Masterplan 100 % Klimaschutz in Burbach vorgestellt

(wS/bu) Burbach. Wie breit die Themen Energie, Klima, Nachhaltigkeit und Umweltschutz gefächert sein können, zeigte sich am Dienstag beim Burbacher Klimaforum. Eingeladen hatte die Burbacher Gemeindeverwaltung ins Bürgerhaus, um die aktuellen Konzepte, Projekte und Aktionen zu präsentieren. Dabei ging es um kleine Dinge, die vor Ort und ohne viel Aufwand geleistet werden können, aber eben auch um große Projekte, wie beispielsweise ein Nahwärmenetz, dass in Lippe realisiert werden könnte. Doch bevor auf die konkreten Projekte eingegangen wurde, nutzt Moderatorin Anne Willmes die Gelegenheit, den Rahmen für die vielen Aktivitäten in einer Talkrunde vorzustellen. Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers, Klimamanagerin Carolin Vomhof und Umweltbeauftragte Elisabeth Fley skizzierten den Masterplan 100 % Klimaschutz, den die Gemeinde Burbach mit Unterstützung des Bundesumweltministeriums erstellt hat. „Burbach ist eine von 19 Modellkommunen bundesweit, die Vorreiter sind und beispielhaft zeigen sollen, wie Ressourcen geschont, Energie eingespart und der CO2-Ausstoss minimiert werden sollen“, formulierte Ewers den Anspruch an das Konzeptpapier. Burbach wolle bis 2050 nahezu „100 % klimaneutral“ sein. Dazu sollen die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 um mindestens 95 % gegenüber dem Jahr 1990 gemindert werden. Zusätzlich ist es Ziel, den Endenergiebedarf bis 2050 um 50 % zu senken. Der Masterplan beschreibt die Ausgangssituation in Burbach und nimmt unter anderem den Gebäudebestand in den Blickpunkt, gibt eine Einschätzung zu Heizungsanlagen und zeigt Potenziale und Projekte auf, wie auf lokaler Ebene ein Beitrag zur Energiewende geleistet werden kann.

2014-07-03_Burbach_Klimaforum_Foto_GemBurbach

Bürgermeister Christoph Ewers und RWE-Vertreter Stefan Engelberth zeichneten besonders aktive Bürgerinnen und Bürger mit dem RWE-Klimaschutzpreis aus (Foto: Gemeinde Burbach)

Welche guten Beispiele es im Privaten schon gibt, wurde bei der Verleihung des RWE-Klimaschutzpreises deutlich. Zahlreiche Vorschläge waren im Rathaus eingegangen. Das Klimaforum bot den passenden Rahmen für die Verleihung. RWE-Vertreter Stefan Engelberth und Christoph Ewers würdigten die Klimaaktivisten und konnten gleich zwei erste Plätze vergeben. Über 200 € Preisgeld freuten sich Gunter Edelmann und Bernhard Groß. Gunter Edelmann erhielt die Auszeichnung für die energetische Ertüchtigung mehrerer Häuser, die Nutzung von Solarthermie und den Bau und Betrieb eines Blockheizkraftwerkes. Bernhard Groß hat seinen Neubau nach KfW 70-Standard ausgerichtet. Das Dach ist komplett mit Thermohanf gedämmt worden, beheizt wird das Haus mit einer Erdwärmeheizung. Jeweils 150 € konnten Ewers und Engelberth dem Ehepaar Anke und Frank Heinemann, Daniel Petri, Thorsten Weber und Marcus Henrich überreichen. Sie haben in den letzten Jahren ebenfalls mit verschiedenen Bausteinen, beispielsweise durch den Tausch von Heizungsanlagen oder durch Dämmmaßnahmen, einen vorbildlichen Beitrag geleistet, den die Jury für auszeichnungswürdig hielt. Je ein Burbacher Energieeinsparpaket erhielten Dominic Reuter, Heinz Wiechmann, Jürgen Klein, Willi Krumm und Trautel Hüsch.

