Expressive Akkordeonmusik und Chorgesang mit Verve

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(wS/hgm) Kreuztal 25.03.2026 | Das Musizieren auf dem Akkordeon ist wesentlich populärer als
vermutet. Hat es doch gegenüber anderen Instrumenten den Vorteil, dass darauf nicht nur
einfach über eine Tastatur (dem Diskantteil) die Melodie gespielt werden kann, sondern
auch mit dem Bass-Teil zeitgleich eine Rhythmusbegleitung zur Verfügung steht. Das geht
zwar auch mit einem großen Klavier, dieses aber ist nicht unbedingt transportabel, und ein
Keyboard schafft dies nur mit Hilfe einer Elektronik.
Das Akkordeon hingegen ist ein rein analoges Instrument, die Luft zum Anblasen der
Stimmzungen wird mit einem Faltenbalg erzeugt. Es ist also reines Solospiel möglich, ohne
dass man unbedingt noch andere Instrumente benötigt.
Auf einem guten Akkordeon kann jede Art von Musik gespielt werden, und nicht umsonst
wurde es vom deutschen Musikrat „zum Instrument des Jahres“ 2026 erklärt.
Sehr beliebt ist jedoch das Musizieren in einem Akkordeon-Orchester, wovon es zurzeit im
Siegerland zwei dieses Genres gibt. Das älteste unter diesen ist das Akkordeon-Orchester
Siegerland (AOS), das in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert, wobei man durchaus
von einem Jubiläum reden kann.
Aus diesem Grund veranstaltete am vergangenen Samstag das AOS, mit seinen
musikalischen Leiterinnen Kerstin Hoffert und Silvia Steinmetzler, ein Jubiläumskonzert in
der vollbesetzten Ev. Laurentius-Kirche in Ferndorf. Als Konzertpartner fungierte die Chor-
Formation „Gospeltrain“ unter dem Dirigat von Stefanie Werner. Mit von der Partie waren
ferner auch einige Solisten: Julian Bieler-Horn (Trompete), Paul Fiedler (E-Bass) und
Katharina Fiedler (E-Gitarre).
Bettina Gerdes, 1. Vorsitzende des AOS, betonte in ihrem Grußwort, dass 70 Jahre weit
mehr als nur eine Zahl sei. Dahinter stecke eine lange Geschichte voller Musik, Engagement
und vor allem voller Menschen, die ihre Begeisterung für das Akkordeon miteinander teilen
würden. Seit sieben Jahrzehnten werde im AOS gemeinsam musiziert. Generationen von
Musikerinnen und Musikern hätten mitgespielt – manche für einige Jahre, andere über viele
Jahrzehnte hinweg. Und man dürfe mit ein wenig Stolz sagen, dass das AOS das älteste
Akkordeon-Orchester im südwestfälischen Raum sei.
Den Auftakt machte als Ausrichter natürlich das AOS – und zwar mit einem spieltechnisch
sehr anspruchsvollen Titel: „A New Age Rock“. Das ist eine abwechslungsreiche Komposition
des sinfonischen Rocks, bekannt durch melodische Elemente und rockige Rhythmen – die
vom AOS durch sorgfältige Registrierung und mit viel Feeling umgesetzt wurde.
Die weiteren Kompositionen waren „Feierklänge“, „Metropolitan Pictures“ und „Cantina
Band“, worin die volle Bandbreite des Akkordeons in Verbundenheit mit einem hohen Maß
an Expressivität zutage trat. Vor allem wurde erkennbar, dass das Akkordeon keineswegs
nur auf die Darbietungen von Polkas oder Walzer beschränkt ist. Die präzise arbeitenden
Ventilklappen und die Dosierung der Luftmenge im Balg lassen jeden nur denkbaren
Rhythmus zu. Mit einer z. B. Orgel darf man dieses Instrument nicht vergleichen. Hinzu
kommen lediglich Zungenbässe, ein Elektronium, das eher einem Akkordeon-Keyboard
gleicht und die Perkussion in Form eines Schlagzeuges und Kesselpauken.
Danach gab es akustische Abwechslung mit den Vorträgen von „Gospeltrain“.

Eine sehr agile Formation, die alte und neue Gospels präsentiert und inzwischen auch durch jazzige Stücke ergänzt wird. Davon gaben Kunde z. B. Kompositionen „Come let uns sing“, „Musik nur,
wenn sie laut ist“ oder „I will always sing to you“. Als Zugabe brachte der Chor noch das in
beschwingtem Stil vorgetragene Stück „Easy on me“ zu Gehör.
Im letzten Block präsentierten sich das AOS und die Formation „Gospeltrain“ gemeinsam;
Stimmzunge und Stimmband ergänzten sich vorzüglich. „You Raise me up“ ist eine sehr
bekannte Komposition und wurde von beiden Klangkörpern mit reichlich Verve vorgetragen.
Und auf das tolle Gospel-Medley „Oh Happy Day“ folgte als letzter Titel noch das
„Hallelujah“. Dieses Lied beginnt mit den Worten „Now I’ve heard there was a secret
chord”. Es ist ein eher gebrochenes Hallejuja, welches Zweifel, Anklage und Gotteslob
verbindet und trotz aller Katastrophen als ein trotziges Ja zum Leben verstanden werden
kann. Und genau das passt nur zu gut in die gegenwärtige (unruhige) Zeit.
Eine großartige Leistung von Orchester und Chor, die mit stürmischen Ovationen bedacht
wurde, aber auch durch den Inhalt und Aussage der vorgetragenen Titel viele tiefgehende
Eindrücke beim Publikum hinterließ.


Akkordeon-Orchester Siegerland Text und Fotos: Hans-Gerhard Maiwald

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