Gefühlt zwei Tore zu hoch: TuS Ferndorf unterliegt nach großem Kampf gegen Elbflorenz

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(wS/red) Kreuztal, 11.04.2026 | Ein Hexenkessel namens Ferndorf: 1.400 Fans sorgen für Wahnsinnsstimmung

TuS Ferndorf – HC Elbflorenz 28:31 (15:15)

Was sich an diesem Abend in der Stählerwiese abspielte, war weit mehr als ein gewöhnliches Zweitligaspiel. 1.400 Zuschauer, ein restlos ausverkauftes Haus, eine unermüdlich singende Brigade C und vor allem die zwölf Trommler der Ferndorfer Füchse machten die Halle zu einem Hexenkessel. Diese Trommler haben kein Spiel begleitet, sie haben ein Spektakel entfacht. Jeder Schlag ging durch Mark und Bein, jeder Rhythmus trieb die Mannschaft nach vorne, es war eine Gänsehautstimmung, wie man sie nur ganz selten erlebt. Gästetrainer Andre Haber war nach dem Spiel völlig begeistert und sprach von einer unglaublichen Atmosphäre. Zeitweise war an Kommunikation mit seiner Mannschaft nicht zu denken, die bebende Halle übertönte schlichtweg alles.

Sportlich musste sich der TuS Ferndorf dennoch mit 28:31 geschlagen geben, doch dieses Ergebnis fühlte sich anders an. Es war eine Niederlage nach einem sehr guten Spiel, nicht nach einem schlechten.


Früher Nackenschlag und klare Ansage

Die Partie begann denkbar schlecht für das Team von Ceven Klatt. Nach nicht einmal sechs Minuten lag Ferndorf mit 0:5 zurück. Der Ablauf war einfach, Tor Elbflorenz zum 0:1, Fehlwurf Ferndorf, 0:2, wieder Fehlwurf, 0:3, technischer Fehler, 0:4 und direkt das 0:5 hinterher. Klatt war sichtlich bedient, aber noch nicht bereit zu einer Auszeit.

In der 7. Minute erlöste Daniel Hideg sein Team mit dem 1:5. Direkt danach übernahm Gabriel da Rocha Viana Verantwortung, brüllte seine Mitspieler nach vorne und traf in der 8. Minute zum 2:5. Diese Szene war sinnbildlich für das, was folgen sollte.

Bis zur 10. Minute zog Elbflorenz zwar noch einmal auf 2:6 davon, nach einem weiteren technischen Fehler sogar auf 2:7, doch dann kippte die Dynamik.


Viana übernimmt und Ferndorf kommt zurück

Jetzt war es vor allem Viana, der das Spiel an sich riss. Mit dem 3:7 und dem 4:8 brachte er sein Team zurück. Nach einem seiner wenigen Fehlwürfe sprangen die Mitspieler ein. Josip Eres traf zum 5:8, Mattis zum 6:8 und erneut Eres per Siebenmeter zum 7:8.

Im Tor zeigte Can Adanir bereits in dieser Phase seine Klasse und kam bis zur Pause auf sieben Paraden. Diese Paraden waren extrem wichtig, denn sie hielten Ferndorf im Spiel.

Nach 17:22 Minuten sah sich Andre Haber gezwungen, seine erste Auszeit zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt war die Partie längst gekippt.


Ausgleich, Führung und ein starker Neuzugang im Blick

Tom Jansen erzielte das 8:8, kurz darauf hielt Filip Baranasic einen Siebenmeter, nachdem er extra dafür eingewechselt worden war. Das Publikum rastete aus, angetrieben vom unaufhörlichen Trommelfeuer der Ferndorfer Füchse, das wie ein Herzschlag durch die Halle pulsierte.

Jansen legte das 9:9 nach. Nach einer Zeitstrafe gegen Elbflorenz ging Ferndorf erstmals in Führung. Josip Eres traf zum 10:9, Mattis erhöhte auf 11:10.

