Kämpfen, Verlieren, Leiden, Jubeln: TuS Ferndorf bleibt zweitklassig

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(wS/red) Kreuztal, 23.05.2026 | Drama, Tränen, Klassenerhalt: Ferndorf schreibt sein eigenes Happy End

Eulen Ludwigshafen gegen TuS Ferndorf 29:27 (12:15)

„Wir gehen volles Tempo, wir brauchen diesen Scheiß-Sieg“

So zu hören von Daniel Hideg beim Team-Time-Out nach dem 21:19 in der 48. Minute. Es sagt uns aber auch, dass die Jungs alles erdenklich Mögliche in die Waagschale werfen wollten, um den Spieß wieder umzudrehen. Sie haben es leider nicht geschafft, aber das ist nach dem gestrigen Spieltag fast zweitrangig geworden.

Denn, Ferndorf hat zwar verloren, aber trotzdem den Klassenerhalt geschafft. Wie das geht (?), ganz einfach, der Tabellensiebzehnte HSG Krefeld musste auswärts in Coburg ran, hielt auch sehr lange mit, musste sich dann aber doch geschlagen geben. Hätten sie gewonnen, wäre der Abstand auf Ferndorf auf nur noch 2 Pünktchen geschrumpft und dann hätte es nochmal eng werden können.

Aber Ferndorf hätte ja noch einen dicken Joker gehabt und das wäre ihr sensationelles Torverhältnis gewesen. Ein besseres Torverhältnis hätten nur Tabellenführer Bietigheim, der Tabellenzweite Balingen und der Tabellenneunte Nettelstedt-Lübbecke gehabt. Die Keeper aller anderen Mannschaften mussten weitaus öfter hinter sich greifen.

Zudem hat der TuSEM Essen als Tabellensechszehnter hauchdünn mit 30:29 gegen den TuS Nettelstedt-Lübbecke verloren und sitzt nun so richtig im Tabellenkeller. Mit jenem HSG Krefeld und genau die zwei Teams sind es, die sich in den letzten 2 Spielen ein Hauen und Stechen liefern werden um den Klassenerhalt, Krefeld hat 18:46 und Essen 19:45 Punkte. Und hier könnte Ferndorf das Zünglein an der Waage werden, denn am 06.06.26 erwarten wir den TuSEM Essen in der Stählerwiese zum Saisonfinale. Und mit den Essenern hat Ceven Klatt ja noch ne Rechnung offen, wie wir alle wissen. Es geht für den TuS um nichts mehr, aber das werden unsere Jungs sich nicht nehmen lassen, es feiert sich danach erheblich besser. Ein Heimsieg im letzten Match ist auch immer ein Geschenk an die ligaweit gefürchteten Ferndorfer Fans, allen voran die Stimmungsmacher BRIGADE C und die lautstarken HEAVY METAL-TROMMLER der FERNDORFER FÜCHSE. Man braucht ja nicht gleich die Krönungsmesse von Mozart zu spielen, aber was unsere Jungs unter der Leitung von Dirigent Ceven Klatt geleistet haben, war aufgrund der personellen Situation schon sehr gut. Gefühlt hat Ceven an keinem Spieltag den kompletten Kader zur Verfügung gehabt. Improvisieren und Kompensieren stand am Spielplan und das ist ganz schlecht für die Psyche, du musst die Mannschaft für jedes Spiel neu motivieren.

Zu Gast bei den Eulen lief die TuS-Maschinerie wie ein Schweizer Uhrwerk. Ferndorf trat dermaßen dominant auf, dass man zeitweise an ein Debakel allererster Güte für die Eulen glaubte. In dieser 1. HZ war es aber auch ein Mann, der die Eulen schier zur Verzweiflung brachte, nämlich Can Adanir. Nach 7 Minuten hatte er schon 2 Paraden zu Buche stehen, nach 30 Minuten waren es unsagbar gute 9 Paraden. Nach 9 Minuten stand es schon 2:5, einmal durch Daniel Hideg, der Rest kam von Soeren Servos und das krachte richtig im Gebälk und trieb die mitgereisten Fans zu stimmlichen Höchstleistungen an. Als Julius Fanger direkt danach noch das 2:6 erzielte, reichte es Eulencoach Michael Haaß, er buzzerte zur Auszeit. Ferndorf spielte wie von einem anderen Stern, eine megastarke Abwehr und eine starke Offensive, Cevens Jungs lieferten fehlerlos ab.

Die Auszeit brachte den Eulen rein gar nichts, denn Gabi, Mattis, Daniel und Josip per Siebenmeter schraubten das Ergebnis auf 3:10 hoch, das waren 10 Tore und 7 Paraden von Can in 15 Minuten, wir wollen das jetzt aber nicht auf 60 Minuten hochrechnen. 😉

Die Eulen berappelten sich aber und spielten jetzt mit, von Minute zu Minute merkte man, dass die Siegerländer Dominanz nachließ, Essen machte aus dem 3:10 innerhalb von 3 Minuten das 6:10. In der 20. Minute, beim Stand von 7:12 buzzerte auch Ceven Klatt, er merkte, dass die Leichtigkeit verschwunden war und dass die Jungs mehr um Tore kämpften mussten und das ging auch an die Substanz. Nach dem 10:14 erhielt Daniel Hideg eine Zeitstrafe und Josip verwarf einen Siebenmeter. Ceven stellte nun auf sieben gegen sechs um und der TuS beendete diese 1. HZ mit 5 Fehlwürfen und 6 technischen Fehlern. Auf der Anzeigetafel las man das Halbzeitergebnis von 12:15, da wäre mehr möglich gewesen. Can hatte, wie schon erwähnt 9 Paraden, seine beiden Gegenüber, Urbic und Gruppe kamen auf nur 4 Paraden, aber das sollte sich in der 2. HZ drastisch ändern.

