(wS/si) Siegen 04.08.2026 | Siegen-Wittgenstein. In der Debatte um einen möglichen Nationalpark Rothaarkamm wendet sich Landrat Andreas Müller jetzt direkt an die heimische Wirtschaft. Er fordert Unternehmerinnen und Unternehmer auf, konkret zu benennen, welche Auswirkungen sie durch einen Nationalpark für ihr Unternehmen befürchten. Hintergrund: Obwohl verschiedene Wirtschaftsvertreter ihre Ablehnung öffentlich deutlich gemacht haben, seien im Rahmen der laufenden Bürgerbeteiligung kaum konkrete Fragen aus der Wirtschaft eingegangen.
Seit einigen Wochen läuft die Bürgerbeteiligung zu dem möglichen Nationalpark. Rund 370 Fragen wurden bisher eingereicht. Parallel dazu haben sich verschiedene Interessengruppen öffentlich zu Wort gemeldet – insbesondere aus der Wirtschaft kam dabei deutliche Ablehnung.
„Was mich in dieser Situation überrascht, ist, dass von Seiten der Wirtschaft kaum konkrete Fragen im Rahmen der Bürgerbeteiligung an uns gerichtet wurden“, so Landrat Müller. Wenn, dann sei es fast ausschließlich um die Verkehrsinfrastruktur gegangen, allen voran um die Route 57. „Aber dazu hat die zuständige Expertengruppe bereits sehr früh deutlich gemacht, dass der Bau der Route 57 auch bei der Ausweisung eines Nationalparks möglich bleiben wird, weil die notwendige Trasse aus der Nationalparkkulisse ausgeklammert würde“, erklärte Müller.
Weitergehende Fragen, die tatsächlich einzelne Unternehmen und ihre konkrete Geschäftstätigkeit betreffen, seien dagegen praktisch nicht eingereicht worden. Das sei auf der einen Seite nicht unbedingt überraschend, so der Landrat, „weil vermutlich kaum ein Unternehmen zwischen Burbach und Bad Berleburg in seiner konkreten Geschäftstätigkeit jemals mit einem Nationalpark in Berührung kommen würde.“ Vor genau diesem Hintergrund sei die vehemente Ablehnung durch öffentliche Äußerungen mancher Wirtschaftsvertreter allerdings umso erstaunlicher.
Die Kritik aus der Wirtschaft bleibe jenseits der bereits beantworteten Frage zur Verkehrsinfrastruktur eher allgemein, stellte Müller fest: „Man hört oft den Satz ‚Haben wir nichts anderes oder Wichtigeres zu tun?‘ Das kann aber nicht wirklich ein Argument in einer Diskussion sein, deren Bedeutung für die künftige Entwicklung Siegen-Wittgensteins immens ist, völlig unabhängig davon, ob man einen Nationalpark befürwortet oder ablehnt.“
Deshalb richtet der Landrat jetzt einen direkten Appell an die heimischen Unternehmer: „Welche unmittelbare Beeinträchtigung Ihres Unternehmens befürchten Sie durch einen Nationalpark Rothaarkamm? Was würde sich für Sie konkret verschlechtern? Wo sehen Sie für Ihr Unternehmen Einschränkungen?“ Man wolle aus einer allgemeinen Diskussion in konkrete Fragestellungen übergehen. „Denn auch hier können wir mit unseren Experten aufarbeiten, ob die Befürchtungen berechtigt sind und falls ja, ob und wie Abhilfe geschaffen werden könnte.“
Unternehmen, die konkrete Auswirkungen auf ihren Betrieb befürchten, können diese per E-Mail an nationalpark@siegen-wittgenstein.de schildern. Die Rückmeldungen werden dann in den Nationalparkprozess mit aufgenommen.

Landrat Andreas Müller
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