Streit um den evangelischen Friedhof in Netphen: Betroffene starten Petition und wollen Bürgerinitiative gründen

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(wS/red) Netphen 04.06.2026 | Die geplante Schließung des evangelischen Friedhofs an der Martini-Kirche in Netphen sorgt seit Wochen für Diskussionen, Enttäuschung und zunehmend auch für Verärgerung. Viele Angehörige und Grabnutzungsberechtigte sind enttäuscht und verärgert – und das nicht nur über die Entscheidung selbst, sondern vor allem über die Art und Weise, wie das Presbyterium der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Dreieinigkeit mit ihren Sorgen umgeht. Inzwischen formiert sich Widerstand: Eine Online-Petition wirbt für den Erhalt des Friedhofs, und aus der Bürgerschaft heraus sollen die Weichen für eine Bürgerinitiative gestellt werden.

Kirchengemeinde verweist auf wirtschaftliche Zwänge

Zur Begründung verweist die Kirchengemeinde auf wirtschaftliche Zwänge. Wie schmerzhaft die Lage aus Sicht der Verantwortlichen ist, machte Superintendentin Pfarrerin Kerstin Grünert in der WDR-Lokalzeit deutlich. Dort wird sie mit den Worten zitiert: „Wir müssen Entscheidungen treffen, die weh tun. Die auch richtig, richtig Mist sind!“ Für viele Betroffene wirft gerade diese Aussage jedoch eine zentrale Frage auf: Wird tatsächlich noch ernsthaft nach Alternativen gesucht – oder ist die Schließung längst beschlossene Sache, und man wartet darauf, dass der Protest mit der Zeit nachlässt?

Offene Fragen und unbeantwortete Briefe

Denn die eigentliche Kritik richtet sich längst nicht mehr nur gegen die Entscheidung, sondern gegen den Umgang damit. Bei einer Informationsveranstaltung am 11. Mai wurden Fragen der Betroffenen gesammelt, die anschließend über die Homepage der Kirchengemeinde beantwortet werden sollten. Doch auch rund drei Wochen später ist nach Schilderung von Betroffenen keine einzige dieser Fragen beantwortet worden – weder online noch in schriftlicher Form. Auch mehrere Briefe an die Kirchengemeinde seien bislang ohne Antwort geblieben. Bei Kritikern verfestigt sich dadurch der Eindruck, die Entscheidung sei unumkehrbar und Einwände würden lediglich zur Kenntnis genommen.

Sorge um die Grabstätten der eigenen Familie

Besonders emotional sind jene Fälle, in denen Angehörige fürchten, künftig nicht mehr neben bereits verstorbenen Familienmitgliedern beigesetzt werden zu können. In der WDR-Lokalzeit deutete Grünert zudem an, das Presbyterium prüfe, wie mit bereits erworbenen Gräbern umgegangen werden solle. Viele Betroffene fragen sich allerdings, warum sie über eine solche Prüfung nicht direkt informiert werden.

Dass das Thema die Menschen bewegt, zeigte sich auch bei den Dreharbeiten der WDR-Lokalzeit, die sich in Netphen rasch herumgesprochen hatten. Rund 40 Bürgerinnen und Bürger fanden sich zu dem Termin ein, um die Aufzeichnungen zu begleiten; auf dem Friedhof wurden mehrere Interviews geführt. Aufgrund der begrenzten Sendezeit konnten am Ende nicht alle Beiträge in der ausgestrahlten Reportage berücksichtigt werden. Aus diesem Zusammentreffen heraus reifte ein Entschluss: Man wolle sich erneut treffen, um die Gründung einer Bürgerinitiative zu beraten. Ziel ist es, gegenüber der Kirchengemeinde mit einer gemeinsamen Stimme aufzutreten und die Interessen der Bürgerinnen und Bürger gebündelt zu vertreten.

Petition fordert Aufklärung – und ein offenes Nachdenken über Alternativen

Parallel dazu läuft seit dem 3. Juni 2026 eine Online-Petition auf der Plattform openPetition. Unter dem Titel „Erhaltung des evangelischen Friedhofes Netphen“ wendet sich Initiator Nico Eggers aus Netphen direkt an das Presbyterium. Die Unterzeichnenden fordern Aufklärung über die finanziellen Hintergründe des Beschlusses, Auskunft darüber, was das Presbyterium bislang unternommen hat, um die Schließung zu verhindern, sowie ein offenes, gemeinsames Nachdenken über Handlungsalternativen – etwa die Gründung eines Fördervereins für den Friedhof. In dem Aufruf heißt es, Eile sei geboten, bevor städtische Zuschüsse anderweitig vergeben würden; bei Bedarf solle die Petition auch an höhere Entscheidungsgremien weitergeleitet werden.

In der Begründung wird der Friedhof als weit mehr als ein Bestattungsort beschrieben: als bedeutender Teil der Ortsgeschichte, als Ort des Erinnerns und der Begegnung, als ökologisch wertvolle Grünanlage und als Ausdruck christlicher Kultur und Werte. Bis zum Erscheinen dieses Artikels am 4. Juni 2026 hatten 80 Menschen die Petition unterzeichnet; für das regionale Quorum von 490 Unterschriften in Netphen waren davon 55 angerechnet. Die Unterschriftensammlung läuft noch bis zum 2. Dezember 2026.

Was die Unterzeichnenden bewegt

Was die Menschen umtreibt, lässt sich an ihren Begründungen ablesen. Ina Schano aus Netphen schreibt, ihre Familie liege dort begraben und solle weiterhin ihren Frieden finden; sie verweist auf historische Gräber und nennt den Ort ein „friedliches Fleckchen Erde“. Frank S. aus Netphen betont, er sei mit einer Grabstelle persönlich betroffen, und kritisiert, dass hier „wie einer ev. Gemeinde unwürdig“ gehandelt werde. Ein Unterzeichner aus Netphen begründet seine Unterschrift schlicht mit dem „Erhalt eines Ortes der Trauer und Kultur“, eine Unterstützerin aus Köln verweist auf ihre Verbundenheit mit dem Friedhof über das Grab ihrer Eltern.

Eines macht die Debatte deutlich: Die Entscheidung mag aus Sicht der Kirchengemeinde gefallen sein – ausgestanden ist die Diskussion darüber noch lange nicht.

Die Petition ist hier zu finden: https://www.openpetition.de/petition/online/erhaltung-des-evangelischen-friedhofes-netphen

Fotos: Nico Eggers >>> ZUR PETITION

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