CDU-Klausurtagung befasst sich mit Kinderbetreuung in Siegen-Wittgenstein

Angebote müssen die Zumutbarkeit für Kinder beachten

(wS/red) Siegen-Wittgenstein 26.11.2016 | „Umfassende Unterstützung und Betreuungsangebote in Kitas sind wichtig, damit jungen Familien, wie auch Alleinerziehenden es möglich ist, Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren zu können. Ebenso von Bedeutung ist allerdings, dass das Wohl des zu betreuenden Kindes im Mittelpunkt steht. Wenn Kreis und Kommunen für die Kindertageseinrichtungen verantwortlich sind, steht daneben die Maßgabe für die Unternehmen, durch flexible Arbeitszeiten ihren Teil der Verantwortung für ein familienfreundliches Klima und der Sicherung von Fachkräften zu tragen.“ Diese Grundsätze, so Vorsitzender Bernd Brandemann, hätten die eingehenden Beratungen der CDU-Kreistagsfraktion zum Thema „Kinderbetreuung in Siegen-Wittgenstein“ bei ihrer Klausurtagung bestimmt.

„Zudem leitet uns das Anliegen, Familie als ‚Wert’ zu erhalten und selbst betreuenden Eltern genauso gesellschaftliche Achtung zu geben“, ergänzt Kornelia Busch-Pfaffe, stellvertretende Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses.

logo-cduIn einer Untergruppe dieses Gremiums war zuletzt die Erweiterung und Flexibilisierung der Öffnungszeiten von Kindertageseinrichtungen kontrovers diskutiert worden. Die CDU hat sich dabei gegen die von Kreisverwaltung beabsichtigte Kita-Öffnung von 6:00 Uhr morgens bis 19:00 Uhr abends ausgesprochen. „Die vorliegenden Abfragen geben als Beginn keine ausreichende Bedarfsanforderungen für solch eine massive Systemänderung“, erläutert Kornelia Busch-Pfaffe. Dort, wo es in Randzeiten einmal Probleme gebe, könnten diese besser und flexibler durch Tagespflegepersonen behoben werden. „Das sind in der Tat nur wenige Fälle.“ Klar ist für die CDU-Kreistagsfraktion allerdings auch, dass die finanzielle Ausstattung sowie die Anerkennung des Berufsstandes der Tagespflegepersonen verbessert werden muss, in nur wenigen Schritten wäre die Tagespflege allen Bedarfen anzupassen.

Vor einigen Jahren wurde genau diese “Maßnahme Tagespflege” als der richtige Beitrag zur Randzeitenbetreuung angesehen; der Kreis veranlasste viele Qualifikationsmaßnahmen für Seiteneinsteiger im Beruf, um hier fehlende Betreuung in einer guten, pädagogisch hochwertigen Atmosphäre abzudecken.

Nebenbei sei der “betrieblichen Kinderbetreuung” auf einmal das Wort geredet worden. Betriebskindergärten sollten plötzlich die Lösung sein. Nun sei auch diese Variante – aus verständlichen Gründen – nicht mehr aktuell, so Busch-Pfaffe. „Der jetzt geplante sprunghafte Wechsel zu KitaPlus, der ausgerechnet das eh “kränkelnde System” Kibiz treffen soll, ist besonders tragisch!“ Wie viel schnelllebigen Wechsel müsse das frühkindliche Bildungssystem noch aushalten, frage sie sich. Die Probleme mit dem fehlenden Berufsnachwuchs seien dabei noch gar nicht angesprochen.

Nach Auffassung von Kerstin Kölsch müsse die Vorgabe des Paragraphen 13e im NRW-Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) „Jede Kindertageseinrichtung soll bedarfsgerechte Öffnungs- und Betreuungszeiten unter Berücksichtigung des Kindeswohls und der Elternwünsche anbieten….“ und „Bei der Gestaltung von Angeboten müssten die Grenzen der Flexibilität und Zumutbarkeit für Kinder“ absolute Beachtung finden.

Dies sehe sie aus fachlicher Sicht bei den angedachten erweiterten Öffnungszeiten als nicht mehr gegeben. Sie wies darüber hinaus auf die generellen finanziellen Probleme hin, mit denen die Kindertageseinrichtungen durch Kibiz konfrontiert sind. Bis 2014 seien alleine die Kita-Kosten um rund 15 Prozent gestiegen, die Pauschalen tatsächlich nur um 7,5 Prozent angewachsen. „Landesweit fehlen bereits jetzt 1,5 Mrd. Euro im System“, konnte Kornelia Busch-Pfaffe kürzlich auf einer Fachtagung in Düsseldorf erfahren.

„Die Ausweitung der Öffnungszeiten ist nur ein Pseudo-Fortschritt“, findet Kreistagsmitglied Jutta Jeschke. Bei dem geringen Bedarf sei das eben kein „wesentlicher Beitrag zur Sicherung des Arbeitskräftepotenzials“, wie die Kreisverwaltung schreibe. Diese Kita’s würden eher Ort der Unruhe werden, wenn neben Stamm-Kindergruppen immer wieder neue zusätzliche Kinder für die Randzeitenbetreuung einwechselten und zu versorgen seien. „Wird das den individuellen Bedürfnissen der Kinder und einer Stabilität von Bindungsmöglichkeiten noch gerecht?“

Sozialausschuss-Vorsitzende Gabriele Stinner wies zudem darauf hin, dass sich viele Eltern quasi unter Druck gesetzt fühlten, Kinder bereits für die Betreuung von Unter-Dreijährigen anzumelden, um dadurch Sicherheit für den eigentlich gewünschten Platz in der Über-Dreijährigen Gruppe zu erhalten. „Für die Regel-Grundstrukturen brauchen wir vorrangig die notwendige Kapazität an Betreuungsplätzen“, ist ihr Votum. Daran scheint es in der Tat noch zu mangeln: „Kreisweit fehlen uns eine ganze Reihe sogenannte Ü-3-Plätze“, bilanziert Kornelia Busch-Pfaffe.

Im Kreis Siegen-Wittgenstein stehen für das Kindergartenjahr 2016/2017 insgesamt 5.779 Plätze zur Verfügung. Auf der Ausgabenseite des Kreises schlagen die Kosten der Kindertageseinrichtungen mit etwas mehr als 48 Mio. Euro (2017) zu Buche. Nach dem Haushaltsplanentwurf werden 2,9 Mio. Euro als Elternbeiträge und 22,5 Mio. Euro als Landeszuweisung für die Kita-Betreuung erwartet.

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