(wS/dia) Bad Laasphe 09.07.2026 | Mit einem Festakt und rund 70 Gästen hat das August-Hermann-Francke-Haus in Bad Laasphe sein 30-jähriges Bestehen gefeiert. Unter den Gästen waren ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner, frühere Mitarbeitende, Vertreter der Stadt sowie Kooperationspartner und Wegbegleiter.
Am 3. Juni 1996 eröffnet, bietet die Einrichtung Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ein Zuhause und Unterstützung auf dem Weg zu einem möglichst selbstbestimmten Leben. Das August-Hermann-Francke-Haus ist heute fester Bestandteil der sozialen Infrastruktur in Wittgenstein und steht beispielhaft für die Entwicklung moderner sozialpsychiatrischer Arbeit.
Aufbruch in den 90ern
Einrichtungsleiterin Margit Haars blickte in ihrer Rede auf die Anfänge zurück: „Die 1990er-Jahre waren in vielerlei Hinsicht ein besonderes Jahrzehnt. Alte Systeme in Politik und Gesellschaft brachen zusammen, Neues bahnte sich seinen Weg – eine Zeit der Umwälzung, des Aufbruchs und der Neuorientierung.“ Genau in diese Zeit fiel die Eröffnung des August-Hermann-Francke-Hauses.
Die Entstehung der Einrichtung geht maßgeblich auf die Initiative von Ulrich Schülbe zurück, der damals in der Suchtberatung des Diakonischen Werkes Wittgenstein tätig war. Mit Unterstützung des Diakonischen Werkes Siegen und der Inneren Mission Siegen konnten 1995 die Voraussetzungen für die neue Wohneinrichtung geschaffen werden. Damit wurde zugleich ein wichtiger Grundstein für die Sozialen Dienste der Diakonie in Südwestfalen gelegt, in denen mittlerweile rund 250 Mitarbeitende in verschiedenen Bereichen tätig sind.
Vom stationären Wohnen zur ambulanten Betreuung
Bereits wenige Tage nach Eröffnung kamen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner aus der Landesklinik Warstein nach Bad Laasphe. Nach teilweise jahrzehntelangen Aufenthalten in Großkliniken begann für sie ein völlig neuer Lebensabschnitt in einer wohnortnahen Einrichtung mit eigenen Rückzugsmöglichkeiten und mehr Selbstbestimmung.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Angebot kontinuierlich weiter. Der Ansatz „ambulant vor stationär“ führte dazu, dass Bewohner ab 2004 in eigene Wohnungen oder Wohngemeinschaften wechseln konnten. 2006 entstand daraus ein eigenes Team für die ambulante Betreuung. Konzepte wie „Recovery“ und „Empowerment“ sowie die Entwicklungen durch die UN-Behindertenrechtskonvention und das Bundesteilhabegesetz stärkten den Blick auf Ressourcen, Teilhabe und Selbstbestimmung. Ein weiterer Meilenstein war der Neubau des August-Hermann-Francke-Hauses in den Jahren 2019 bis 2021. Aufgrund neuer Anforderungen an Barrierefreiheit entstand ein modernes Gebäude, in das insgesamt 26 Bewohner umzogen. Damit wurde der Standort Bad Laasphe langfristig gesichert.
Jubiläumsfeier im Zeichen der 90er
Das Team hatte das Jubiläum unter das Motto der 1990er Jahre gestellt. Eröffnet wurde die Feier mit einem besonderen musikalischen Beitrag: Zwei Mitarbeitende des Hauses präsentierten ein improvisiertes und zugleich bühnenreifes Stück für Posaune und E-Gitarre. Bewohner bereicherten das Programm mit vorgetragenen Gedichten.
Eine fiktive Zeitungsseite erinnerte an Ereignisse aus dem Eröffnungsjahr 1996: Ein Liter Normalbenzin kostete damals 1,59 DM, „Macarena“ stand an der Spitze der Charts, und wenige Wochen nach der Eröffnung sorgte Oliver Bierhoff mit seinem Golden Goal im EM-Finale gegen Tschechien für den deutschen Europameistertitel. Bei einem Quiz konnten die Gäste ihr Wissen über die „Neunziger“ testen. Eine Fotobox mit passenden Utensilien, Kleidungsstücken und Perücken sorgte für Erinnerungsfotos, und auch mit Sofortbildkameras wurden besondere Momente festgehalten. Für Stimmung sorgten außerdem der gemeinsame „Macarena“-Tanz sowie Musik aus den 90er-Jahren am Abend. Bei hochsommerlichen Temperaturen brachte ein Eiswagen willkommene Abkühlung.
„30 Jahre gelebte Verantwortung“
Dr. Christian Stoffers, Geschäftsführer der Diakonie Soziale Dienste, würdigte die Bedeutung des Jubiläums: „30 Jahre August-Hermann-Francke-Haus stehen für 30 Jahre gelebte Verantwortung für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Die Einrichtung war nicht nur der Beginn einer wichtigen Entwicklung in der Sozialpsychiatrie unserer Region, sondern auch ein Ausgangspunkt für den Aufbau der Diakonie Soziale Dienste gGmbH.“ Zugleich betonte er die Bedeutung für Wittgenstein: „Eine Einrichtung wie das August-Hermann-Francke-Haus zeigt, wie wichtig verlässliche soziale Angebote direkt vor Ort sind. Menschen erhalten hier Unterstützung in ihrer vertrauten Region, können Beziehungen aufbauen und Teil der Gemeinschaft bleiben.“
Zu den Gästen gehörten unter anderem von der Stadt Bad Laasphe Dezernent Sören Lamm und der Fachdienstleiter Sicherheit und Ordnung Jörn Hoffmann, Pfarrer Steffen Post sowie Kooperationspartner aus verschiedenen Bereichen. Vertreter der Forensik der Vitos Klinik Haina, der Klinik Wittgenstein und Mitarbeitende der Werkstätten für behinderte Menschen feierten ebenfalls mit.
Margit Haars dankte insbesondere den Mitarbeitenden, Bewohnerinnen und Bewohnern sowie allen, die die Einrichtung über die vergangenen Jahrzehnte begleitet haben: „Ich möchte den Menschen dieses Hauses herzlich Danke sagen – für ihr Bemühen um einen guten Weg, für ihre Herzenswärme und Geduld, für das aufeinander Achten und Aushalten in herausfordernden Zeiten.“
Nach 30 Jahren blickt das August-Hermann-Francke-Haus nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorn. Das Jubiläumsjahr steht symbolisch für Kreativität, soziale Reife und Lebensfreude – Werte, die auch die Zukunft der Einrichtung prägen sollen.

Das Team im August-Hermann-Francke-Haus hatte das 30-jährige Bestehen unter das Motto der 1990er Jahre gestellt. Eine fiktive Zeitungsseite erinnerte an die Ereignisse aus dem Eröffnungsjahr 1996.

Zurück in die 90er: Eine passende Kulisse lud im August-Hermann-Francke-Haus zu Erinnerungsfotos ein.
Fotos: Diakonie in Südwestfalen
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