Mit letzter Kraft: TuS Ferndorf verpasst Sensation trotz XXL-Rumpfkader

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(wS/red) Kreuztal, 18.04.2026 | Rote Karte, Verletzungen, Krämpfe, TuS Ferndorf verliert, gewinnt aber Respekt

VfL Lübeck-Schwartau gegen TuS Ferndorf (26:24 (10:11))

Es war ein Abend, an dem einem TuS-Coach Ceven Klatt wirklich leidtun konnte. Schon vor dem Anpfiff stand fest, die Aufgabe beim VfL Lübeck-Schwartau würde eine Herkulesmission werden.

Mit gerade einmal 11 Spielern war der TuS Ferndorf angereist. Es fehlten Valentino Duvancic, Hampus Dahlgren und Julius Meyer-Siebrt, dazu die Langzeiterkrankten Fynn Herzig und Fabian Hecker. Doch damit nicht genug, im Spiel verletzten sich auch noch Josip Eres und Philip Würz, Philip zog sich eine schwere Gehirnerschütterung zu, wir wünschen beiden eine schnelle Genesung.

Und als ob das alles nicht schon reichen würde, setzte die Rote Karte gegen Sören Servos in der 43. Minute dem personellen Dilemma die Krone auf. Von da an hatte Klatt nur noch einen Auswechselspieler zur Verfügung und genau so wurde dieses Spiel auch zu Ende gebracht.


Kampf bis zum letzten Tropfen

Was Ferndorf trotz dieses XXXL-Rumpfkaders ablieferte, war außergewöhnlich.
Über 50 Minuten stellten sie die Gastgeber vor eine schwere Aufgabe.

Die Abwehr des TuS war:

  • aggressiv
  • körperbetont
  • kompromisslos
  • aber nie unfair

Sie zwang Lübeck-Schwartau bereits in der ersten Halbzeit mehrfach ins Zeitspiel. Dazu kam ein starkes Rückzugsverhalten und eine verbesserte Offensive im Vergleich zu den letzten Spielen. Ferndorf vergab aber auch Chancen, da sie einfache Bälle nicht reinmachten.

Sie scheiterten immer wieder am überragenden VfL-Keeper Ferjahn, der mit 15 Paraden zum entscheidenden Faktor wurde. Auf der anderen Seite kam Ferndorf immerhin auf 9 Paraden.


Improvisation pur – auch auf der Bank

Was sich auf der Platte abspielte, war nicht nur ein Kampf der Spieler, sondern auch eine enorme Leistung des Trainers.

Ceven Klatt musste zusehen, wie seine Bank immer leerer wurde. Als Mattis Michel unbedingt mal eine Pause brauchte, wurde kurzerhand Gabi Viana an den Kreis gestellt. Als Gabi selbst später mit Krämpfen am Boden lag, wechselten sich Julius Fanger und Nico Schnabl auf Linksaussen ab und Finn Scharnweber war schon auf Rechtsaussen im Einsatz, da Josip verletzt war. Das war Improvisation auf höchstem Niveau, aus der Not geboren.


Ein Spiel auf Augenhöhe, trotz allem

Es war ein ungleiches Match und trotzdem über weite Strecken absolut auf Augenhöhe.

Die Kommentatoren von Dyn Media fanden deutliche Worte:

  • „ein riesiges Kompliment“ für Ferndorf
  • in einigen Bereichen sogar die bessere Mannschaft
  • eine „brutal gute Abwehr

Sie sprachen von einem:

  • Abnutzungskampf
  • körperbetonten Spiel
  • intensiven Duell mit Fehlern auf beiden Seiten

Die Entscheidung in der Crunchtime

Am Ende machte sich der Kräfteverschleiß bemerkbar. In der Schlussphase konnte sich Lübeck-Schwartau leicht absetzen:

  • 23:19
  • 25:21
  • Endstand: 26:24

Doch eines ist klar:
Mit einem normalen Kader hätte Ferndorf dieses Spiel mit Sicherheit gewonnen.


Blick nach vorne, keine leichte Zeit

Die Lage bleibt angespannt.

Der Blick von Ceven Klatt richtet sich nun zwangsläufig nach unten in der Tabelle.
Das kommende Nachholspiel beim VfL Eintracht Hagen sowie das Heimspiel gegen den TuS Nettelstedt-Lübbecke stehen vor der Tür und sorgen nicht gerade für Entspannung.

Die gestrige Niederlage von Krefeld spielt Ferndorf natürlich in die Karten, Krefeld befindet sich jetzt wieder auf einem Abstiegsplatz. Der Abstand zu ihnen beträgt aktuell wieder drei Punkte, eine Spannung, die niemand wirklich gebrauchen kann.


Fazit

Ferndorf hat dieses Spiel zwar verloren, aber vor allem eines gewonnen:
Respekt.

