Afrika wurde aufgeteilt wie ein Kuchen

Dr. Boniface Mabanza referierte am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung über die Auswirkungen von Freihandelsabkommen auf Afrika

(wS/red) Siegen 31.05.2016 | Freihandelsabkommen wie TTIP werden heiß diskutiert und stehen in der Öffentlichkeit. Dass solche Wirtschaftsabkommen auch zwischen Europa und Afrika bestehen, geht in der öffentlichen Wahrnehmung weitestgehend unter. In seinem kritischen Vortrag zeigte Dr. Boniface Mabanza von der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) in Heidelberg die Auswirkungen von internationalen Handelsabkommen auf Afrika auf.

In seinem Vortrag zeigte Dr. Mabanza die Auswirkungen von Freihandelsabkommen auf Afrika auf. (Fotos: Berufskolleg)

In seinem Vortrag zeigte Dr. Mabanza die Auswirkungen von Freihandelsabkommen auf Afrika auf. (Fotos: Berufskolleg)

Ohne Afrika keine Handys, keine Computer, Spielekonsolen, Schnittblumen oder Schokolade. Afrika ist als Rohstofflieferant der Erze Cobalt oder Coltan für die europäische Industrie ungemein wichtig und dennoch sind viele afrikanische Länder Entwicklungsländer und auf Hilfe angewiesen. „Die Gewinne entstehen in Europa“, so Mabanza. Ein Beispiel: 85 % des Kakaos kommen aus Westafrika, dennoch ist Schokolade für die Menschen dort ein Luxusgut, das sie sich nicht leisten können.

Die Schülerinnen und Schüler lauschten gebannt dem Vortrag von Dr. Mabanza.

Die Schülerinnen und Schüler lauschten gebannt dem Vortrag von Dr. Mabanza.

„Wenn Handelsabkommen mit Afrika fair gestaltet werden, dann ist weniger Entwicklungshilfe nötig, denn die Länder haben das Potenzial sich selbst zu ernähren“, meinte Mabanza. Die Ausrichtung der Handelsabkommen sei aber einseitig und verhindere eine Weiterentwicklung vom Rohstofflieferanten zur verarbeitenden Industrie in Afrika. Schon 1884 beschloss Europa auf der Berliner Konferenz die Aufteilung und Kolonialisierung Afrika. „Afrika wurde aufgeteilt wie ein Kuchen“ kommentierte Mabanza. Seit 1960 sind die afrikanischen Staaten unabhängig und politisch emanzipiert, aber wirtschaftlich immer noch in den Fängen der EU. Auch in TTIP, dem geplanten Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA sieht Mabanza eine Gefahr für Afrika. „Es werden neue Standards ausgehandelt, nach denen sich alle richten müssen. Afrikanische Länder fallen dann weg, weil sie die Standards nicht erreichen können.“

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