Doch die begann mit einem Horrorszenario, Mattis Michel erzielte noch das 12:16, doch das, was dann folgte schockte alle TuS-Fans und ließ die Halle verstummen. In einer Angriffsszene des TuS schnappte sich Josip Eres den Ball, ging zu Boden und der 1,93 m große und 115 kg schwere Frederic Stüber warf sich auf ihn, um den Ball zu bekommen. Stüber stand auf, doch Josip blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen und packte sich an die rechte Schulter.

Schon die Moderatoren von DYN vermuteten nichts Gutes, eine Trage wurde in die Halle geschoben, eine Ärztin eilte herbei (Schwester des Physiotherapeuten der Eulen, vielen Dank dafür) und Josip wurde aus der Halle gefahren. Wie uns Ceven Klatt wissen ließ, hat sich Josip die Schulter gebrochen und wann er wieder spielen kann, steht derzeit in den Sternen, in der Regel spricht man da von bis zu 12 Wochen, bei einer OP noch etwas länger.

Das brachte auch einen Bruch ins Spiel, wie er schlimmer nicht hätte sein können. Und so zog sich auch diese 2. HZ hin, hatten unsere Jungs in der 1. HZ nur 5 Fehlwürfe, kamen in der 2. HZ noch 14 dazu. Von Josips Verletzung bis zur 42. Minute sahen wir alleine 6 Fehlwürfe. Das geht an keiner Mannschaft spurlos vorüber. Ceven nahm direkt eine Auszeit und sagte den Jungs ganz klar „Bleibt locker, es war klar, dass diese Phase kommt“.

Ceven ging wieder zum sieben gegen sechs über, um die Jungs etwas zu schonen, sie blieben auch dran, doch die Eulen lagen meist mit ein bis zwei Toren in Front und das sollte sich auch bis zum Ende nicht mehr ändern. Der Kräfteverschleiß war ganz einfach zu groß, das macht sich jetzt zum Saisonende hin immer mehr bemerkbar, es wird Zeit, dass sie zu Ende geht. Bester Torschütze war diesmal Soeren Servos, der stark spielte und 8 Tore erzielte, dafür zeichnete sich Mattis in der Abwehr mit starken Leistungen aus.

Über den Klassenerhalt dürften sich nun alle freuen, auch die „Fans“, die immer verbal auf die Mannschaft/Verein einprügeln, wenn es nicht so läuft, wie sie es gerne hätten. (Meine Meinung) Respektvolle Kritik ist gut, aber diese Grenze wird öfter überschritten.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, im NRW/HESSEN-Derby 😉 reist der TuS am 30.05.26 zum TV Hüttenberg, liegt ja quasi „umme Ecke“. Vor einer ausverkauften Halle werden unsere Jungs alles geben, um etwas Zählbares mitzunehmen. Heerscharen von TuS-Fans werden unsere Jungs begleiten, es fahren alleine schon 2 Fanbusse und dann noch die vielen Fans mit Pkw.

Torschützen:

Soeren Servos 8

Marvin Mundus 5

Julius Fanger 4

Daniel Hideg und Mattis Michel je 3

Finn Scharnweber 2

Gabriele da Rocha Viana und Josip Eres je 1

Bericht: Peter Trojak

Collage/Foto: Andreas Domian

CEVEN: Zu Beginn das bitterste für mich, Josip Eres hat die Schulter gebrochen.

Ich finde, wir sind optimal eingestellt und starten dementsprechend auch ins Spiel.

Wir stellen die Eulen mit unserer Abwehr vor für sie nicht zu lösenden Aufgaben und führen dann völlig verdient 10:3. Auch vorne gelingt es uns Tempo, Isolationen und Schlagwürfe zu nutzen.

Den Vorwurf, den wir uns in der der ersten HZ machen müssen, ist das wir nicht mit einer Führung von mindestens 5 Toren in die HZ gehen. Wir bekommen eine dämliche Zeitstrafe und machen 2 dumme technische Fehler. Das verhindert die nach dem Spielverlauf angemessene Führung zur HZ.

In der zweiten HZ geht uns „einfach gesagt“ die Kraft aus. Leider fehlen uns dann auch die Alternativen und vor allem in der Abwehr schaffen wir nicht mehr den letzten Schritt (wie in der ersten Halbzeit). Darüber hinaus fehlen uns dann auch Paraden, die die Eulen in der zweiten HZ mehr haben. Vorne helfen wir uns mit sieben gegen sechs, weil uns auch hier im normalen sechs gegen sechs die Kräfte fehlen, ähnlich explosiv wie in der ersten HZ zu agieren.

Ich finde Sören hat es vorne sehr gut gemacht und Mattis Michel einmal mehr hinten. Nochmal abschließend gute Besserung für Josip und viel Kraft für die anstehende Rekonvaleszenz.

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