Austausch für angehende Lehrerinnen und Lehrer

Im neuen „Exchange Seminar“ an der Uni Siegen tauschen sich Lehramtsstudierende mit angehenden Mathe-Lehrerinnen und -Lehrer aus den USA über die Bildungssysteme und den Schulalltag aus und sammeln so internationale Erfahrungen.

(wS/red) Siegen 21.07.2017 | Schüleraustausche gibt es an fast jeder Schule – sei es mit England, Frankreich oder den USA. Internationale Austausche zwischen Lehrerinnen und Lehrern sind dagegen nicht üblich. Dabei könnten gerade sie vom Blick über den eigenen Tellerrand profitieren, meint Prof. Dr. Ingo Witzke, Geschäftsführer der Mathematikdidaktik an der Uni Siegen. Für Lehramtsstudierende im Bereich Mathematik hat er deshalb im Rahmen einer Forschungskooperation ein neues Angebot ins Leben gerufen: Das so genannte „Exchange Seminar“. Angehende Mathe-LehrerInnen der Uni Siegen und der Adams State University im US-Bundesstaat Colorado arbeiten dabei gemeinsam an didaktischen Forschungsfragen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, sich über die Bildungssysteme und den Schulalltag auszutauschen. In diesem Semester fand das Seminar zum ersten Mal statt, zum Abschluss kamen TeilnehmerInnen aus Colorado im Juli zu einem zweiwöchigen Gastbesuch nach Siegen.

Prof. Dr. Ingo Witzke und Lehramtsstudentin Franziska Tilke von der Uni Siegen mit dem angehenden Mathelehrer Bryce Engen und Prof. Dr. Stephanie Hensley aus Colorado. (Fotos: Uni)

Die deutsch-amerikanische Gruppenarbeit im Rahmen des Seminars habe Spaß gemacht, sei aber gleichzeitig eine Herausforderung gewesen, berichtet die Siegener Lehramtsstudentin Franziska Tilke: „Anfangs lief die Zusammenarbeit ausschließlich über E-Mail, Skype oder Videokonferenzen. Wegen der Zeitverschiebung mussten wir uns dafür jedes Mal gezielt verabreden.“ Beim Gastbesuch in Siegen saßen sich amerikanische und deutsche Seminar-TeilnehmerInnen dann zum ersten Mal persönlich gegenüber. „Gemeinsam haben wir die virtuelle Gruppenarbeit der vergangenen Monate zum Abschluss gebracht“, erzählt Bryce Engen aus Colorado. Eine vergleichende Schulbuchanalyse zählte ebenso zu den Forschungsprojekten der Studierenden, wie das Thema „Inklusion“, Bildungsstandards oder die Frage, wie Neue Medien in beiden Ländern im MINT-Unterricht eingesetzt werden.

Die deutsch-amerikanische Gruppenarbeit hatte via Skype, E-Mail und Videokonferenzen begonnen. Beim Gastbesuch in Siegen lernten sich die SeminarteilnehmerInnen dann auch persönlich kennen.

Unterschiede zwischen Deutschland und den USA stellten die TeilnehmerInnen immer wieder fest. An amerikanischen Schulen werde gerade im Bereich der Naturwissenschaften häufiger fächerübergreifend und integrativ unterrichtet, war eine Beobachtung. Auch im Hinblick auf kritisches Denken und selbstständige Problemlösung im Matheunterricht gebe es in den Ländern verschiedene Ansätze. „Der Austausch dient auch dazu, das eigene Handeln als Lehrer zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen“, erklärt Didaktik-Professorin Stephanie Hensley von der Adams State University. „Es ist toll, Unterrichtsmethoden und Praktiken aus anderen Ländern kennenzulernen. Manches kann man vielleicht übernehmen und so das eigene Repertoire als Lehrerin oder Lehrer ausbauen.“ In anderen wissenschaftlichen Disziplinen sei ein internationaler Austausch ganz normal, meint Prof. Witzke von der Uni Siegen. „Die Didaktik hängt da noch etwas hinterher. Mit dem ‚Exchange Seminar‘ möchten wir einen Beitrag zur Internationalisierung der Lehrerbildung leisten.“

Zum Abschluss des ersten „Exchange-Seminars“ kamen Studierende aus Colorado zu einem Gastbesuch an die Uni Siegen.

Wie an deutschen Schulen gelehrt und gelernt wird, konnten sich die amerikanischen TeilnehmerInnen in Siegen auch in der Praxis anschauen: Bei Schulbesuchen am Siegener Löhrtor-Gymnasium, an der Spandauer Grundschule und an der Hauptschule Rudersdorf. Ihn habe besonders das hohe Niveau des Matheunterrichts am Gymnasium beeindruckt, sagt Bryce Engen – und die deutschen Schülerinnen und Schüler: „Die waren viel disziplinierter, als ich das von zu Hause kenne.“ Ein Highlight außerhalb von Uni und Schule war ein Besuch beim Europaabgeordneten Axel Voss in Bonn. Er nahm sich viel Zeit, um mit den Studierenden über aktuelle Aufgaben und Herausforderungen der EU zu sprechen.

Auch kulturelle Eindrücke nahmen die Studierenden aus Colorado nach dem Gastbesuch mit nach Hause. „In Siegen nutzen die Studenten viel öfter öffentliche Verkehrsmittel, als in Colorado“, erzählt Bryce Engen. „Zwei Wochen lang komplett aufs Auto zu verzichten, das wäre bei uns zu Hause undenkbar.“

Hintergrund:

Die Zusammenarbeit zwischen der Uni Siegen und der Adams State University in Colorado soll in Zukunft weiter ausgebaut werden. In einem „Memorandum of Understanding“ haben sich die Hochschulen verständigt, zunächst für einen Zeitraum von fünf Jahren zusammenzuarbeiten. Das „Exchange Seminar“ soll auch in den kommenden Semestern fester Bestandteil der Kooperation sein und in das Lehrangebot beider Universitäten aufgenommen werden. Geplant ist, die Ergebnisse der studentischen Forschungsprojekte in einer wissenschaftlichen Publikation zu veröffentlichen. Anfang 2019 soll außerdem eine Gruppe Lehramtsstudierender der Uni Siegen nach Colorado reisen.

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