TuS Ferndorf bringt den Favoriten Nordhorn-Lingen leicht ins Wanken, verliert dann aber doch mit 31:35

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(wS/red) Kreuztal, 10.05.2026 | Ein starker Kampf, der am Ende unbelohnt bleibt

TuS Ferndorf gegen HSG Nordhorn-Lingen 31:35 (17:19)

Eins noch vorneweg, nämlich die Ergebnisse der heutigen Sonntagsspiele:

Eulen Ludwigshafen gegen VfL Potsdam 33:34

HSG Krefeld gegen HBW Balingen-Weilstetten 34:43

TuSEM Essen gegen HSC 2000 Coburg 37:28

Glückwunsch an Balingen und Bietigheim zum Aufstieg in die 1. Bundesliga.

Dieser Spieltag ist somit beendet und der TuS Ferndorf befindet sich nun mit 22:40 Punkten auf Tabellenplatz 14 und hat 4 Punkte Abstand zum ersten Abstiegsplatz, den jetzt wieder die HSG Krefeld übernommen hat. Zudem hat Ferndorf noch als „Joker das bessere Torverhältnis aller Abstiegskandidaten.

Nun zum Spiel:

Der TuS Ferndorf hat das Heimspiel gegen die HSG Nordhorn Lingen zwar mit 31:35 verloren, sich gegen den Tabellensechsten aber über weite Strecken ganz gut verkauft. Wenn man berücksichtigt, welche Ausfälle Ceven Klatt erneut kompensieren musste, dann war das unter dem Strich eine Leistung, auf der man definitiv aufbauen kann.

Ferndorf begann mutig und ging direkt mit 1:0 in Führung. Gabi Viana erzielte den ersten Treffer des Abends und auch wenn es sich im Nachhinein ernüchternd anhört, sollte es die einzige Führung der Gastgeber in diesem kampfbetonten Spiel bleiben.

Dennoch zeigte der TuS von Beginn an, dass man sich keineswegs kampflos ergeben wollte. Die Gäste hatten zwar mehr Qualität im Kader und wirkten insgesamt reifer und eingespielter, doch Ferndorf hielt mit großem Einsatz dagegen. Die 1293 Zuschauer sahen eine Mannschaft, die kämpfte, dagegenhielt und der HSG phasenweise Probleme bereitete.

Besonders auffällig war dabei die geringe Fehlerquote. Gerade einmal sieben technische Fehler leistete sich der TuS im gesamten Spiel, davon nur zwei nach der Pause. Das war einer der besten Werte der Saison. Das eigentliche Problem lag eher bei den Abschlüssen, denn insgesamt standen am Ende leider auch 20 Fehlwürfe auf dem Statistikbogen.

Die Anfangsphase verlief überraschend ausgeglichen. Beim 3:4, 6:7 oder auch 7:9 in der 16. Minute blieb Ferndorf immer in Reichweite. Dass das überhaupt möglich war, lag vor allem an zwei Spielern.

Zum einen zeigte Can Adanir im Tor eine starke erste Halbzeit und kam bis zur Pause bereits auf sechs Paraden. Sein Gegenüber van der Merwe stand ihm mit ebenfalls sechs Paraden allerdings kaum nach.

Zum anderen spielte Marvin Mundus eine überragende Partie. Acht Tore erzielte er bereits in den ersten 30 Minuten und übernahm immer wieder Verantwortung. Am Ende standen starke elf Treffer bei 15 Wurfversuchen auf seinem Konto. Dazu kamen noch drei Assists und ein HPI Wert von 92.

Auch die Zahlen auf Seiten der Gäste zeigen übrigens, dass Ferndorf defensiv keineswegs schlecht gearbeitet hat. Tarek Marschall war mit zehn Treffern zwar bester Werfer der HSG, benötigte dafür aber auch 18 Würfe und produzierte somit acht Fehlwürfe.

Nach dem 7:9 in der 16. Minute schlichen sich beim TuS allerdings einige Fehler ein. Trotz eines sehenswerten Kempa Tores von Marvin Mundus und einer weiteren Parade von Can Adanir verlor Ferndorf kurzzeitig den Faden. Drei Fehler hintereinander nutzten die Gäste konsequent aus und plötzlich stand es 9:14. Ceven Klatt reagierte sofort mit einer Auszeit.

Die Halle wurde in dieser Phase spürbar ruhiger. Dennoch waren Brigade C und die Ferndorfer Füchse weiterhin lautstark zu hören und versuchten, die Mannschaft nach vorne zu treiben. Gerade in solchen Momenten braucht eine junge und personell geschwächte Mannschaft die Unterstützung von den Rängen, die ja nach hinten raus auch wieder vorhanden war.

