Turnen mit künstlicher Hüfte

(wS/sp) Siegen – Meisterschaften im Geräteturnen – In der ganzen Halle stehen Turner mit Riegen bei ihrem jeweiligen Gerät, turnen ihre Übungen und lassen sich von ihren Kampfrichtern bewerten. So weit so gut! So ziemlich das einzige, was hier darauf hindeutet, dass man Zuschauer bei einer Seniorenmeisterschaft ist, sind die grauen Haare der meisten Teilnehmer. Die Kampfrichter hingegen sind deutlich jünger als gewohnt. Am Seitpferd sind nur Kampfrichter zwischen 16 und 26 Jahren zu finden. Ein bisschen verkehrte Welt also.

Die Zuschauerränge jedoch sind sehr gut gefüllt und geben regelmäßig einzelnen Athleten großen Applaus. Besonders bedacht wird dabei Rainhard Sieblitz. Der 64-Jährige misst sich heute in der Altersklasse der 60-64-Jährigen am Boden, Seitpferd, Sprung, Barren und Reck. Besonders am Reck und am Barren zeigen sich Zuschauer wie Kampfrichter begeistert. „Die beiden Übungen bekomme ich besser auch nicht hin“, erklärt sich Sieblitz zufrieden. Was jedoch kein Zuschauer sieht, der Mann, der am Reck Kippe, Umschwung und Drehung im Abgang ganz elegant kombiniert, turnt mit einer künstlichen Hüfte.

„Die habe ich seit acht Jahren. Ganz langsam erarbeitet man sich dann wieder alles. Solange ich auf meinen Körper höre, ist alles gut“, verrät der leidenschaftliche Turner, der sich sonst in 50 Jahren Turnen nicht einmal verletzt hat.
Zweimal die Woche geht er trainieren. Insgesamt werden es dann vier oder fünf Wettkämpfe im Jahr. Und damit zwischendurch nicht die Kräfte schwinden, reicht die eigene Enkelin von der Tribüne einen Schokoriegel. „Den bekomme ich zu jedem Wettkampf“, sagt er lachend.

Unterstützung hat auch Albert Kreth mitgebracht. Der 81-Jährige wird von seiner Frau Gerti begleitet. „Ich unterstütze seine Lebensleidenschaft sehr gern und schaue mir alle Wettkämpfe an“, sagt sie und knipst direkt die nächsten Fotos von ihrem Ehemann. Mit 81 gehört Kreth zur ältesten Riege der 80plus-Riege.

Ein Handstand ist für Albert Kreth kein Problem. (Foto: Veranstalter)

Ein Handstand ist für Albert Kreth kein Problem. (Foto: Veranstalter)

Der gebürtige Siegener ist der einzige Aktive, der auch beim ersten Siegener Turnfest 1960 mit dabei war. „Seit meinem 14. Lebensjahr bin ich immer dabei und solange ich gesund bleibe, werde ich dabei bleiben“, erzählt Kreth stolz. In seinem Alter werden nur noch drei Geräte absolviert (Barren, Reck, Boden). Dafür trainiert er zweimal die Woche mit einer Trainingsgruppe lauter „Senioren“, die immer noch fit sind und Spaß am Turnen haben. Kreths lachende Beschreibung: „Alte Knöppe sind wir.“ (fra)

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