In dieser Phase fiel auch ein Spieler besonders auf, der in der kommenden Saison das Trikot des TuS tragen wird. Kreisläufer Timo Stoyke, aktuell noch für Elbflorenz aktiv, hinterließ bei seinen Einsätzen in der Abwehr einen guten Eindruck.


Offener Schlagabtausch bis zur Pause

In der 26. Minute stand es 11:12, Klatt nahm seine Auszeit. Es folgte ein Schlagabtausch auf Augenhöhe, 12:12, 13:13, 14:14 und schließlich der Halbzeitstand von 15:15.

Bemerkenswert war dabei die Entwicklung. Vom 0:5 Rückstand in der 6. Minute hatte sich Ferndorf bis zur 24. Minute auf 11:10 vorgearbeitet. Allerdings zeigte sich bereits hier ein Problem, das sich durch das gesamte Spiel ziehen sollte. 11 Fehlwürfe in der ersten Halbzeit standen nur einem einzigen technischen Fehler gegenüber.


Zweite Halbzeit bleibt intensiv und völlig offen

Die zweite Halbzeit begann genau so, wie die erste endete. Intensiv, kämpferisch und absolut ausgeglichen. Niemand hätte hier einen Unterschied von Tabellenplatz drei und fünfzehn erkannt.

Ferndorf ging mit 16:15 in Führung, Elbflorenz konterte, 18:17, 19:18, 20:20, 21:21. In der 47. Minute fiel das 22:22.

Diese Phase war geprägt von großem Kampf, schnellen Umschaltmomenten und einer hitzigen Atmosphäre. Die Zuschauer wurden immer wieder von ihren Sitzen gerissen. Und mittendrin dieses unglaubliche Trommelspektakel. Die zwölf Trommler der Ferndorfer Füchse trieben das Team unermüdlich an, jeder Angriff wurde begleitet, jede Abwehraktion gefeiert. Es war laut, es war intensiv, es war schlichtweg elektrisierend.


Knackpunkt ab der 47. Minute

Beim Stand von 22:22 hatte Ferndorf mehrfach die Chance, selbst in Führung zu gehen. Doch genau hier zeigte sich das entscheidende Muster des Spiels. Immer wieder folgte auf eine Ausgleichssituation ein Fehlwurf oder ein technischer Fehler.

Ein Lattenkracher von Tom Jansen führte im Gegenzug zum 22:23. Ein Fehlwurf und ein technischer Fehler brachten das 22:24. Klatt nahm bei 51:49 Minuten die Auszeit, doch kurz darauf fiel sogar das 22:25 in der 53. Minute.

Man merkte dem TuS nun auch den Kräfteverschleiß an, trotz ständigen Wechselns.


Dramatische Schlussphase

Doch Ferndorf gab sich nicht auf. Nach einer Zeitstrafe gegen Elbflorenz verkürzten Philip Würz, Josip Eres und Tom Jansen auf 25:26 in der 57. Minute.

Eres vergab zwar einen Siebenmeter, doch der Ball blieb beim TuS. Viana traf in der 58. Minute zum 26:27. Direkt danach fielen das 26:28 und im Gegenzug das 27:28.

Die Halle stand komplett. Die Trommler peitschten das Team nach vorne. Diese Minuten waren pure Emotion.

Kurz vor Schluss hatte Can Adanir die Chance, mit einer Siebenmeterparade das Spiel vielleicht noch zu drehen, doch diesmal blieb ihm dieser Moment verwehrt.

Tom Jansen traf in der 60. Minute spektakulär per Kempa zum 28:29, quer in der Luft liegend, Andre Haber nahm sofort die Auszeit.

Am Ende machte aber Elbflorenz mit zwei weiteren Treffern alles klar zum 28:31.


Fazit eines besonderen Abends

Ferndorf hat dieses Spiel nicht verloren, weil es schlecht war. Im Gegenteil. Es war eine sehr starke Leistung mit großem Kampf, viel Herz und unglaublichem Willen.

Entscheidend waren 21 Fehlwürfe und die Tatsache, dass man bei eigenem Ballbesitz nach Ausgleich zu oft einfache Fehler machte, die Elbflorenz konsequent bestrafte.