Und der TuS fing sich wieder. Ferndorf kämpfte sich zurück ins Spiel und ließ sich auch vom Rückstand nicht abschütteln. Als es 11:14 stand, nahm dann auch Gästetrainer Frank Mark Bult seine Auszeit. Er wollte mit einer komfortablen Führung in die Kabine gehen, doch genau das verhinderte der TuS.

Aus einem 13:17 in der 27. Minute machten die Gastgeber bis zur Pause noch ein 17:19. Ferndorf agierte in dieser Phase cleverer, verteidigte aggressiver und zwang die Gäste immer wieder zu Fehlern. Nordhorn Lingen bekam das schnelle Umschaltspiel nicht mehr so konsequent auf die Platte wie zuvor.

Auch der Start in die zweite Halbzeit war zunächst ordentlich. Bis zur 35. Minute und dem 20:21 durch Finn Scharnweber blieb alles offen. Doch dann kam die wohl entscheidende Phase des Spiels.

Beim TuS ging plötzlich die Ordnung verloren. Fehlwürfe häuften sich, dazu kamen einige unkonzentrierte Aktionen und Nordhorn Lingen nutzte das gnadenlos aus. Während Ferndorf vorne liegen ließ, trafen die Gäste fast nach Belieben. Innerhalb weniger Minuten wurde aus einem engen Spiel ein 21:28 Rückstand in der 43. Minute.

In der Halle machte sich jetzt so etwas wie Schockstarre breit. Ceven Klatt nahm beim Stand von 22:29 die nächste Auszeit, denn das Spiel drohte komplett zu kippen.

Was dann folgte, war allerdings ein starkes Zeichen der Mannschaft.

Innerhalb von nur fünf Minuten kämpfte sich der TuS eindrucksvoll zurück. Josip traf zum 23:29, Julius erzielte das 24:29 artistisch rückwärts, Daniel verkürzte auf 25:29, erneut Julius machte das 26:29 und Philip sorgte mit einem sehenswerten Treffer sogar für das 27:29.

Plötzlich war die Halle wieder da und die Gäste wirkten alles andere als souverän.

Nach einem verwandelten Siebenmeter der HSG stellte Ceven Klatt auf sieben gegen sechs um und auch das funktionierte ordentlich. Ferndorf spielte mutig, drängte Nordhorn Lingen immer wieder ins Zeitspiel und war jetzt klar am Drücker.

Beim Stand von 30:31 bot sich sogar die große Chance zum Ausgleich. Vielleicht wäre mit Hilfe der Halle in dieser Phase tatsächlich noch etwas möglich gewesen.

Doch genau jetzt wurde es hektisch. Einige Entscheidungen der Schiedsrichter sorgten für massive Diskussionen und lautstarke Proteste auf den Rängen. Dadurch ging der Spielfluss verloren und die Gäste nutzten die entstandene Unruhe clever aus. Aus dem 30:31 wurde schnell ein 30:34 und damit war die Partie letztlich entschieden.

Kurz vor Schluss nahmen beide Trainer nochmal ihre Auszeiten und wie so oft im Handball durften die besten Werfer beider Mannschaften nochmal treffen. Tarek Marschall auf der einen und Marvin Mundus auf der anderen Seite setzten schließlich den Schlusspunkt zum 31:35.

Unter dem Strich war es ein verdienter Sieg für die Gäste. Trotzdem hatte man phasenweise das Gefühl, dass das Spiel vielleicht noch einmal hätte kippen können. Gerade in der entscheidenden Schlussphase sorgten einige Situationen zumindest für Diskussionen.

Was man Ferndorf aber auf keinen Fall absprechen kann, ist der Einsatz. Die Mannschaft hat trotz der personellen Probleme alles investiert und sich nie aufgegeben. Wenn im Rückraum wichtige Spieler wie Nico und Tom fehlen, dann ist Ceven Klatt gezwungen zu improvisieren und genau das macht die Aufgabe aktuell so schwierig.

Nicht jeder erwischte dabei seinen besten Tag. Mattis Michel blieb bei fünf Würfen ohne Treffer, was man von ihm eigentlich überhaupt nicht kennt. Aber genau solche Spiele gehören eben auch dazu. Jeder, der Mattis kennt, weiß selbst am besten, wie sehr ihn so ein Abend ärgert. Deshalb sollte man das abhaken und den Blick nach vorne richten.