Diese Mannschaft hat:

  • gekämpft, bis nichts mehr ging
  • alles auf der Platte gelassen
  • sich „teuer verkauft“ wie selten zuvor

Oder anders gesagt:
– Ferndorf gibt nicht auf.
– Ferndorf kämpft bis zum Umfallen.

Was es sonst noch gab:

  • TuS Ferndorf überstand eine Phase (45. Min.) in doppelter Unterzahl ohne Gegentor
  • Nach einem Foul an Fanger gab es einen Siebenmeter, Scharnweber trat an, ein Pfiff ertönte, Scharnweber warf, doch Ferjan im VfL-Tor wehrte den Wurf ab. Nur, die Schiris hatten den Ball noch nicht freigegeben, sie hatten nicht gepfiffen. Scharnweber hatte einen Pfiff gehört, Ferjahn im Tor auch und die ganze Tribüne auch, ich auf DYN auch. Ergo, Wiederholung, jetzt trat Jansen an und verwandelte zum Tor, sehr kurios.
  • Zuschauer 2040
  • Ceven Klatt holte sich in der 56. Minute eine gelbe Karte ab, nachdem er eine Situation mit dem Delegierten diskutiert hatte, der wohl anderer Meinung war.
  • In der 49 Minute war der Ball „verschwunden“. Ferndorf hatte geworfen und der Ball klemmte oben rechts im Lattenkreuz, kein Tor.
  • Die Mannschaft ist noch am gleichen Abend nach Hause gefahren und wird gegen 4 Uhr morgens wieder daheim gewesen sein.
  • Ca. 20 Ferndorfer haben den Weg in den hohen Norden auf sich genommen.

Torschützen:

Daniel Hideg 6 Tore, Julius Fanger und Tom Jansen je 5, Soeren Servos 3, Finn Scharnweber und Gabriel Viana je 2, Mattis Michel 1

Bericht: Peter Trojak

Fotos: Frank Dolejs (vielen Dank Frank, Grüße aus dem Siegerland nach Seefeld)

Stimmen zum Spiel:

Jan-Eric Speckmann (Vfl): Ferndorf hat eine Starke Abwehr gestellt, da haben wir uns wirklich die Zähne ausgebissen. Wir haben uns tatsächlich auch auf diesen Kampf eingelasse, was nicht so clever ist. Aber wir sind eine starke spielerische Mannschaft. Hätten wir den Ball ein bisschen besser fliegen lassen, dann hätte si uns niemals so doll erwischt. Aber letztendlich haben wir heute, glaube ich, verdient 2 Punkte hierbehalten.

Ceven Klatt: Es war eine unglaubliche Abwehrleistung, vor allem in der 1. HZ, als wir noch die Kraft dazu hatten. Schwartau hat uns vor schwere Aufgaben gestellt, wir haben bis zur Pause 3 Torwartparaden, der VfL hatte nur 10 Tore erzielt, das ist schon aussergewöhnlich. Auf der anderen Seite hatte Schwartau da schon 10 Paraden. Wir hatten einfache Bälle, die wir nicht reinmachen, um zur Halbzeit deutlich zu führen, so wurde es einfach eine Kräftefrage. In der Anfangsphase der 2. HZ bekommt Philip Würz einen Schlag und scheidet mit einer schweren Gehirnerschütterung aus, das heißt, wir haben keinen Wechselspieler mehr auf dieser Position. Soeren bekommt in der 40. Minute die Rote Karte und Josip verletzt sich auch zu dieser Zeit, wir haben also nur noch 1 Auswechslspieler und das merkt man natürlich auch nach hinten raus. Das sind dann Dinge, die wir nicht mehr so leisten können, wie wir uns das vorgenommen haben.

Aber ich mache der Mannschaft auch keinen Vorwurf, wenn ich die sehe, wie die improvisieren mussten. Gabi hat am Kreis gespielt, Nico auf Linksaussen, Julius auf Linksaussen, Gabi im Innenblock, alles Positionen, wo die Jungs im Normalfall nicht auftauchen. Jeder hat versucht, das Beste draus zu machen und so ist es schade, dass wir heute nicht belohnt werden. Aber zumindest im sieben gegen sechs in der 2. HZ und so konnten wir die Halle erhobenen Hauptes verlassen. Es war auch eine gute Stimmung in der Hansehalle, das muss man schon sagen, da war schon viel Druck drin. Wir haben auch von allen Seiten ganz, ganz viel Lob erhalten, auch noch nach dem Spiel, für unsere Leistung. Das macht einen schon stolz, obwohl wir uns dafür nichts kaufen können. So gucken wir jetzt ein bisschen nachdenklich auf die kommenden Aufgaben, gerade was die Kadersituation betrifft, trotz allem aber auch mit Zuversicht.

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