(wS/dia) Siegen 09.05.2026 | Mit der feierlichen Eröffnung an der Wichernstraße vor 60 Jahren wurde ein Kapitel aufgeschlagen, das die Gesundheitsversorgung der Region bis heute prägt: Das Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen blickt 2026 auf sechs Jahrzehnte medizinischer Entwicklung, pflegerischer Fürsorge und stetigen Fortschritts zurück. Aus diesem Anlass sind mehrere Veranstaltungen geplant: Den Auftakt bildet am kommenden Montag, 11. Mai, ein Vortragsabend mit klinischen Experten zum Thema „Exzellenz in der Onkochirurgie“.
60 Jahre „Stilling“ auf dem Rosterberg – das sind 60 Jahre Spitzenmedizin und menschliche Zuwendung im diakonischen Sinne. Hier, sowie an den weiteren Standorten des Diakonie Klinikums in Freudenberg und Kirchen/Altenkirchen, sorgen sich heute rund 400 Ärzte, mehr als 1300 Pflegekräfte und hunderte Mitarbeiter weiterer Berufsgruppen um das Wohl von jährlich mehr als 100.000 Patienten. Von der Geburtsklinik mit Level-I-Perinatalzentrum (in Kooperation mit der DRK-Kinderklinik) bis hin zur Palliativmedizin gibt es ärztliche Fachleute für jede Lebensphase. Mit seinen 24 Hauptabteilungen ist das Diakonie Klinikum ein Haus der umfassenden Notfallversorgung sowie überregionales Traumazentrum im Dreiländereck von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz.
Ältere Semester in Siegen werden sich erinnern, dass die Ursprünge des Klinikums Jung-Stilling nicht auf dem Rosterberg lagen, sondern jenseits der Sieg am Fischbacherberg. Nach jahrzehntelangen Bestrebungen eröffnet dort 1947 das erste evangelische Krankenhaus in Siegen. Gemeinsam getragen von der Inneren Mission Siegerland und dem Ev. Hilfswerk wird es im ehemaligen Standortlazarett errichtet und nach dem Siegerländer Augenarzt-Pionier Johann Heinrich Jung, genannt Stilling, benannt. Im Sinne des Namensgebers sollen im Ev. Jung-Stilling-Krankenhaus medizinisches und menschliches Handeln Programm und Verpflichtung sein.
In den 1950er-Jahren wird am Fischbacherberg mehrfach umgebaut und erweitert – dennoch herrscht dort ein permanenter Mangel an Betten, und so fasst die Kreissynode 1960 den Beschluss für einen Neubau. Zwei Jahre später legen Superintendent Ernst Achenbach sr. und NRW-Ministerpräsident Franz Meyers den Grundstein am künftigen Standort auf dem Rosterberg. Das Konzept für das hochmoderne Klinikum setzt seinerzeit bundesweit Maßstäbe: Nach den Plänen des Düsseldorfer Architekten Gerhard Thiede entsteht ein 13-geschossiger Baukörper mit einer Frontlänge von 70 Metern und Platz für mehr als 400 Betten. Charakteristisch sind die Stationsetagen, deren Doppelfluranlagen mit innenliegenden Funktionsräumen für kürzere Wege sorgen. Am 8. Oktober 1966 ist es schließlich soweit: Das „neue“ Ev. Jung-Stilling-Krankenhaus wird offiziell eröffnet. Gut eine Woche zuvor waren bereits die ersten 85 Patienten vom Fischbacher- auf den Rosterberg verlegt worden. Und nur wenige Tage zuvor hatte hier schon das erste Kind das Licht der Welt erblickt.
Die 1960er- und 1970er-Jahre sind geprägt durch enorme medizinische und technische Fortschritte. Schon damals zeigt sich das „Stilling“ in vielfacher Hinsicht als Vorreiter, erwirbt etwa 1977 als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland einen Ganzkörper-Computertomographen. Auch baulich schreitet die Entwicklung stetig voran: Am „Stilling“ wird 1980 ein bis in den fünften Stock reichendes Gebäude mit einem zusätzlichen bis ins achte Obergeschoss reichenden Fahrstuhlturm eingeweiht. 1989 folgt unterhalb des Krankenhauses das „MRT-Gebäude“ für die radiologische Abteilung. Um die Klinik herum entstehen im Laufe der Jahre das Schwesternwohnheim, das Pflegebildungszentrum, Verwaltungsgebäude, das Ev. Hospiz Siegerland und eine Kindertagesstätte. Heute bildet der Campus Jung-Stilling, zu dem auch das Medizinische Versorgungszentrum mit seinen Facharztpraxen sowie das Ambulante Rehazentrum gehören, eine leistungsstarke Einheit im Gesundheits- und Sozialwesen.
Das „Stilling“ selbst hat sich seit 2016 noch einmal signifikant vergrößert. Grundlage hierfür bildete ein Fünf-Stufen-Plan mit dem Ziel, das Klinikum medizinisch, technisch und baulich auf ein höheres Level zu heben. So wird das Haus im 50. Jahr seines Bestehens zunächst um einen dreigeschossigen Anbau mit hochmodernen Hybrid-OP-Sälen erweitert. Es folgen die Aufstockung um fünf Etagen und ein neues Hubschrauber-Landedeck samt Hangar auf dem Krankenhaus-Dach. Ihren vorläufigen Abschluss finden die Maßnahmen Ende 2022 mit der Eröffnung eines weiteren, nunmehr zwölfstöckigen Anbaus. In Summe vergrößerte das Klinikum seine Gesamtfläche um rund 35 Prozent. Somit wurden zum einen Kapazitäten geschaffen für zusätzliche Fachabteilungen (Kardiologie, Gefäßchirurgie, neurologische Geriatrie mit Stroke Unit, Neuroradiologie), zum anderen Platz für eine neue Intensivstation, moderne Patientenzimmer und Untersuchungsräume. Parallel dazu wurde auch im Altbau umfangreich modernisiert, etwa durch die Einrichtung zweier neuer Intermediate-Care-Stationen.

Das ursprüngliche „Stilling“-Gebäude an der Wichernstraße, das im Laufe der Jahrzehnte durch mehrere Anbauten erweitert wurde. Foto: Diakonie in Südwestfalen

Vor 60 Jahren wurde das Diakonie Klinikum Jung-Stilling am Rosterberg eröffnet und hat sich seitdem in medizinischer und baulicher Hinsicht stetig weiterentwickelt. Foto: Diakonie in Südwestfalen







