(wS/dia) Siegen 07.04.2026 | Die Bipolare Störung stand nun beim Siegener Forum Gesundheit im Fokus. In der Cafeteria des Diakonie Klinikums Jung-Stilling referierten dabei Dr. Tünde-Biborka Jenne, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie Tina Rückes, Fachpflegekraft und Fachkoordinatorin der Station 27, aus der Abteilung des Zentrums für seelische Gesundheit des Klinikums Siegen.
Bis zu drei Prozent der deutschen Bevölkerung leiden unter der Bipolaren Störung, einer chronisch-psychischen Erkrankung, die durch extreme Wechsel zwischen manischen (hoch, euphorisch, aktiv) und depressiven (tief, antriebslos, traurig) Episoden gekennzeichnet ist. Ausgelöst wird sie, so die Referentinnen, zum einen durch genetische Faktoren. Zum anderen spielen neurobiologische Prozesse sowie belastende Lebensereignisse eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Erkrankung. „Meist besteht ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren“, so Dr. Tünde-Biborka Jenne.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Behandlungsmöglichkeiten. Neben medikamentösen Therapien, etwa mit Stimmungsstabilisatoren, wurden auch nichtmedikamentöse Ansätze wie Psychotherapie, Elektrokonvulsionstherapie, Psychoedukation und unterstützende Alltagsstrukturen vorgestellt. Dabei wurde betont, wie wichtig eine individuell abgestimmte Kombination der verschiedenen Maßnahmen ist.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden die vielfältigen Angebote der Deutschen Gesellschaft für bipolare Störungen aufgezeigt. Die Gesellschaft engagiert sich bundesweit für Aufklärung, Beratung und Vernetzung. Neben Informationsmaterialien und Selbsthilfeangeboten stehen insbesondere der Austausch zwischen Betroffenen, Fachpersonal und Angehörigen, sowie die Förderung eines besseren Verständnisses der Erkrankung im Mittelpunkt. Im Zentrum für seelische Gesundheit des Klinikums Siegen wurden diese Ansätze in den vergangenen eineinhalb Jahren gezielt in die Praxis integriert. Seit der Zertifizierung hat sich die Abteilung verstärkt auf eine leitliniengerechte Versorgung spezialisiert. Dazu zählen unter anderem individuell abgestimmte Therapiepläne, Psychoedukationsgruppen für Betroffene, Angehörigenvisiten für Patienten der Station sowie ambulante Beratung in der Bipolarambulanz (nach Terminvereinbarung). Ebenso wurde auch der Aufbau der Selbsthilfegruppe unterstützt.
In diesem Jahr rückt ein weiterer wichtiger Baustein in der Versorgung bipolar erkrankter Menschen verstärkt in den Mittelpunkt: die gezielte Unterstützung von Angehörigen. Geplant ist die Begleitung bei der Gründung einer Selbsthilfegruppe für Familienmitglieder und nahestehender Personen von Betroffenen.

Dr. Tünde-Biborka Jenne (rechts) und Fachkoordinatorin Tina Rückers referierten beim Siegener Forum Gesundheit, initiiert von der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen.







