(wS/red) Hilchenbach 11.07.2026 | Es war einer dieser Abende, an denen man am Straßenrand steht, das Handy zückt und einfach nur staunt. Bei herrlichem Sommerwetter setzte sich am gestrigen Freitag, 10. Juli 2026, um 21:00 Uhr die Lichterfahrt des 10. Internationalen Gold Wing Treffens in Bewegung – und mit ihr über 70 Gold Wings, Trikes und Gespanne, die das Siegerland in ein rollendes Lichtermeer verwandelten.
Wer dabei war, wird das so schnell nicht vergessen.



Schon lange vor 21:00 Uhr war klar: Das hier wird kein gewöhnlicher Freitagabend. Entlang der Strecke hatten sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher postiert – auf Gehwegen, an Kreisverkehren, vor Geschäften, in Hofeinfahrten. Manche hatten Klappstühle dabei, andere waren einfach spontan vor die Tür getreten, weil sich in der Nachbarschaft herumgesprochen hatte, was da gleich vorbeikommen würde.
Und dann kam sie. Erst als fernes Glimmen, dann als Perlenkette aus Scheinwerfern, schließlich als ein Strom aus Farbe, Chrom und Licht. Über 70 Gold Wings – die schweren Reisemaschinen aus dem Hause Honda, liebevoll „King of the Road“ genannt – rollten im Konvoi durch die Ortsdurchfahrten. Und jede einzelne war ein kleines Kunstwerk für sich.
Jede Maschine ein Unikat – mit viel Liebe zum Detail beleuchtet
Was die Gold-Wing-Fahrerinnen und -Fahrer an Beleuchtung auffahren, ist schwer in Worte zu fassen. Da war die knallgrüne Maschine, deren komplette Verkleidung von feinen LED-Linien nachgezeichnet wurde, als hätte jemand die Konturen mit einem Leuchtstift nachgemalt. Da war das dunkelrote Trike, das im Fahren einen ganzen Farbteppich auf den Asphalt warf – rot, blau, pink, alles gleichzeitig. Da war die weinrote Gold Wing mit tausenden Lichtpunkten auf Kotflügel, Kühlergrill und Sturzbügel, dazu leuchtende Antennenstäbe in Grün und Weiß und die Fahne der GWFD im Fahrtwind.
Besonders schön: die Soziusfahrerinnen, die im Fahrtwind schimmernde, mit Lichterketten durchzogene Flügel ausbreiteten – und damit tatsächlich aussahen, als würden sie über die Straße schweben. Auf anderen Maschinen leuchteten Deutschland-Fahnen über der Frontverkleidung, wehten die grün-gelb-roten Wimpel der litauischen Gäste, blitzten Vereinsabzeichen und Aufnäher von unzähligen Treffen aus vielen Jahren.
Dazwischen die Gespanne: Seitenwagen mit Passagieren, die aus ihrem Bötchen heraus mit beiden Armen winkten, strahlten, lachten. Und auch die Fahrer selbst reckten die Hände in die Luft, grüßten in die Menge, gaben freundlich Gas. Wer am Straßenrand stand, wurde nicht angeschaut – er wurde angesprochen, ganz ohne Worte.
Strahlende Kinderaugen – der schönste Moment des Abends
Der eigentliche Zauber dieses Abends aber lag nicht auf der Straße, sondern daneben. Zahlreiche Kinder hatten mit ihren Eltern am Straßenrand gewartet – und was sich dann abspielte, war schlicht wunderbar. Kleine Hände, die winken. Große Augen, die dem Lichtermeer folgen. Kinder, die auf den Schultern ihrer Väter saßen und laut jubelten, wenn wieder eine besonders bunt beleuchtete Maschine vorbeirollte. Und Bikerinnen und Biker, die genau dafür extra langsam machten, hupten, winkten, den Daumen hochreckten.
Es war ein Geben und Nehmen, ein Miteinander, das man in dieser Form selten erlebt. Für viele Kinder im Siegerland dürfte dieser Freitagabend zu den Momenten gehören, von denen sie noch in Jahren erzählen.