Tom Jansen war mit 7 Toren bester Werfer, gefolgt von Gabriel Viana und Josip Eres mit jeweils 6 Treffern, darunter vier verwandelte Siebenmeter. Daniel Hideg überzeugte trotz nur zwei Toren mit sechs Assists, ebenso Nico Schnabl mit ebenfalls sechs Vorlagen.

Die Mannschaft wurde nach Abpfiff gefeiert wie ein Sieger. Und das völlig zurecht.

Denn was an diesem Abend in der Stählerwiese ablief, war mehr als ein Spiel. Es war ein Handballfest, angetrieben von Fans, die ihr Team getragen haben und von Trommlern, die ein gigantisches Spektakel abgefackelt haben, das jedem in der Halle unter die Haut ging.


Ausblick

Mit dieser Leistung im Rücken geht der Blick nach vorne, denn am kommenden Freitag reist das Team nach Lübeck-Schwartau.

Wenn Ferndorf diese Energie, diesen Willen und diese Atmosphäre konservieren kann, dann werden auch dort Punkte möglich sein.

Tor: Can Adanir 10 Paraden, Filip Baranasic 1 abgewehrter Siebenmeter

Torschützen: Tom Jansen 7, Josip Eres 6/4, Gabriel da Rocha Viana 6, Mattis Michel 4, Daniel Hideg 2, Philip Würz, Marvin Mundus und Soeren Servos je 1

Bericht: Peter Trojak

Fotos/Collage: Andreas Domian

Stimmen zum Spiel:

André Haber: Wir haben einen Traumstart, das kann man nicht anders sagen, so wie wir reingekommen sind. Und dann denke ich, natürlich kommt Ferndorf und dann kommt auch die Halle. Ich glaube, wir haben ein bisschen besseres Halbzeitergebnis verpasst, weil wir nicht so gut geworfen haben. Wir hatten eine Phase zwischendurch, wo wir 6 Fehlwürfe am Stück hatten und dadurch 6 Angriffe kein Tor machen. Das war ärgerlich und hat Ferndorf voll zurückgebracht. Ferndorf ist immer eine Mannschaft, die bis Minute 60 voll kämpft. Und hier in der Stählerwiese zu spielen, ist immer schön und schlimm zugleich. Das ist ganz einfach cool, so sollte Handball in jeder Halle sein. Wirklich und ohne Spaß, das sind ganz viele Emotionen mit riesiger Stimmung, das ist natürlich als Gastmannschaft .

Und dann gerade in den Phasen, wo der Gastgeber auch kommt ist das ein Problem. Ich glaube, dass wir heute gewonnen haben, weil wir zum Schluss irgendwie noch so einen Tick cooler waren und unsere Sachen durchgebracht haben und immer wieder eine Lösung gefunden haben. Auch gegen die schwer zu bespielende Ferndorfer Deckung, weil sie die ganze Zeit kämpft, vielleicht konnten wir aber auch einen Tick besser wechseln, auch wenn beide Mannschaften Verletzungen haben, deshalb ist das Pendel dann zu uns ausgeschlagen. Wenn mir morgen ein graues Haar gewachsen ist, dann dann ist es wegen Tom Jansen. Der hat uns am meisten Sorgen gemacht, da er mit seiner Wurfgewalt unsere Abwehr geöffnet hat. Ich freue mich riesig, dass wir, unter meiner Leitung, das erste Mal gegen Ferndorf gewonnen haben. Es war für uns ein wichtiger Auswärtssieg und ich wünsche Ceven und seiner Mannschaft alles Gute für die Zukunft.

Ceven Klatt: Ein ganz großes Kompliment heute an die Stählerwiese und an die Zuschauer, die heute da waren. Das war für mich, zumindest in der Rückrunde, der absolute Höhepunkt, ich glaube, viel mehr geht nicht. Das hat richtig, richtig Spaß gemacht. hat den Jungs auch unheimlich geholfen. Und als drittes ein Riesenkompliment an meine Mannschaft, wie sie hier und heute gefightet hat, den Kopf oben gehalten hat gegen solch eine Topmannschaft wie Elbflorenz und sich hier mehr als achtbar aus der Affäre zieht.

