Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Netphen: Ein Weihnachtskonzert voller Format und Dynamik

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(wS/hgm) Netphen 04.01.2026 | Es ist der Sonntag nach Weihnachten, 16.30 Uhr. Die katholische Pfarrkirche St. Martin ist zum wiederholten Mal ausverkauft, so gut wie kein Platz mehr frei. Gerade sind die rund 70 Musikerinnen und Musiker des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Netphen einmarschiert und nehmen Platz. Knisternde Spannung liegt in der Kirchen-Atmosphäre, es herrscht fast Totenstille.


Lorena Käuser, Stimmführerin und Vizedirigentin des Musikzuges, erhebt sich von Ihrem Platz,
setzt ihr Saxophon an und gibt den Referenzton zur Stimmung der Instrumente ab.
Blasinstrumente haben eine Feinabstimmung, was für ein homogenes Klangbild unbedingt
erforderlich ist. Geduldig sieht sie in die Runde, bis alle soweit sind. Die Stimmführerin nickt und
nimmt wieder Platz.
Dann kommt mit ruhigen Schritten Stefan Hees herein, der Dirigent des Musikzuges und
absoluter Profi-Musiker. Mit einem geschlossenen Lächeln erhebt er den Taktstock, verharrt und
wartet, bis alle Musikanten einsatzbereit sind. Er strahlt Ruhe und Sympathie aus, er hat das
gewisse Etwas und ein Charisma, das einfach fasziniert und zu Höchstleistungen anspornt. Er
lächelt und nickt, dann stimmt der Musikzug den ersten Titel zu seinem Weihnachtskonzert 2025
an: „A Christmas Festival“, der viele bekannte Parts enthält. Ein Raunen geht durch die
Zuhörerschaft, der Musikzug spielt einfach phantastisch, auch wenn es sich um Laienmusiker
handelt, die jedoch allesamt auf vordersten Rängen agieren. Wo er auch immer auftritt,
begeistert er mit seinen Darbietungen Jung und Alt; auf Social Media – so auch auf YouTube –
erzielt der Netphener Musikzug hohe Aufrufs- und Klickzahlen.
Nach dieser ersten Kostprobe begrüßte Alexandra Weth, 1. Vorsitzende des Musikzuges, das
Publikum und die geladenen Gäste:
Marco Müller, Bürgermeister Stadt Netphen, Dorothee Spies (die selbst im Musikzug mitwirkt),
Ortsbürgermeisterin Netphen, Sebastian Reh, Leiter der FF Netphen, sowie Jörg Otter als
Stellvertreter, Horst Kühn, Ehrenwehrführer der Stadt Netphen, Mark Liska, Leiter der FF
Löschzug Netphen sowie Manuel Heinelt als Stellvertreter, Rainald Thiemann, Vorsitzender des
Kreisfeuerwehrverbandes und Jörn Eling, den Kreisstabführer. Ferner hieß Weth die
Alterskameraden und die Ehrenmitglieder willkommen.
Durch das Programm führten Lia Fischer und Celine Hoffmann in lockerer und offener
Moderation.
Und da es sich um ein reines Weihnachtskonzert handelte, war das Repertoire entsprechend
ausgelegt, Melodien und Weisen, die vom Klangbild her gut verständlich und leicht
aufzunehmen waren und überwiegend sakralen Charakter hatten. In schöner Dynamik,
ausgefeilter Instrumentierung und mit einer ausgewogenen Perkussion. Dies wurde gleich bei
dem nächsten Titel, „Adeste Fideles“ in festlicher Stimmung und dem eher getragenen Satz
„Allerseelen“ mehr als deutlich. Er folgte mit „Engeln auf den Feldern singen“ ein Titel zum
Mitsingen, in dem der Reim „Gloria in excelsis deo“ (Ehre sei Gott in der Höhe) dominierte.
„The Book of Love“ (Das Buch der Liebe) ist ein metaphorischer Titel, der sich auf die
Komplexität der Liebe bezieht, oft mit einfachen, alltäglichen Momenten, die zusammen die
Geschichte einer Beziehung bilden. Eine durchaus komplexe Komposition, die der Musikzug
ausgezeichnet umsetzte.
Die Melodien „Christmas Time“ und „Coming Home“ (Tenor-Saxophon: Lorena Käuser), boten
danach wieder etwas leichtere Kost, setzten farbig-festliche Kontrastpunkte und zu dem herzlich
dargebotenen Lied „O du fröhliche“ war die Zuhörerschaft wieder zum Mitsingen eingeladen.
Das bis dahin Dargebotene bildete gewissermaßen den ersten Block des Konzertes, also die
Hälfte, dem sich jedoch nahtlos der zweite Block anschloss. Die Komposition „The Sound of
Silence“ (Der Klang der Stille) enthielt wieder viele bekannte Parts von Weihnachtsmelodien und
vermochte einschmeichelnd ins Gehör vorzudringen; bei „Fix You“, (zu Deutsch: Repariere dich)
der britischen Rockband Goldplay brillierten Lukas Geffert auf dem Flügelhorn sowie Simon Wagener auf dem Waldhorn. Egal was auch immer: Der Musikzug überraschte immer wieder
durch seine musikalische Präzision, was stets mit starken Ovationen bedacht wurde.
Die populäre Weise „Es ist ein Ros ́ entsprungen war erneut eine herzliche Einladung zum
Mitsingen, und bei dem folgenden Satz „A Hymn fort he Lost und the Living“ präsentierte sich
Johannes Schmitt solistisch auf der Trompete. Dieses Werk spiegelt die schmerzvollen Tage der
Menschen New Yorks nach dem furchtbaren Terroranschlag am 11. September 2001 wider; der
Rädelsführer dessen wurde erst Jahre später in Pakistan gefasst (und Vorort hingerichtet). Die
tontechnische und rhythmische Umsetzung durch den Musikzug war einfach große Klasse.
„Tochter Zion“ war danach wieder eine bekannte Komposition, die mit zahlreichen Koloraturen
geschmückt ist und wieder voll ins Gehör ging. Bei „On Fire“, was soviel bedeutet, etwas
anzuzünden bzw. brennen, zeigte Maurice Perugorria am Drum-Set sein solistisches Können.
Überhaupt war die Perkussion große Klasse, gut abgestimmt mit stets passenden Einsätzen.
„Amazing Graze“ – wer kennt diese Melodie nicht? war der letzte Titel des großartigen
Konzertes, der mit viel musikalischem Feingefühl und filigranem Klangbild zum Vortrag kam.
Hierbei brillierten Swea Bätzing auf der Oboe sowie Sebastian Schneider auf dem
Bassflügelhorn. Darüber hinaus war das gesamte Konzert eine sakrale Hommage an Christus,
den Gottessohn, der als Mensch auf die Erde kam um die Erlösung zu bringen. Das Publikum
erhob sich von den Plätzen und dankte mit minutenlangem Applaus.


Text und Fotos: Hans-Gerhard Maiwald

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