Wie eine große Familie
Wer die Gold-Wing-Szene kennt, weiß: Hier geht es nicht um Krach, nicht um Imponiergehabe, nicht um Tempo. Hier geht es um Gemeinschaft. Und genau das war gestern Abend mit Händen zu greifen. Die Gold-Wing-Leute waren unterwegs wie eine große Familie – die Ordner in Warnwesten, die den Konvoi absicherten, die Fahrer, die aufeinander achteten, die Grüppchen, die sich zwischen den Ortschaften wieder einsortierten. Kein Gedränge, kein Lärm, keine Hektik. Stattdessen: ein ruhiges, würdevolles, unfassbar schönes Rollen durch die Sommernacht.
Der Konvoi führte von Müsen über Kredenbach, Unglinghausen, Eckmannshausen, Herzhausen, Grund, Vormwald, Hilchenbach, Allenbach und Dahlbruch zurück nach Müsen – und überall dasselbe Bild: Menschen, die winken. Menschen, die filmen. Menschen, die einfach nur schauen.
Die GWFD – der Verein hinter dem Treffen
Ausrichter des Treffens ist die Gold Wing Föderation Deutschland e.V. (GWFD). Der Verein wurde 2004 gegründet und ist der einzige deutsche Verein, der Mitglied in der GoldWing European Federation (GWEF) ist. Als Dachverband vertritt die GWFD die Interessen der über 12.000 Gold-Wing-Fahrerinnen und -Fahrer in Deutschland und richtet alle zwei Jahre ein internationales Top-Treffen aus – in diesem Jahr eben bei uns im Siegerland, am Bürgerhaus in Hilchenbach-Müsen.
Die GWEF wiederum vereint nationale Gold-Wing-Clubs aus rund 25 europäischen Ländern und entstand 1978 beim ersten europäischen Treffen in den Niederlanden. Wer mehr über die GWFD, ihre Struktur und die Möglichkeiten einer Mitgliedschaft erfahren möchte, findet alle Informationen unter www.gwfd-dev.de beziehungsweise direkt auf der Seite „Deine GWFD“.
Fotogalerie: Herzlichen Dank an Andreas Domain
























Nicht vergessen: Das Ganze hat auch einen guten Zweck
Was viele Zuschauerinnen und Zuschauer am Straßenrand vermutlich gar nicht wussten: Das Treffen dient nicht nur dem Vergnügen. Tagesgäste zahlen auf dem Veranstaltungsgelände am Bürgerhaus Müsen einmalig 10,00 Euro (ab 14 Jahren) in die Spendenkasse – gültig für alle Tage. Und dieses Geld bleibt in der Region und kommt den Kleinsten zugute: Es fließt als Spende für Spielgeräte auf dem Kinderspielplatz der Ginsburg an den Verein zur Erhaltung der Ginsburg e.V.
Lichtermeer, Familienfest, Völkerverständigung – und am Ende profitieren auch noch die Kinder auf der Ginsburg davon. Schöner kann man ein Treffen kaum aufziehen.
Wie geht es weiter? Heute steht die Große Ausfahrt an
Heute, am Samstag, 11. Juli 2026, geht das 10. Internationale Gold Wing Treffen zu Ende. Zum Abschluss stand von 10:00 bis 16:00 Uhr die Große Ausfahrt auf dem Programm – gefahren wurde ausschließlich von den Gold Wingern.
Danke – und gute Fahrt!
Wir sagen: Danke für diesen Abend. Danke an die Gold Wing Föderation Deutschland e.V., danke an jede einzelne Fahrerin und jeden einzelnen Fahrer, die aus über 15 Nationen zu uns ins Siegerland gekommen sind und uns ein Stück ihrer Begeisterung geschenkt haben.
Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wünschen wir für die verbleibenden Stunden des Treffens weiterhin viel Spaß, eine schöne Zeit – und vor allem eine sichere, gute Heimfahrt. Kommt gerne wieder!
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