Nach dem Spiel stand mit Marvin Mundus übrigens keiner vor dem Mikrofon, der sich selbst feiern wollte. Trotz seiner elf Tore sprach er ausschließlich von einer geschlossenen Mannschaftsleistung und genau das beschreibt diesen Abend eigentlich am besten.

Auch den stark dezimierten Kader wollte er nicht als Rumpftruppe verstanden wissen. „Wir sind weniger, aber wir sind keine Rumpfmannschaft“, sagte Marvin nach dem Spiel und brachte es damit ziemlich genau auf den Punkt.

Bis zum Feiertag nächste Woche Donnerstag wird weitertrainiert, danach gibt Ceven Klatt seiner Mannschaft einige freie Tage, damit Blessuren behandelt und Akkus wieder aufgeladen werden können. Anschließend richtet sich der Fokus dann auf das nächste Auswärtsspiel bei den Eulen Ludwigshafen.

Was war noch:

• Soeren Servos konnte wieder voll eingesetzt werden und erzielte drei Tore.

• Die sieben technischen Fehler waren einer der besten Saisonwerte des TuS.

• Marvin Mundus kam neben seinen elf Treffern auch auf drei Assists und einen HPI Wert von 92.

• Max Löher ergänzte den Kader, gehört inzwischen aber längst fest zu Cevens Team und hat bekanntlich bereits einen Vertrag erhalten.

Torschützen:

Marvin Mundus 11/2

Julius Fanger 5

Soeren Servos, Daniel Hideg und Gabi Viana je 3

Philip Würz, Finn Scharnweber und Josip Eres je 2

denn

Bericht: Peter Trojak

Fotos: Andreas Domian

CEVEN KLATT: Die HSG hatte heute mehr vom Spiel und das über die gesamte Zeit gesehen. Ich muss meiner Mannschaft aber ein Kompliment machen, wir sind „zweimal tot“ in der 1. HZ, einmal beim 9:14, wo ich schon die Befürchtung hatte, dass es heute deutlich werden kann, doch wir haben das Beste daraus gemacht und gehen mit 17:19 in die Pause. Dann haben wir in der 2. HZ eine ähnliche Situation beim 24:29, stellen dann auf sieben gegen sechs um und schaffen es damit, das Spiel nochmal zu öffnen. Beim 30:31 kommen wir nochmal bis auf 1 Punkt heran, doch leider geht das Spiel dann aus meiner Sicht leider verloren. Doch noch einmal, Glückwunsch an meine Mannschaft, sich da noch mal zurückzukämpfen, das spricht für ihre Moral. Trotzdem haben wir es geschafft nochmal bis auf 1 Tor ranzukommen. Danke an die Fans, das hat wirklich Spaß gemacht. Wir haben ein torreiches Spiel gesehen, mit einem sehr starken Marvin Mundus.

MARK BULT: Ich freue mich über den Sieg, denn auswärts hier zu spielen ist nicht so einfach, denn die Halle war gut gefüllt und es war eine gute Stimmung. Ich finde, wir haben verdient gewonnen, denn wir haben auch zum großen Teil das Spiel gut geführt und uns auch einigermaßen im Griff gehabt. Ferndorf gewinnt aber nochmal das Momentum und wir gehen dann mit 17:19 in die Halbzeit. Die 2. HZ fängt für uns gut an, wir laufen viel, Ferndorf hatte heute auch ein Super, Super Tempospiel, trotzdem hatten wir die 2. HZ größtenteils im Griff. Als Ferndorf dann auf sieben gegen sechs umstellte, war das so ein Knackpunkt für uns und wir wurden vor andere Herausforderungen gestellt. Ferndorf kam dann über einfache Tore und es wurde nochmal eng. Aber wir sind dann bis zum Ende sehr cool geblieben und haben das bis zum Ende gut durchgespielt.

MARVIN MUNDUS: Wir hatten zwei Phasen, wo wir schnell vier, fünf Tore Abstand auf Nordhorn verlieren. Dann haben wir zu viele hundertprozentige, die wir nicht reinmachen und das sind dann die Tore, wegen denen man dann ohne Zähler nach Hause geht. Wir hatten am Anfang die technischen Fehler, haben aber eigentlich einen guten Handball gespielt, das mit dem sieben gegen sechs hat auch ordentlich geklappt. Am Ende hat das hat auch etwas mit Glück zu tun, das brauchen wir nicht auf die Schiedsrichter schieben, es sind dann halt meist Kleinigkeiten.

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