Wir haben keinen guten Start, nach 10 Minuten führt Elbflorenz 7:2. Beim 5:0 gehen mir als Trainer schon die Gedanken durch den Kopf, nehme ich eine Auszeit, nehme ich keine Auszeit. Ich habe bewusst keine Auszeit genommen, um meinen Spielern nicht das Gefühl zu vermitteln, jetzt schon so schlecht, wir müssen jetzt schon dagegensteuern, hab dann aber darauf vertraut, dass gleich ein, zwei Tore fallen werden. Das ist dann auch so passiert und es war so etwas wie ein Brustlöser. 2:7, 3:7 und dann steht es nach 20 Minuten schon 9:9, dann können wir mit dem 10:9 das erste Mal in Führung gehen. Dann folgt ein offener Schlagabtausch bis zum Halbzeitergebnis von 15:15.

Nach der Halbzeit ist das Spiel weiterhin offen und geprägt von unheimlich viel Intensität von beiden Seiten. Bis zum 21:21 bleibt es beim Unentschieden und ab diesem Zeitpunkt führt Elbflorenz immer mit ein, zwei Toren. Wir kommen das letzte Mal beim 28:29 ran, schaffen es dann aber nicht, den Ausgleich zu schaffen und deswegen gewinnt Elbflorenz heute auch verdient. Sie schaffen es einfach, der Atmosphäre und dem Widerstand meiner Mannschaft einfach Paroli zu bieten, bzw. cool zu bleiben. Und trotzdem bin ich heute unheimlich stolz auf meine Mannschaft, auf die Stählerwiese und auf das Publikum, was sie heute geliefert haben. Das war einmal mehr Werbung für die 2. Liga und für den TuS Ferndorf in der 2. Liga.

Marvin Mundus: Ich denke, wir sind überhaupt nicht gut ins Spiel gekommen. Wir haben zu einfache Tore kassiert und vorne zu einfache Würfe genommen. Dann haben wir uns aber relativ schnell gefangen und uns wieder ein kleines Polster von ein bis zwei Toren aufgebaut. Deshalb sind wir aus meiner Sicht auch verdient mit einem Unentschieden in die Halbzeit gegangen. In 15 Minuten nur sieben Gegentore – das zeigt eine gute Abwehrleistung.

Diese Abwehr haben wir dann eigentlich auch über die zweite Halbzeit getragen, egal wer auf dem Feld war. Vorne hat uns vielleicht ein bisschen das Spielglück gefehlt – zweimal Pfosten, ein Ball kommt nicht richtig an. Auf der anderen Seite gehen die Dinger bei uns dann eben rein. Ich denke, das macht am Ende den Unterschied.

Kämpferisch war das eine gute Leistung. Insgesamt würde ich sagen: ein ordentliches Spiel, auf dem wir weiter aufbauen müssen. Jetzt kommen wieder Gegner, gegen die man auf jeden Fall punkten kann – vor allem, wenn man so eine Abwehr stellt und so eine Leistung wie in den letzten beiden Spielen bringt.

Timo Stoyke (unser Kreisspieler ab der kommenden Saison, derzeit noch bei Elbflorenz): Es war wie immer eine schwere Aufgabe gegen Ferndorf auswärts und ich freue mich schon darauf im nächsten Jahr hier zu spielen und Ferndorf nicht gegen mich zu haben. Ich habe jetzt heute nicht so viel gespielt, das ist im Moment meine Rolle. Ich komme überall mal rein und bin auf jeden Fall bereit, aber wenn wir halt gewinnen, dann steht die Mannschaft im Vordergrund. In Ferndorf traut sich ja auch keiner, seine zweite Garde auf`s Feld zu schicken, weil das hier schon sehr unangenehm ist. Die Stimmung hier ist der Hammer, wir haben uns in der Woche schon darauf vorbereitet, dass es hier sehr laut ist und man versucht, sich auch ohne Kommunikation zu verständigen.

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