Mit Brass-Pop-Energie querbeet durch die Blasmusik

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(wS/hgm) Hilchenbach 29.03.2026 | Ein anspruchsvolles Repertoire lief am vergangenen Sonntag (21.März 2026) beim Musikverein Müsen (Dirigat: Dirk und Jana Setzer) im fast ausverkauften Gebrüder-Busch-Theater vom Stapel. Der Verein hatte in 23 Proben und einem Proben-Wochenende mit einem Dozenten der Philharmonie Südwestfalen (Thomas Wanner, Posaune) zum diesjährigen Frühjahrskonzert ein Programm von Format erstellt.
Mit dabei wie jedes Jahr: Die Flötengruppe unter Heike Giesler-Lemke, das Mini-Orchester unter Maike Schmidt und Luca Grosche sowie das Jugendorchester unter dem Dirigat von Jana Setzer und Theo Schmidt.

Das diesjährige Programm führte quer durch verschiedene Genres und musikalische
Epochen unter dem sinnreichen Titel „Querbee(a)t durch die Musik.
Und das ging es in der Tat – mit bewährter und bekannter „Müsener Musikpower“. Mit der
Komposition „Chicago-Festival“ eröffneten die rund 70 Musikanten die Vortragslette, ein
Werk, das die Energie und Atmosphäre einer Weltstadt in Klang verwandelt. Anschließend
begrüßte Vorsitzender Bernd Hoffmann Publikum und Gäste.
Dass es der Musikverein hervorragend versteht, Lebensfakten und Stimmungsbilder in Töne
zu verwandeln, muss man nicht mehr erzählen.
Weiter ging es mit dem „Concerto d’Amore“ – einst der meistgespielten Werke von Jaco de
Haan. Das besondere an diesem Stück ist, dass nach einer barocken Einleitung das
Hauptthema immer wiederkehrt, während die einzelnen Parts verschiedene Tempi
enthalten.
Mit Musik aus „Aida“ schlug das Programm die Brücke von der sinfonischen Blasmusik zum
Musiktheater. Details dazu konnte man dem sehr ausführlich gestaltetem Programmheft
entnehmen, so dass man sich authentisch mit der Musik verbunden fühlte. Bemerkenswert
ist das sogenannte Holzregister, das bei den Müsenern sehr gut besetzt ist.

Es folgte mit dem „Florentiner Marsch“ ein regelrechter Ohrwurm und einer der
meistgespielten Märsche, der mit einer Solo-Fanfare beginnt und nach Geplapper der
Piccoloflöten mit einem rasanten Finale endet. Spieltechnisch übrigens kein leichter Marsch!
Danach durften erst einmal die „kleinen Künstler“ auf die Bühne, nämlich die
Flötengruppe und das Mini-Orchester, die keck und unbefangen ihre Stückchen vortrugen –
lustig und in drolliger Form. So etwas hat kaum ein anderes Orchester zu bieten!
Das Jugendorchester (Dirigat: Jana Setzer) fetzte mit „Mama Mia“ los und lieferte in der
Komposition „The Beauty and the Beast“ einen instruktiven Einblick in das klassische
Märchen der jungen Frau Belle, die sich ein Biest verliebt. Musikalisch sehr gut ungesetzt!
Es folgte eine längere Pause, in der man u. a. die Gelegenheit hatte, das Programmheft zu
studieren, in dem der Musikverein detailliert beschreibt, was so alles geschehen war. Dazu
zählt auch eine namentliche Auflistung der Musiker/innen in den einzelnen Registern –
Informationen, die man anderswo kaum in dieser Form erhält. Selbst ein Einblick in die
Jugendarbeit fehlt nicht.

Bevor es weiterging im Programm, wurden verdiente Musiker mit Ehrennadel und Urkunden
geehrt:
Uwe Lautenschlager, 50 Jahre aktiv; Heinrich Schulthoff, 50 Jahre passiv, sowie Dieter Hermann, 70 Jahre aktiv/passiv (eine seltene Ehrung).
Die letzten drei Titeln des Hauptorchesters waren ziemliche „dicke Brocken“: In dem Werk
„Arsenal“ setzt Jan Van de Roost Maßstäbe für einen modernen Konzertmarsch, geprägt von
klaren Themen, die sich in einer Schlusssteigerung bündeln. „Libertango“ ist eine Ikone des
Tango Nuevo“ mit prägnanten Rhythmen. In der Blasorchester-Fassung des Komponisten
Lorenzo Bocci spürt man den Zug nach vorn im motorischen Puls, während Holzbläser (mit
denen ist der Musikverein gut bestückt) den Rhythmus vorgeben und das tiefe Blech die
typischen Tango-Harmonien vorgibt.
„Rock It!“ ist ein Rock ’n ‚´Roll- Medley in Konzertfarben, der viele Klassiker enthält: U. a.
„Let’s Twist Again“ oder „See you later Alligator“. Dieses Stück wurde übrigens von Jana
Setzer dirigiert, währenddessen Ihr Vater Dirk Setzer eine Bassklarinette spielte. Das Finale
vollzog sich mit dem Titel „Querbeat – Fettes Potpourri“ in Brass-Pop-Energie, der zeigte,
wie vielseitig Blasmusik heute sein kann: Nicht nur sinfonisch und traditionell (wie auf
Volksfesten) sondern ebenso modern, lebendig und tanzbar.
Der Beifall fiel orkanartig aus, so ein toller Musikverein hat halt seine Fans und ist ein
prägnanter Klangkörper. Klar, dass da Zugaben herhalten mussten – und selbst danach wäre
das Publikum noch am liebsten sitzengeblieben: „Hawaii Five-0“ (aus der gleichnamigen
Filmmusik) und der flotten Olka „Von Freund zu Freund“ – als endgültigem Rausschmeißer.

Text und Fotos: Hans-Gerhard Maiwald

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