(wS/dia) Siegen 30.08.2025 | Begleiten, unterstützen und gemeinsam einen Ausweg finden – seit 50 Jahren bietet dies die Suchtberatung der Diakonie in Südwestfalen. Sie ist eine vertrauensvolle Anlaufstelle, an die man sich wenden kann, wenn man alleine nicht mehr aus der Sucht herauskommt. Vor 50 Jahren wurde die Suchtberatung durch die damalige Innere Mission Siegerland, der heutigen Diakonie in Südwestfalen, gegründet und konnte seither fast 27.000 Menschen aus der Sucht begleiten. „Die Nachfrage ist ungebrochen – und die Aufgaben werden komplexer“, betont Melanie Lück, Sozialpädagogin und Teil des Beratungsteams.
Als die Suchthilfe 1975 gegründet wurde, lag der Schwerpunkt der Beratung größtenteils bei stoffgebundenen Suchtkrankheiten wie Alkohol, Medikamenten oder Drogen. Ab Ende der 1980er-Jahre kamen aber zunehmend auch Suchtproblematiken wie Essstörungen, Glücksspiel oder PC- und Internetsucht dazu. Als Konsequenz der damals neu aufgetretenen HIV-Infektionen bei Heroinabhängigen Mitte der 1980er-Jahre entstand dann die Substitutionsbehandlung, welche bis heute ein unverzichtbarer Teil des Versorgungssystems der Suchthilfe in der Region ist.
In den vergangenen Jahren verzeichnet die Suchtberatung einen extremen Anstieg des Konsums illegaler Substanzen, wie Melanie Lück erläutert: „Im Jahr 2000 hat nur etwa ein Prozent der 18- bis 59-jährigen konsumiert, 2021 waren es schon vier Prozent. Vor allem bei Jugendlichen steigt der Trend, Drogen zu konsumieren immer weiter.“ Ein Grund sei die Präsenz des Online-Marktes: „Hier wird es Jugendlichen leichtgemacht, an Drogen zu kommen“, so Lück. Gravierend sind auch die Zahlen beim Thema Alkohol: Den Suchtberatern zufolge haben 2008 nur etwa 28 Prozent der Zwölf- bis 25-jährigen Alkohol konsumiert. 2019 waren es dann schon etwa 95 Prozent der 18- bis 25-jährigen. Probleme in sich berge zudem die Teil-Legalisierung von Cannabis. „Auch hier ist der Konsum extrem gestiegen“, sagt Melanie Lück. Dieser habe sich seit 1995 von 4,4 Prozent auf zehn Prozent mehr als verdoppelt.
Beraten werden beim Angebot der Sozialen Dienste der Diakonie in Südwestfalen nicht nur Betroffene, auch eine familienorientierte Suchthilfe wird vorgehalten. Diese ermöglicht es dem Umfeld der Suchterkrankten, die Unterstützung zu bekommen, die es benötigt. Denn eine Sucht ist auch für Familien und Freunde belastend, insbesondere dann, wenn Kinder involviert sind.
Die Suchtberatung verfügt über ein breites Beratungsangebot. Jedes ist für die Betroffenen vertraulich, ergebnisoffen und kostenfrei. In Einzelberatungen haben die Betroffenen nicht nur die Möglichkeit, individuelle Termine zu vereinbaren, welche sich an ihre Arbeit und Familie anpassen, sondern sie werden zusätzlich ausschließlich von einem Ansprechpartner betreut. Darüber hinaus besteht die Gelegenheit, sich hier individuelle Ziele zu setzen und auf Wunsch an eine Therapie oder Entzugsbehandlung vermittelt zu werden. Auch in Gruppenangeboten haben die Betroffenen die Chance, sich sowohl untereinander, als auch mit professioneller Begleitung auszutauschen. Zusätzlich offeriert die Suchtberatung auch spezielle Angebote, etwa mit Projekten wie „In Between“, bei dem das Team Schulen besucht.
„Besonders dankbar sind wir außerdem für die gute Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort. Dazu gehören unter anderem das Diakonie Klinikum Bethesda in Freudenberg, die Jobcenter im Kreis Siegen-Wittgenstein sowie die Wohnungslosenhilfe der Diakonie in Südwestfalen“, führt Melanie Lück aus.
Kasten
Zum 50. Jubiläum lädt die Suchtberatung zu einem Tag der offenen Tür ein. Am Mittwoch, 3. September, sind Interessierte ab 14 Uhr an den Sieghütter Hauptweg 3 eingeladen, um sich selbst ein Bild von der Suchtberatung und den Räumlichkeiten zu machen. Um 14 Uhr wird der ehemalige Geschäftsführer des Suchthilfezentrums Gießen, Dr. Bernd Hündersen, einen Vortrag über die Bedeutung der kommunalen Suchthilfe halten. Anschließend wird es eine Podiumsdiskussion geben, unter anderem mit der Suchtkoordinatorin Nina Flaig. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Im Einsatz für die Suchtberatung der Diakonie in Südwestfalen sind Melanie Lück (links), Vera Königsfeld (vorne), Linda Altgeld und Tobias Merkelbach.