(wS/ne) Netphen 16.07.2026 | Die geplante Schließung des evangelischen Friedhofs in Netphen zum 31. Dezember 2026 beschäftigt die Bürgerinnen und Bürger weiterhin intensiv. Am Montagabend (14. Juli) hatte die evangelische Kirchengemeinde Netphen zur zweiten Informationsveranstaltung eingeladen – dieses Mal in die evangelische Martini-Kirche, die gut besucht war. Ein konkretes Ergebnis brachte auch dieser Abend nicht.

Bereits bei der ersten Infoveranstaltung am 11. Mai 2026 waren viele Besucher geschockt über die Pläne des Presbyteriums. Zahlreiche Fragen waren damals aufgekommen, die seitens des Presbyteriums jedoch nur spärlich beantwortet wurden. Man hatte zugesichert, die Fragen aufzunehmen und über die Homepage der Kirchengemeinde zu beantworten. Viele Bürger waren davon ausgegangen, dass dies zeitnah geschehen würde – die Antworten waren allerdings erst seit wenigen Tagen vor der zweiten Veranstaltung online gegangen.
Für den gestrigen Abend hatte das Netphener Presbyterium Pfarrer Christian Weber als Moderator eingeladen. Nach einer kurzen Begrüßung durch Pfarrer Münker übernahm Pfarrer Weber die Leitung der Veranstaltung und bat alle Anwesenden um eine friedliche Diskussion, auch wenn es sich um ein sehr emotionales Thema handle.
Defizit von über 200.000 Euro – Kreiskirchenamt legt Zahlen offen
Anschließend übergab er das Wort an Herrn Schneider, der beim Kreiskirchenamt für die Haushaltsberatung der Kirchengemeinden und der Friedhöfe zuständig ist. Schneider legte die Zahlen der letzten Jahre des Netphener Friedhofs offen. Aus seinen Berechnungen ergab sich ein Defizit von über 200.000 Euro, das der Friedhof in den zurückliegenden Jahren verursacht hatte. Zudem hatte er eine Vorausschau auf die nächsten 15 beziehungsweise 30 Jahre erstellt – demnach würde sich ein Defizit im Millionen-Bereich ergeben.
Aus dem Publikum kamen bereits an dieser Stelle Einwände, dass man bei den Berechnungen von alten Zahlen ausgegangen sei. Schneider ließ diese Einwände jedoch nicht gelten und beharrte auf seinen Berechnungen.
Interessengemeinschaft sieht „schwarze Null“ für 2026
Auch die Interessengemeinschaft Ev. Friedhof hatte sich intensiv mit der Finanzlage des Friedhofs beschäftigt. Herr Höfer stellte die Ergebnisse in einer PowerPoint-Präsentation vor. Aus seiner Sicht könne man, wenn man die aktuellen Zahlen zugrunde legt, für das Jahr 2026 sogar eine „schwarze Null“ bei der Bewirtschaftung des Friedhofs erzielen. Diese Darstellung wurde seitens des Presbyteriums und Herrn Schneider zur Kenntnis genommen, aber nicht weiter kommentiert.
Rechtsanwalt: Beschluss wegen formaler Fehler nicht haltbar
Im Anschluss meldete sich Rechtsanwalt Uwe Sprenger zu Wort, der bereits von zwei betroffenen Bürgern mit der Überprüfung der Sach- und Rechtslage beauftragt worden ist. Sprenger führte aus, dass der Beschluss zur Schließung des Friedhofs wegen rechtlicher Fehler nicht haltbar sei – der Beschluss sei in der damaligen Sitzung unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ gefasst worden. Der Beschluss müsse daher zurückgezogen werden. Sollte das Presbyterium dem nicht nachkommen, werde er im Namen seiner Mandanten dagegen klagen. Auch diese Ausführungen wurden seitens des Presbyteriums lediglich zur Kenntnis genommen.
Gespräche mit der Stadt Netphen laufen – keine konkrete Antwort
Pfarrer Münker berichtete, dass er in der Zwischenzeit Termine mit der Stadt Netphen sowie allen Ratsfraktionen wahrgenommen habe und dabei die Situation des Friedhofs dargestellt habe. Eine endgültige Antwort seitens der Stadt Netphen und des Rates stehe jedoch noch aus.
Darüber hinaus erklärte Münker, dass ein „geschlossener Friedhof“ auch weiterhin gewisse Bestattungen und weitere Nutzungen erlaube. Zudem müsse der Friedhof aufgrund der bestehenden Liegezeiten bis 2065 erhalten werden. Auf die Nachfrage aus dem Publikum, welche Kosten bis dahin auflaufen würden, wurde keine Antwort gegeben.
Auch das Thema Umbettungen vom bestehenden Friedhof wurde angesprochen, ebenso die Frage, ob die Kosten hierfür gegebenenfalls von der Kirchengemeinde übernommen werden müssten. Auch darauf gab es keine Antwort.
Aus dem Publikum wurde mehrfach gefragt, ob es bei der Schließung wirklich nur um die Finanzen gehe oder ob es weitere Gründe gebe. Auch diese Frage blieb unbeantwortet.
Gegen 21:00 Uhr beendete Pfarrer Christian Weber die Veranstaltung – ohne greifbare Ergebnisse.
Viele Fragen wurden erneut nicht oder nur sehr ausweichend beantwortet. Von zahlreichen Besuchern war beim Verlassen der Kirche zu hören: „Jetzt sind wir genau so schlau wie vorher!“



Fotos & Bericht : Nico Eggers
Werbepartner der Region – AnzeigeIn eigener Sache
Immer für Sie vor Ort — Ihr wirSiegen-Team
Wir sind rund um die Uhr für Sie in Siegen und der Region unterwegs. Dabei berichten wir völlig unabhängig — keiner Partei und keinem Konzern verpflichtet, nur Ihnen als Leser. Uns ist wichtig, dass alle Nachrichten für jeden Bürger frei zugänglich bleiben: komplett ohne Bezahlschranke, kostenlos für alle. Recherche, Fotos vor Ort, Technik und Deutschlands sagenhaft günstiger Super-Sprit 😉 kosten uns allerdings einiges an Zeit und Geld. Wenn Sie schätzen, was wir machen, motiviert uns ein kleiner Beitrag riesig — und hilft uns, weiter dranzubleiben. Schon der Preis eines Kaffees zählt.
Beträge für Handys, Autos und Mehrfamilienhäuser gehen natürlich auch 😉
Sicher per PayPal · auch ohne PayPal-Konto · einmalig oder regelmäßig
Und ganz gleich, ob mit oder ohne Beitrag — schön, dass Sie wirSiegen lesen. 💙











