(wS/hi) Hilchenbach 28.07.2026 | Wie komplex kommunale Entscheidungsprozesse sein können, haben 44 angehende Verwaltungsfachangestellte im Hilchenbacher Ratssaal am eigenen Leib erfahren. In einem praxisnahen Projekt des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung des Kreises Siegen-Wittgenstein in Kooperation mit den KlimaWelten Hilchenbach simulierten sie vom 15. bis 19. Juni die politische Debatte um ein Großprojekt: den Bau eines Windparks in der fiktiven Stadt „Holzenbach“.
Das von den KlimaWelten Hilchenbach konzipierte Planspiel „Wald & Wind“ fand erstmalig im Rahmen einer digitalen Woche des Berufskollegs statt und kombinierte digitale Vorbereitung mit einer Präsenz-Sitzung als Höhepunkt. In Kleingruppen erarbeiteten die Teilnehmenden anhand von Fachmaterialien die Argumente für insgesamt zehn Interessengruppen, aufgeteilt in Befürworter, Gegner und neutrale Positionen. Eine zusätzliche Pressegruppe bereitete sich parallel vor, um die verschiedenen Standpunkte journalistisch zu begleiten.
Besonderer Clou: Das Planspiel beruht auf tatsächlichen Daten und Fakten aus der Planungsgeschichte des Bürgerwindparks RothaarWind II in Hilchenbach und hat somit einen direkten regionalen Bezug. Dank der Bereitstellung des Ratssaals durch die Stadt Hilchenbach konnte die abschließende fiktive Bürgerversammlung in authentischer Atmosphäre stattfinden. Moderiert wurde die Veranstaltung von den KlimaWelten Hilchenbach.
Im Ratssaal wurden die unterschiedlichen Positionen diskutiert und gegeneinander abgewogen. Besonders der örtliche Sportverein positionierte sich als strikter Gegner des Projekts. Die Vertreter des Vereins äußerten Bedenken wegen einer optischen Verschandelung der Landschaft und befürchteten Lärmbelästigungen beim Außensport. Demgegenüber stand die Fraktion der Stadtverwaltung, die das Vorhaben verteidigte. Sie verwies vor allem auf die Notwendigkeit des Klimaschutzes sowie auf die zu erwartenden Einnahmen durch den erzeugten Strom, die letztlich wieder der Bürgerschaft und den Vereinen zugutekommen könnten.
Obwohl die Gegner des geplanten Windparks im Wald klassische Argumente wie den Vogelschutz oder ausbleibende Touristen anführten, zeigten sich die Befürworter gut gerüstet. Sie konterten die Einwände mit Verweisen auf gesetzliche Auflagen zum Artenschutz und die Einhaltung ausreichender Mindestabstände.
Für die Auszubildenden bot das Projekt einen hohen Lerneffekt: Sie erfuhren im Selbstversuch, wie komplex die Berücksichtigung verschiedenster Interessen bei öffentlichen Vorhaben ist. Das Rollenspiel schulte zudem den Perspektivenwechsel und die Fähigkeit zur sachlichen Argumentation – beides wichtige Voraussetzungen für die spätere Arbeit in der Verwaltung. Das Projekt soll auch in den kommenden Jahren in gleicher Form durchgeführt werden.

Im Hilchenbacher Ratssaal simulierten 44 angehende Verwaltungsfachangestellte eine fiktive Bürgerversammlung zum Thema Windkraft. Das Planspiel „Wald & Wind“ ist ein Kooperationsprojekt des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung mit den KlimaWelten Hilchenbach. Foto: Antje Schneyer)
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