Tödliche Messerattacke in Kreuztal: Zweiter Prozesstag im Zeichen von Polizeizeugen und IT-Auswertungen

Teilen Sie
Teilen Sie

(wS/red) Kreuztal 12.03.2026 | Pünktlich am heutigen Donnerstag, den 12. März 2026, um 14:00 Uhr startete der zweite Verhandlungstag im Strafverfahren gegen Maurizio S. (Az. 31 Ks 4/25) wegen des Vorwurfs des Totschlags. Nachdem es beim ersten Termin zu Tumulten zwischen Angehörigen vor dem Gericht gekommen war, begann Richterin Dreisbach diesen Sitzungstag mit einer klaren Ansage: Anfeindungen und Tumulte haben im Gerichtssaal nichts zu suchen. „Hier werden keine Leute bedroht!“, mahnte die Vorsitzende mit deutlichen Worten zum Guten für alle. Der Saal 161 war erneut gut gefüllt, als die Beweisaufnahme mit der Vernehmung zahlreicher Polizeibeamter begann.

Polizeibeamte schildern Festnahme und erste Ermittlungen

Als erster Zeuge wurde ein 32-jähriger Polizeioberkommissar der Wache Kreuztal aufgerufen. Er schilderte, dass der Einsatz als „Streitigkeit“ eingegangen war und sofort eine Fahndung nach dem flüchtigen Täter eingeleitet wurde. Eine Streife aus Siegen traf den Beschuldigten schließlich in der Nähe des Norma-Marktes in der Marburger Straße an.

Durch eine umgehend eingeleitete Nahbereichsfahndung (13.09.2025) konnten Einsatzkräfte der Polizei den tatverdächtigen Mann in der Marburger Straße unweit des Tatortes festnehmen.

Der Beamte gab zu Protokoll, dass der Angeklagte bei der Festnahme nicht viel gesagt, aber immer wieder die Namen von zwei Polizeibeamten genannt habe.

Er habe „sehr gleichgültig“ und unbeeindruckt gewirkt, keinen Widerstand geleistet und zu 100 Prozent verstanden, worum es geht.

Am Tatort, den der Beamte direkt absperrte, fand er aufgewühlten Boden vor, an dem die Auseinandersetzung stattgefunden haben muss. Blutspuren waren in diesem Bereich keine zu sehen. Da leichter Regen einsetzte, wurde die Feuerwehr gerufen, um ein Zelt für die weiteren Arbeiten aufzustellen.

Ein zweiter, 26-jähriger Polizist erläuterte die Festnahme in der Marburger Straße in Höhe der Hausnummer 66 im Detail. Der Angeklagte führte eine Umhängetasche bei sich, in der sich ein Messer befand. Augenzeugen vor Ort bestätigten dem Beamten, dass der Mann bei der Tat ein Messer in der rechten Hand gehalten habe. Zudem sah der Polizist ein Foto auf einem Handy, das den Täter zeigte.

Der Angeklagte beim heutigen Prozess (12.03.2026)

Ein dritter, 44-jähriger Polizeibeamter, der sehr zügig am Vereinsheim eintraf, beschrieb die dortige Lage: Er fand eine große Menschenmenge vor, die einen Kindergeburtstag feierte, während eine Person am Boden lag. Er fotografierte ein ihm gezeigtes Bild des Täters ab, um es an Kollegen zu versenden. Der Beamte gab an, dass er beim mutmaßlichen Täter ein Messer mit frischen Blutanhaftungen feststellen konnte. Zudem sicherte die Polizei auf halbem Weg zwischen dem Vereinsheim und dem Tatort einen Teleskopschlagstock, der dort auf der Erde lag. Der eigentliche Tatort wurde exakt 39 Meter nach Beginn des Radweges lokalisiert, wo mittels Metermaß eine Stelle mit mehreren Fußspuren gefunden wurde. Auch dieser Zeuge zeigte sich sprachlos darüber, dass der bereits gefesselte Täter ihn korrekt beim Namen nannte, obwohl der Beamte kein Namensschild an der Uniform trug. Ausserdem nannte er immer wieder den Namen eines weiteren Polizisten.

