicher sagen. Er entschuldigte sich mehrfach bei Soeren, bei Ceven Klatt und auch bei den Schiedsrichtern. Eine maximal unglückliche Situation. Genau so wurde sie später auch in der Pressekonferenz von beiden Trainern eingeordnet, wir wünschen Soeren gute Besserung.
Diese Szene brachte Unruhe ins Spiel, auch auf der Tribüne. Eine Wende war danach nicht mehr möglich. Nach dem Ausfall von Soeren erzielte Ferndorf noch 5 Tore, Nettelstedt 4.
Die Gäste spielten es am Ende clever herunter und gewannen verdient mit 28:24.
Ceven Klatt hatte am Ende sein „letztes Aufgebot“ auf der Platte. Jetzt bleibt nur die Hoffnung, dass sich die Personalsituation schnell verbessert. Von Soeren Servos war tags drauf zu hören: „Ich denke, es ist nicht allzu schlimm“, hoffen wir mal.
Und vielleicht ist der Handballgott ja wirklich Ferndorf Fan. Dann kommt Tom Jansen bald zurück und er bringt Soeren gleich mit.

Welche Auswirkungen hat das Spiel auf die Tabelle? Am gestrigen Samstag spielte die HSG Krefeld (Tabellensiebzehnter, 1. Abstiegsplatz) zu Hause gegen den VfL Lübeck-Schwartau, das Match endete 28:28. Somit bleibt Krefeld auf dem 1. Abstiegsplatz mit 16:42 Punkten, Ferndorf bleibt nach der Niederlage auf Platz 15 mit jetzt 20:38 Punkten, hat jetzt aber nur noch 4 Punkte Abstand auf den 1. Abstiegsplatz. Zudem ist das Torverhältmis bei Ferndorf besser als bei den meisten Mannschaften und das ist bei der Endabrechnung wie ein Joker einzuordnen.
Am 01. Mai muss Krefeld beim Tabellendritten HC Elbflorenz ran, Ferndorf reist am 02. Mai zum Tabellenachten HSC 2000 Coburg. In beiden Begegnungen werden die Gastmannschaften der Außenseiter sein, es wird also ein spannender Maibeginn.
Torschützen: Daniel Hideg 6, Josip Eres 5/1, Mattis Michel 4, Gabriel Viana 3, Soeren Servos und Nico Schnabl je 2, Julius Fanger und Marvin Mundus je 1.
Bericht: Peter Trojak
Bilder: Andreas Domian
WIR-IHR-EIN TEAM-EIN ZIEL
DAS IST FERNDORF – DAS BIST DU

Stimmen zum Spiel:
Co-Trainer JANNIS MICHEL: Es gibt viele Seiten, wie man das heute betrachten kann. Man kann sagen, dass wir müde sind. Aber das wollen wir nicht als Ausrede gelten lassen. Nettelstedt hat super verteidigt und wir sind in jeder Statistik, die relevant ist, um ein Handballspiel zu gewinnen, deutlich schlechter, also in den Torhüterparaden, technische Fehler, Abwehrleistung, was Stopfouls angeht, da sind wir schlechter und trotzdem verlieren wir dieses Spiel nur mit 4 Toren. Das ärgert uns ein bisschen und wir sind enttäuscht, da trotzdem genug Möglichkeiten da waren, Nettelstedt heute zu schlagen, da die heute auch keine Superleistung gezeigt haben. Ich glaube, wir hatten heute keinen im Rückraum, der nur annähernd seine normale Leistung erreicht hat. Dann kommen noch ein paar freie Bälle dazu, auch von den Außenpositionen und dann muss man sagen, das reicht nicht. Aber die Jungs haben heute alles auf der Platte gelassen, mehr ging ganz einfach nicht. Es ist schön, dass heute Freitag ist, so dass wir jetzt erstmal zwei, drei Tage Pause machen können, wir treffen uns dann wieder am Dienstag, dann gehen die Köpfe wieder hoch, es ist auch mal ganz gut, dass wir uns mal zwei, drei Tage nicht sehen. Und dann hoffen wir nächste Woche bei unserem Lieblingsgegner Coburg, dass wir ein gutes Auswärtsspiel machen und vielleicht 2 Punkte holen. Die Vergangenheit hat es gezeigt, wir sind immer konkurrenzfähig, egal mit welchem Kader. Das haben wir auch heute gezeigt, auch wenn es an einigen Stellen nicht gereicht hat.

