(wS/jg) Siegen 07.07.2026 | Die MUT-TOUR 2026 hat am Montag Station in Siegen gemacht. Im Rahmen eines öffentlichen Aktionstages informierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des bundesweiten Outdoor-Projekts über das Thema psychische Gesundheit und warben dafür, Depression und andere psychische Erkrankungen aus der Tabuzone zu holen.
Mit Tandems, bunten Schildern und Smiley-Kellen zogen die Radfahrerinnen und Radfahrer die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Die Botschaften waren klar und deutlich: „Millionen Menschen verstecken ihre Depression“, „Zeigt, dass Depression kein Tabu sein darf!“, „Wir brauchen mehr Psychotherapie!“, „Depression ist behandelbar“ und „Depression. Darüber sprechen & zusammen halten!“ war auf den Plakaten zu lesen. Unterstützt wurde der Aktionstag vor Ort durch einen Informationsstand der Selbsthilfe-Kontaktstelle.
Die MUT-TOUR gibt es bereits seit 2012. Betroffene, Angehörige und beruflich Helfende fahren dabei gemeinsam auf Tandems oder wandern durch Deutschland. Unterwegs suchen sie das offene Gespräch – mit Passanten, Journalisten und Entscheidungsträgern. Das Tandem ist dabei bewusst gewähltes, zentrales Element: Es macht Vertrauen, Gemeinschaft und Selbstwirksamkeit erfahrbar.
Die diesjährige Tour steht unter dem Motto „Gemeinsam irre mutig“ und startete am 30. Mai in Kassel. Am 12. September soll das letzte Etappen-Team in Bremen zum Finale einfahren. Insgesamt legen 13 Etappen-Teams – zwölf Tandemteams und eine Wanderetappe – rund 4.100 Kilometer zurück. Auf der gesamten Strecke sind mehr als 50 öffentliche Aktionstage mit Infostand-Aktionen, Lesungen und Mitmach-Angeboten geplant. Dabei stellen sich neben der MUT-TOUR auch immer lokale Vereine und Organisationen mit ihren Hilfsangeboten vor.
Der Hintergrund der Tour ist nach wie vor erschreckend aktuell: In Deutschland sind jährlich fast 18 Millionen Erwachsene von einer psychischen Erkrankung betroffen – das ist mehr als jede vierte erwachsene Person. Dennoch fühlen sich viele Betroffene allein gelassen und erfahren Stigmatisierung.
„Es darf keinen Unterschied mehr machen, ob ich anderen sage, ich gehe heute Nachmittag zum Zahnarzt oder zum Psychotherapeuten“, bringt es Teilnehmerin Anais Braun auf den Punkt, die seit 2024 bei der MUT-TOUR dabei ist. Teilnehmer Marcel Schmitz, seit 2022 dabei, ergänzt: „Wenn man in Bewegung kommt, kommt man wieder in Verbindung – mit der Natur, mit Menschen und mit sich selbst.“
Interessierte können die Etappenteams auch selbst begleiten: Bei sogenannten Mitfahr- und Mitwander-Aktionen ist es möglich, die Teams für wenige Stunden auf ihrer Route zu begleiten. Alle Termine und Orte der Aktionstage sind unter www.mut-tour.de/aktionstage zu finden.
Aus der MUT-TOUR heraus entstanden ist außerdem der MUT-ATLAS, eine digitale Karte, die bundesweit Hilfsangebote rund um psychische Gesundheit sichtbar macht – von Therapie über Beratung bis hin zu Selbsthilfe-, Arbeits- und Wohnungsangeboten. Der MUT-ATLAS ist unter www.mut-atlas.de erreichbar.
Trägerverein der MUT-TOUR ist der Verein Mut fördern e.V. Unterstützt wird die Tour 2026 von der DAK, der BARMER, der Deutschen Rentenversicherung, dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), der Anni Gruber Stiftung sowie der SV Werder Bremen Stiftung. Zu den Kooperationspartnern zählen unter anderem der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V. (BApK), die Stiftung Deutsche Depressionshilfe, die Deutsche DepressionsLiga e.V. und der ADFC e.V.
Hilfsangebote und Anlaufstellen:
Wer selbst Hilfe sucht oder jemanden kennt, der Unterstützung braucht, findet hier wichtige Anlaufstellen:
Telefonseelsorge: 0800 – 111 0 111 (kostenlos, rund um die Uhr)
Info-Telefon Depression: 0800 – 33 44 53 3 (www.deutsche-depressionshilfe.de)
SeeleFon (Beratung für Betroffene und Angehörige): 0228 – 7100 24 24
MUT-ATLAS: www.mut-atlas.de (Überblick über bundesweite Hilfsangebote)
Für Kinder und junge Menschen:
Nummer gegen Kummer: 116 111 (www.nummergegenkummer.de)
Krisenchat: www.krisenchat.de oder +49 157 35 99 81 43 (WhatsApp/SMS)

Fotos: MUT-TOUR
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