(wS/si) Siegen 07.07.2026 | Walther Bensemann, Emanuel Lasker oder Gretel Bergmann sind heute nur noch den wenigsten bekannt. Dabei waren sie alle gefeierte Idole ihrer Zeit. Und sie waren Jüdinnen und Jüden. Die Ausstellung “Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach” beleuchtet das Schicksal der drei und weiterer Sportlerinnen und Sportler, denen eines gemeinsam ist: Nur weil sie Juden waren, wurden sie im nationalsozialistischen Deutschland ausgegrenzt, entrechtet, zur Flucht gedrängt oder sogar ermordet.
Die Figur von Fußballer Julius Hirsch setzt vor der Glasfassade des Kreishauses an der Koblenzer Straße zum Fallrückzieher an. Basketballer Ralph Klein winkt gestikulieren dem Feierabend-Verkehr. Leichtathletin Gretel Bergmann läuft über die imaginäre Ziellinie zwischen den Passanten hindurch. Sportgeschichte mitten in der Stadt – und buchstäblich zum Begreifen. Nach Siegen geholt wurde die Wanderausstellung, die seit zehn Jahren durch Deutschland tourt, vom Kreisjugendring, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten sowie dem Kommunalen Integrationszentrum Kreis Siegen-Wittgenstein und dem Kreissportbund.
„Diese Ausstellung ist ein wichtiges Zeichen für die Erinnerungskultur und gegen Antisemitismus im Kreis Siegen-Wittgenstein”, betonte Landrat und “Hausherr” Andreas Müller, der zugleich als Schirmherr der Ausstellung fungiert. „Sie erinnert uns daran, uns die historische Verantwortung unseres Landes und unserer Region immer wieder bewusst zu machen.”
Wie wichtig es ist, die Erinnerung wachzuhalten, machte auch Falk Heinrichs als Vorsitzender des Kreissportbundes Siegen-Wittgenstein deutlich und schlug den Bogen in die Gegenwart: “Wir dürfen nicht zulassen, dass sich so etwas je wiederholt”.
“Es ist die richtige Ausstellung zur richtigen Zeit”, erklärte Dirk Metz in seinem Grußwort. Der gebürtige Siegener kam extra zur Vernissage unter freiem Himmel in die Krönchenstadt. Als Mitglied der Kulturstiftung des Deutschen Fußball-Bundes erläuterte er die Hintergründe der Wanderausstellung. Sporthistoriker Dr. Henry Wahlig vom Deutschen Fußballmuseum erläuterte die Exponate auf dem Kreishaus-Vorplatz. Er selbst war aktiv an der Konzeption der Ausstellung beteiligt, die anlässlich der Maccabi Games 2015 erstmals in Berlin gezeigt wurde.
Bis zum 26. Juli sind die Plexiglas-Figuren zu sehen – auf der Rückseite finden sich ausführliche Information und weitere Links zu Fotos und Filmausschnitten der Sportlerinnen und Sportler. Der Kreisjugendring Siegen-Wittgenstein hat so genannte Peer Guides ausgebildet, die gleichaltrige gerne durch die Ausstellung führen. Wer Interesse hat, kann sich gerne beim KJR melden.
Und im Übrigen: Walter Bensemann war Mitbegründer des Deutschen Fußball-Bundes und der Sportzeitschrift “Kicker”. Emanuel Lasker ist für viele Schachfreunde bis heute der größte Spieler aller Zeiten. Und Gretel Bergmann war eine der weltbesten Hochspringerinnen ihrer Zeit.

Eröffneten die Ausstellung vor dem Kreishaus: Landrat Andreas Müller, Dr. Henry Wahlig (Deutsches Fußballmuseum), Allon Sander (Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit), Dirk Metz (DFB-Kulturstiftung) und KSB-Vorsitzender Falk Heinrichs.
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