(wS/bka) Wiesbaden 17.04.2026 | Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main – Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) – und das Bundeskriminalamt (BKA) sind in einer international abgestimmten Aktion gemeinsam mit Strafverfolgungsbehörden aus insgesamt 21 Ländern erneut gegen Cyberkriminalität vorgegangen.
Im Mittelpunkt der von Europol unterstützten Operation „Power Off“ stehen sogenannte Stresserdienste. Diese kriminellen Services ermöglichen Nutzern auch ohne tiefergehende technische Fähigkeiten gegen Entgelt das Ausführen von Überlastungsangriffen (sogenannte DDoS-Attacken). Dabei werden Opfersysteme gezielt so überlastet, dass deren Inhalte zeitweise nicht erreichbar sind. Webseiten oder -dienste fallen in der Folge aus, was zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden bei betroffenen Unternehmen und potenziell zu Ausfällen kritischer Infrastrukturen führen kann.
Bei den schwerpunktmäßig in dieser Woche erfolgten Maßnahmen sind Strafverfolgungsbehörden weltweit sowohl gegen inkriminierte IT-Infrastrukturen als auch gegen Tatverdächtige vorgegangen. International fanden 16 Durchsuchungen, unter anderem in Polen und Brasilien statt.
In einem bei der ZIT geführten Verfahren wird dem Beschuldigten vorgeworfen, zwei der weltweit bedeutendsten Stresserdienste („Fluxstress“ und „Netdowner“) betrieben zu haben. Der Beschuldigte ist deutscher Staatsbürger und befindet sich derzeit in Gewahrsam der thailändischen Behörden. Gegen ihn liegt in Deutschland ein Haftbefehl wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betreibens einer kriminellen Handelsplattform im Internet gemäß § 127 des Strafgesetzbuchs vor.
Im Zuge der Maßnahmen konnten die benannten Dienste unschädlich gemacht werden.
Dabei wurden mehr als 40 Server mit dem deutschen Beschuldigten in Verbindung gebracht und sichergestellt. Die gewonnenen Daten können für weitere Ermittlungen gegen kriminelle Nutzer der Plattformen genutzt werden.
Darüber hinaus wurden durch die beteiligten Länder über 150 Maßnahmen gegen
inkriminierte Infrastrukturen vollzogen und zahlreiche weitere Stresserdienste
unschädlich gemacht. Durch die polnischen Behörden wurden in einem dort
geführten Ermittlungsverfahren zudem zwei mutmaßliche Administratoren und ein
weiterer Tatbeteiligter festgenommen. Seit Beginn der Operation Power Off haben
die beteiligten Strafverfolgungsbehörden Hinweise auf mehr als drei Millionen
Nutzerdaten mit kriminellen Bezügen gewonnen.
Neben strafprozessualen finden weltweit auch umfassende präventive Maßnahmen
statt. Die deutschen Behörden werden mehr als 50.000 Nutzende der vom Netz
genommenen Dienste kontaktieren und auf die mögliche Strafbarkeit ihrer
Handlungen aufmerksam machen. Darüber hinaus schalten die Behörden über 50
szenetypische Kommunikationsplattformen ab, die in engem Zusammenhang mit den
kriminellen Dienstleistungen genutzt wurden. Diese Maßnahmen wurden durch einen
zielgruppengerechten animierten Film flankiert, der ebenfalls die Strafbarkeit
der Handlungen herausstellt.
Carsten Meywirth, Direktor beim Bundeskriminalamt und Leiter der Abteilung
Cybercrime: „Mit unserem jüngsten Sprint im Zuge der langfristig angelegten
Operation „Power Off“ sind wir erneut wirksam gegen mehrere Stresserdienste
vorgegangen. Diese ermöglichten Überlastungsangriffe, die aus ganz
unterschiedlichen Motiven gefahren werden: Haktivistische Gruppierungen
versuchen unsere Gesellschaft unter Druck zu setzen, Online-Gamer versprechen
sich Wettbewerbsvorteile. Das Stören fremder Systeme ist jedoch kein Spiel. Der
Arm des Gesetzes greift deshalb auch in der virtuellen Welt durch und holt immer
mehr Verantwortliche aus dem Schutz der vermeintlichen Anonymität. Dafür setzen
wir auch in Zukunft auf eine enge Zusammenarbeit mit unseren internationalen
Partnern. Das Betreiben und Nutzen von Stresserdiensten ist strafbar und zieht
spürbare Konsequenzen nach sich. Cybercrime lohnt sich nicht.“
Dr. Benjamin Krause, Leiter der ZIT: „Mit den durchgeführten Maßnahmen konnten
wir erneut einen Schlag gegen die Infrastruktur der Underground Economy landen,
diesmal im Bereich der Stresserdienste. Hervorzuheben ist die Identifizierung
des deutschen Beschuldigten. Dies zeigt erneut die Möglichkeiten einer
effizienten Strafverfolgung im Bereich des Cybercrime. Gerade jüngere
Beschuldigte, unter anderem in der Gaming-Szene, nutzen häufig Stresserdienste
als vermeintlich harmlosen Spaß oder um sich Vorteile in Spielen zu verschaffen.
Es muss hier klar betont werden, dass es sich hierbei um Straftaten handelt.
Solche Taten stellen eines der häufigsten „Einstiegsdelikte“ und die
entsprechenden Dienste das Einstiegstor in die Underground Economy für junge
Cyberkriminelle dar.“
Ein sogenannter Stresser-Dienst ist eine webbasierte Plattform, die ihren Kunden
gezielte Überlastungsangriffe auf Webseiten, sogenannte Distributed
Denial-of-Service-Angriffe (DDoS), und andere webbasierte Services anbietet.
Stresser-Dienste eröffnen insofern die schnelle und einfache Möglichkeit,
DDoS-Angriffe auch ohne tiefergehende technische Fähigkeiten durchzuführen. Dies
hat zur Folge, dass DDoS-Angriffe einem breiten Nutzerkreis zugänglich gemacht
werden.
Die Motive der Cyberkriminellen hinter DDoS-Angriffen sind unterschiedlich. Dazu
zählen Wirtschaftssabotage und das Erzielen finanzieller Gewinne, die
Verschleierung anderer Cyber-Angriffe, aber auch das Verschaffen eigener
Wettbewerbsvorteile beim Online-Gaming. Daneben gibt es politisch-ideologische
Motive, wie etwa bei sogenannten hacktivistischen Tätergruppierungen. Solche
Hacktivisten-Kollektive sind für eine Reihe von DDoS-Angriffen verantwortlich,
die sich sowohl gegen bundes- als auch europaweite Internetpräsenzen, vor allem
in den Bereichen Sicherheit, Infrastruktur und Finanzen richten.
Im Rahmen der seit 2018 laufenden und durch Europol und das Europäische Zentrum
für Cyberkriminalität (EC3) unterstützten internationalen Operation „Power Off“
konnte bereits eine Vielzahl von entsprechenden Dienstleistungs-Plattformen für
DDoS-Angriffe identifiziert und vom Netz genommen werden. Zur nachhaltigen
Bekämpfung der von Stresser-Diensten ausgehenden Gefahr werden die repressiven
Maßnahmen auch von präventiven Maßnahmen flankiert, die insbesondere junge
Menschen von cyberkriminellen Aktivitäten abschrecken sollen.
Weitere Informationen sind auf der BKA-Webseite unter folgendem Link abrufbar:
www.Operation-Poweroff.com