Fotos vom Tattag – 13.09.2025 ( Andreas Trojak / wirSiegen.de)

Details zur Festnahme: „Probleme mit den Knien“

Eine weitere Polizeibeamtin (27) aus Siegen schilderte, wie sie den Tatverdächtigen am Gehweg ansprachen. Auf die Aufforderung, sich auf den Boden zu legen, entgegnete der Angeklagte, er könne dies nicht, da er Probleme mit den Knien habe. Unter Vorhalt der Dienstwaffe ließ er sich widerstandslos festnehmen und hielt von sich aus beide Hände hoch. Im Streifenwagen habe er laut Aussage der Beamtin Paragrafen aus dem Strafgesetzbuch „runtergebetet“, auch aus dem italienischen. Ein 24-jähriger Kollege ergänzte, dass der Angeklagte verlangte, das italienische Konsulat zu verständigen, da jemand seine Familie töten werde – die Beamten hatten hier den Eindruck einer Psychose. Ein Alkoholtest ergab 0,0 Promille. Ein Arzt untersuchte den Beschuldigten später, stellte die Gewahrsamsfähigkeit fest und notierte, dass keine Verletzungen vorlagen, die Stimmung jedoch gereizt und das Verhalten aggressiv gewesen sei.

Auswertung der digitalen Kommunikation: „Bastardo“

Am Spätnachmittag wurde eine 45-jährige Regierungsbeschäftigte aus Hagen zur IT-Auswertung des Handys gehört. Sie konnte seit August 2023 insgesamt 121 Kontaktversuche oder Gespräche zwischen Täter und Opfer dokumentieren. Besonders auffällig: Der Angeklagte hatte das spätere Opfer unter dem Namen „Bastardo“ abgespeichert. Massimo hatte hiervon durch einen Screenshot erfahren und sich darüber mokiert.

Die verlesenen Facebook-Chats zeigten die angespannte Situation vor der Tat. Das Opfer schrieb unter anderem: „Ich will mit dir keinen Kontakt und rede nicht über mich“ sowie „Ich möchte nur, dass du meinen Namen nicht in den Mund nimmst“. Noch am 8. September 2025 schrieb das spätere Opfer: „Ich will Abstand zu dir“. In weiteren Nachrichten ging es um Geldforderungen an eine dritte Person. Am Tattag selbst gab es noch Nachrichten, in denen sich beide am Kaufland verabredeten.

Angeklagter bezichtigt Gericht der Unvollständigkeit

Während der Erörterung dieser Nachrichten hob der Angeklagte plötzlich den Kopf in Richtung der Richterin und unterbrach: „Das ist nicht korrekt. Die Dialoge sind nicht vollständig, es fehlen Dialoge, mit denen ich entlastet werden würde!“ Er führte weiter aus, dass aus seiner Sicht einiges weggelassen worden sei. Richterin Dreisbach erwiderte kurz: „Das machen wir nicht“ und unterbrach die Hauptverhandlung für diesen Tag.

Fortsetzungstermine: Die Verhandlung wird am 31.03.2026 (09:30 Uhr) fortgesetzt. Weitere Termine sind für den 02.04., 08.04. und 15.04.2026 angesetzt. wirSiegen.de wird den Fall weiterhin verfolgen.

Siehe auch VORBERICHT vom 15. September 2025

Werbepartner der Region – Anzeige







Werden Sie Teil unserer Unterstützer-Community

Gefällt Ihnen unsere Berichterstattung auf wirSiegen.de? Helfen Sie mit, dass wir weiterhin unabhängig für Sie berichten können.

👉 Jetzt unterstützen

Jeder Beitrag hilft – vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Teilen Sie

Anzeige

Archivkalender

Mo. Di. Mi. Do. Fr. Sa. So.
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031