Gästecoach Davor Dominikovic: Ich muss sagen, wir haben heute gegen eine sehr starke Mannschaft gewonnen. Ferndorf verliert viele Spiel so knapp, trotzdem gefällt es mir unheimlich gut, wie sie verteidigen. Da sieht man das, was ich mag, diese Leidenschaft, dieser Wille, diese Gemeinschaft. Wir freuen uns, dass wir heute hier gewonnen haben, denn das ist nicht einfach, gerade nach unserer letzten Woche, die total „beschissen“ war ;-). Meine Hungs haben heute von der ersten bis zur letzten Sekunde geliefert hat. Ich schätze Ceven, ich schätze Ferndorf und seine Tradition und ich bin mir auch sicher, dass sie mit dem Abstieg nichts zu tun haben.

CEVEN KLATT: Eins möchte ich noch vorneweg und ganz klar sagen, die Situation mit Sören und Davor , da kann Davor nichts für. Sören macht den Schritt nach hinten, Davor steht mit dem halben Fuß im Feld, aber das ist keine Absicht oder irgendetwas, er hat sich auch bei Soeren sofort entschuldigt. Es ist mir wichtig an dieser Stelle ganz klar zu sagen, dass da keine Böswilligkeit oder irgendwas von dieser Seite da war.
ZUM SPIEL: Es war heute für uns die größte Herausforderung, mental da hin zu kommen, dass wir die Körper nochmal so bewegen können, um gegen diese intensiv verteidigende Nettelstedter Mannschaft, die das sehr kompakt und gut gelöst haben. In der Anfangsphase ist es uns noch gut gelungen, da sind wir auch über das Tempo noch zu Toren gekommen, aber dann hat man schon gemerkt, wie die Kräfte uns mehr und mehr verlassen haben. Gerade bei den Spielern, die jetzt fast 180 Minuten in den letzten drei Spielen gehen mussten, wie Mattis Michel, Daniel Hideg und auch Gabi Viana, der in der 1. HZ schon kurz ausgefallen ist. Da hat man einen deutlichen Kräfteverschleiß gemerkt und ich bin natürlich traurig heute, dass wir hier zu Hause die Punkte nicht holen konnten. Aber ich kann den Jungs nur bedingt einen Vorwurf machen. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille, das Torhüterduell verlieren wir zu deutlich. Aber wir machen auch zu viele schlechte Abschlüsse aus guten Chancen, alleine Josip in der 2. HZ, Gegenstoß, Siebenmeter, frei vom Kreis, wenn ich das nur kurz nehme bei einem Spieler. Wir machen zu viele einfache technische Fehler ohne große Not, wir spielen eine Kreuzung, schmeissen den Ball ins Aus ohne das irgendwas passiert. Das sind dann die Dinge, die sich am Ende in der 2. Liga rechnen und dafür ist dann Nettelstedt zu stark und zu gut und zu konstant in der Leistung heute. Für uns geht es jetzt darum, das Wochenende zum regenerieren zu nutzen, am Wochenende wird deswegen auch kein Training sein, das habe ich den Jungs auch grad gesagt. Es geht jetzt darum, den Kopf wieder freizukriegen, damit wir dann nächste Woche konzentriert weiterarbeiten können und in den Endspurt der Saison gehen zu können, wo wir sicherlich noch ein, zwei Punkte mit den Fans feiern dürfen. Zu Soeren, er ist am Knöchel einfach umgeknickt und ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist. Er ist im Kabinengang schon wieder gegangen und er wurde auch direkt getapet.

Gästecoach DAVOR Dominikovic zu der Situation mit Soeren Servos: Ich möchte mich bei Soeren ganz herzlich entschuldigen. Ich stand draussen und er ist mir wohl auf die Zehenspitzen getreten, ich bin niemand, der einen halben Meter im Feld steht. Aber in dem Moment war ich wahrscheinlich am falschen Platz, es ist ganz einfach passiert, ohne Absicht oder irgendwas. Ich wünsche Soeren auf jeden Fall gute Besserung, er ist ein guter Spieler, auch wie er sich unter Ceven entwickelt und nochmal gute Besserung.
