Dass den Bürgern das Thema Klimaschutz am Herzen liegt, zeigte sich in der Vorstellung der Projekte, bei denen die Burbacher Bürgerschaft schon jetzt zahlreich vertreten ist. Diese sollen auch im Rahmen des Masterplans weiterhin ihren festen Platz haben. „Ehrenamtlich sind die Burbacher Klimabotschafter unterwegs, die die Haushalte beraten, wie Energie gespart und der Geldbeutel geschont werden kann“, erläuterte Klimamanagerin Carolin Vomhof. „Demnächst wird es noch den Stromsparcheck geben. Das Team der Klimabotschafter wird entsprechend erweitert.“ Elisabeth Fley blickte auch zurück auf die Bürgerphotovoltaikanlagen. „Die Anteile waren binnen kurzer Zeit vergriffen“, ließ sie die anwesenden Zuhörer wissen. Solarpotenzialkataster und E-Bikes ergänzen das Portfolio der Burbacher Aktivitäten. Um auch in den Schulen die Kinder schon frühzeitig zu sensibilisieren, gibt es ab sofort eine Energiekiste, die bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden kann.

Einen Blick auf das, was womöglich kommt, richtete Lars Ole Daub von der Südwestfalen Agentur in Olpe. Unter dem Titel „Dorf ist Energie(klug)“ skizzierte er eine Projektidee mit dem Ziel, vorhandene Potenziale zu heben und erneuerbare Energien zu nutzen. Lippe soll hier Modelldorf werden. Aus Sicht der Gemeindeverwaltung ist Lippe in seiner Struktur und Umgebung optimal für die Umsetzung geeignet. „Ich würde mich sehr freuen, wenn wir auch vor dem Aspekt der Nachhaltigkeit Mitstreiter für dieses Projekt finden und eine hohe Akzeptanz bei der Dorfbevölkerung erreichen würden“, so Ewers. „Die Vorstellungen aus dem Masterplan, eben auch über Nahwärmenetze und Verbundsysteme nachzudenken und gleichzeitig regionale Brennstoffe zu verwenden, sind passgenau mit der Idee „Dorf ist Energie(klug)“ übereinander zu legen. Unser Ansporn ist, ein Netz in Lippe aufzubauen und durch Holzhackschnitzel die Wohngebäude zu heizen und gleichzeitig Holz als regionalen Brennstoff zu verwenden. Dass dies möglich ist, zeigt unsere Holzstudie.“

Die stellte Jörg Hevendehl vor. Er hatte sich inhaltlich auseinandergesetzt mit der Frage, welcher Beitrag heute schon durch den Burbacher Wald zum Klimaschutz geleistet wird und wo noch angeknüpft werden kann. Als Fazit hielt der Fachmann fest, dass eben nicht zu viel Scheitholz in Einzelöfen verbrannt werden sollte. Den höheren Nutzen brächten aus seiner Sicht zentrale Feuerungskessel, wie es eben in Lippe mit dem Nahwärmenetz angedacht sei. Hevendehl machte deutlich, dass eben Dämmen vor Heizen gehen sollte, auch um nachhaltig CO2 zu speichern. Deshalb sollte aus seiner Sicht vielmehr mit Holzbaustoffen im privaten und öffentlichen Bereich gearbeitet werden.

Neben der Bürgerschaft sind die Unternehmen wichtige Partner in der Umsetzung des Masterplans 100 % Klimaschutz. Ein Baustein war und ist das Projekt „Ökoprofit“, das Anfang April in einer ersten Runde zum Abschluss gebracht wurde. Holger Rothe, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei in Niederdresselndorf, warb dafür, sich als Unternehmer mit dem vom Land geförderten Projekt auseinanderzusetzen und in der zweiten Runde, die geplant ist, dabei zu sein. Die Bäckerei Rothe konnte durch Ökoprofit mehrere tausend Euro an Energiekosten einsparen. Ebenfalls an die Industrie richtet sich das Burbacher Unternehmernetzwerk für Ressourceneffizienz, das im Klimaforum erstmals vorgestellt wurde und sich als Plattform zum Austausch und voneinander Lernen etablieren soll.

Für Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers ist der Masterplan 100 % Klimaschutz die Hülle, unter der sich die Projekte und Maßnahmen wiederfinden. „Es ist wichtig, dass wir eine Zielrichtung vor Augen haben und uns genau überlegen, wie wir vernetzt und mit vielen kleinen und großen Maßnahmen die Schritte gemeinsam gehen können um unser gemeinsames Ziel zu erreichen.“

Anzeige: Bitte beachten Sie auch die Angebote unserer Werbepartner

[adrotate group="3"]