(wS/si) Siegen 30.06.2026 | Im Goldammerweg in Siegen hat die erweiterte und technisch modernisierte Kläranlage offiziell ihren Betrieb aufgenommen. Die Anlage dient künftig als Ersatz für die stillgelegte Kläranlage in Weidenau. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 45 Millionen Euro.
Bürgermeister Tristan Vitt würdigte bei der offiziellen Eröffnungsfeier die Leistung der beteiligten Unternehmen: Die ausführenden Planungs- und Bauunternehmen hätten in Zusammenarbeit mit den Entsorgungsbetrieben dafür gesorgt, dass der Umbau weitestgehend geräuschlos für die Bürgerinnen und Bürger verlaufen sei. Der Umbau sei während des laufenden Betriebs erfolgt und habe ohne Ausfälle aufrechterhalten werden können. Damit verfüge Siegen nun über eine der modernsten und effizientesten Kläranlagen in ganz Südwestfalen. Vitt bezeichnete das Projekt als eines der bedeutendsten Infrastrukturvorhaben für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt, mit erheblichem Mehrwert für Mensch und Umwelt.
Die Erweiterung im Überblick
Die erweiterte Anlage verfügt nun über drei Rechenstraßen, zwei neue Rundbecken und ein drittes Nachklärbecken. Besonders hervor sticht das neue, vierte Belebungsbecken: Mit einer Länge von 68 Metern und einer Breite von 26 Metern liegt es im Zentrum der Kläranlage. Dort wandeln Mikroorganismen Schmutzstoffe in abbaubare Biomasse, Wasser und Gase um.
Darüber hinaus erneuerten die ausführenden Firmen die Zufahrtswege auf dem Gelände und tauschten Mess-, Regel- und Steuerungsteile aus. Auch die Notstromversorgung der gesamten Anlage wurde grundlegend erneuert, sodass der Betrieb künftig auch bei einem längeren Stromausfall weiterlaufen kann.
Im Zuge der Umstellung musste zudem ein 160 Meter langer Kanal gebaut werden, um das Abwasser von der Kläranlage Weidenau weiterzuleiten. Dies hatte zu Verkehrseinschränkungen in der Herrenwiese in Weidenau geführt.
Bessere Werte für die Gewässerqualität
Stephan Roth, technischer Betriebsleiter des Entsorgungsbetriebs der Stadt Siegen (ESi), betonte in seiner Rede die gesteigerte Effizienz der rundherum erneuerten Anlage. Die Einleitungsgrenzwerte für Phosphat und Ammoniumstickstoff würden sich halbieren, was künftig der Gewässerqualität zugutekomme. Die Erweiterung und technische Aufrüstung der Anlage sei daher aus ökologischen Gründen nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig.
Von der Idee bis zur Fertigstellung
Hintergrund des Projekts ist ein deutlicher Rückgang der zu reinigenden Abwassermenge in Siegen in den vergangenen Jahren. Bürgerinnen und Bürger verbrauchen demnach immer weniger Wasser, zudem haben einige große Abwasserproduzenten wie der Schlachthof in Weidenau geschlossen. Dies führte in der Kläranlage Weidenau zu einem erheblichen Rückgang der Abwassermenge.
Bereits 2010 entstand deshalb die Idee, die Kläranlage Weidenau stillzulegen und die Kräfte in der Kläranlage am Goldammerweg zu bündeln. Eine neue EU-Wasserrahmenrichtlinie und die daraus folgenden gesetzlichen Anpassungen verschoben die Planung jedoch, bis 2018 die Genehmigung zum Ausbau erteilt werden konnte. Die Corona-Pandemie und die anschließende Energiekrise verzögerten die Fertigstellung weiter und führten zu einem Anstieg der Kosten.
Die nun stillgelegte Kläranlage in Weidenau wird zurückgebaut.

Stephan Roth (ESi), Bürgermeister Tristan Vitt, Maik Harnecke (Betriebsausschuss Stadt Siegen) und Christoph Quandel (ESi) eröffnen die erweiterte Kläranlage. Foto: Stadt Siegen








