(wS/red) Kreuztal, 04.03.2026 | Aufholjagd ohne Happy End, TuS Ferndorf verliert Handballkrimi
Endstand: 27:29 (12:15) – Zuschauer: 1313
Der TuS Ferndorf verliert in eigener Halle mit 27:29 gegen eine stark dezimierte Dessauer Mannschaft, die nur aus 2 Torleuten und 9 Feldspielern bestand.
Das war irgendwie nicht der Tag des TuS Ferndorf. Es fing direkt mit 2 Fehlern an, die vom Gegner eiskalt umgemünzt wurden, und nach 3 Minuten hieß es mal eben 0:3. Kurz mal stutzen, den Kopf schütteln, sich wundern und sich dann wieder auf die Tugenden besinnen, die die bisherigen Rückrundenspiele so erfolgreich gestaltet haben.
Da wird dann mal eben in noch nicht einmal 3 Minuten ein Dreierpack durch 2x Sören Servos und Mattis Michel hingezaubert, es steht 3:3, na bitte, geht doch. Dessau legte nach, der TuS in Form von wiederum Mattis Michel auch, und in der 8. Minute hieß es 4:4, alles wieder im Lot!? Denkste. So leicht wollten sich die Gäste nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und nach weiteren 2 Fehlwürfen hieß es in der 11. Minute 4:7, da waren sie wieder, diese 3 Tore Vorsprung für Dessau.

Das lief alles nicht rund und in der 13. Minute kam Filip Baranasic für den glücklosen Can Adanir (1 Parade) in den Kasten. Nach gespielten 12:31 Minuten buzzerte Ceven Klatt zur Auszeit, denn das konnte ihm nicht wirklich gefallen. Er musste Ordnung und Ruhe ins Spiel bringen.
Dass Dessau keine Laufkundschaft ist, wussten wir vorher, aber dass die Gäste zu leichten Toren eingeladen wurden, passte nicht so recht ins Bild, wenn man die bisherigen Rückrundenspiele zu Rate zieht. Unsere Abwehr stand auch nicht immer so, wie wir sie zuletzt gesehen haben und wenn die Unterstützung aus der Abwehr fehlt, dann hat es jeder Keeper schwer.
Und die TuS-Offensive endete sehr oft am ganz starken Philip Ambrosius im DRHV-Kasten. Er fischte über 60 Minuten 17 Würfe der Ferndorfer weg und hat allein dadurch maßgeblichen Anteil am Auswärtssieg seiner Mannschaft.
Es gab natürlich auch Phasen, in denen beiden Teams wenig gelang, so zwischen der 19. und 27. Minute. Beide Teams erzielten in diesen 8 Minuten gerade mal 2 Tore. Beim TuS waren es in dieser Zeit 4 Fehlwürfe und 1 technischer Fehler. Die Zahlen des Gegners haben wir nicht gezählt, dürften sich aber ähnlich verhalten.
Ferndorf ließ sich aber auch nicht wirklich abschütteln. Als es 8:14 stand, also Dessau mit 6 Toren vorne lag, bäumte sich Ferndorf wieder auf und verkürzte bis zur 28. Minute auf 12:14. Mit einem 12:15 ging man dann schließlich in die Kabine und Ceven wird ihnen dort gewiss noch einmal eine kleine Ansprache gehalten haben.
Beste Torschützen dieser 1. Halbzeit waren Marvin Mundus und Sören Servos mit je 3 Treffern.

Sören entwickelt sich immer mehr zum Matchwinner, sein Akku scheint immer komplett aufgeladen zu sein. Er dreht im Alleingang die DRHV-Abwehr einmal auf links und da hat dann Ambrosius im Gästekasten nichts zu melden. 7-mal schlug es im Gebälk der Dessauer ein und das brachte ihm die Torschützenkrone für diesen Spieltag ein. Zu seinen 5 Toren kam 1 Fehlwurf, aber er steuerte auch 3 Assist bei.
Nicht vorzustellen, dass uns dieser Wirbelwind zum Saisonende verlässt. Er ist ja vom Bergischen HC nur bis Saisonende ausgeliehen, danach wird er dort wieder antreten müssen, denn sein Vertrag läuft dort noch ein weiteres Jahr.
Schade, aber mal abwarten. Wer weiß, wer weiß?
Die zweite Halbzeit schien etwas mit einer möglichen Ansage von Ceven Klatt in der Kabine zu tun zu haben, denn Ferndorf machte zunächst vieles richtig und der DRHV geriet ins Hintertreffen. Nico Schnabl, der eine geniale zweite Halbzeit auf die Platte zauberte, erzielte das 13:15, gefolgt von 2 Fehlwürfen des TuS. Derer sollten wir bis zur Sirene insgesamt noch 8 Stück sehen.
Doch Filip Baranasic brachte zur richtigen Zeit eine Parade, die Gäste patzten ebenfalls und wiederum Nico Schnabl und Valentino Duvancic erzielten in der 36. Minute das 15:15. Es war das erste Remis seit der 8. Minute. Jetzt war das Spiel wieder ausgeglichen, auch wenn man rein optisch das Gefühl hatte, dass die Gäste weniger Mühe hatten.
Gut, Dessau war noch nie ein bequemer Gegner, aber nach diesem furiosen Rückrundenstart wollte man nicht unbedingt die erste Niederlage einfahren und dann noch in einem Heimspiel.
Es entwickelte sich ein etwas wildes Spiel, in dem zunächst Goalgetter Nico Schnabl glänzte und immer dann da war, wenn es nötig erschien. So beim 16:16 und auch beim 17:17, gefolgt von einem Siebenmetertor von Josip Eres zum 18:18.
Danach wollte es Josip wohl zu gut machen. Frei vor dem Gästetor warf er den Ball nicht mit „Schmackes“ aufs Tor, sondern wollte ihn ganz locker rechts unten reindrehen. Doch das stellte Gästekeeper Ambrosius vor keine große Aufgabe, eine unnötige Aktion, der Ball hätte drin sein müssen.

Weiter ging es, die beiden Top-Torschützen Nico Schnabl und Sören Servos hielten das Spiel spannend. Sie erzielten das 19:19 und auch das 20:20, es lief die 44. Minute.
Was dann folgte, ließ die Halle lauter werden, 21:20 durch Sören Servos, 22:20 durch Mattis Michel und das 23:20 durch Gabriel Viana. Alter Schwede, das war mal eine Ansage! 47. Minute und Ferndorf hatte seine ersten Führungsminuten. Sollten sie das Ruder wirklich herumgerissen haben?
Nein, haben sie nicht, 1 Fehlwurf und zwei technische Fehler nutzten die Gäste zum 23:23, alles wieder offen. Das veranlasste Ceven Klatt, erneut auf den Buzzer zu schlagen, denn es waren eigentlich leichte Fehler, die man längst abgestellt oder zumindest reduziert geglaubt hatte.

Ein Geschenk für Ferndorf war nun eine Zeitstrafe für Dessau in der 53. Minute. Die Uhr lief weiter, wir hatten die 54. Minute, und wieder krachten 2 Bälle ins Dessauer Gebälk, wieder war Sören Servos dafür verantwortlich. Das brachte dem TuS das 25:23.
Doch auch diesen Vorsprung konnte man nicht verwalten. Es erinnerte irgendwie an die Hinrunde, in der so oft Spiele in der Schlussphase verloren gingen und genau so kam es auch diesmal.
Fehlwurf TuS, Dessau verkürzt. Fehlwurf TuS und dann auch noch eine Zeitstrafe. Das konnte nicht gut gehen. Siebenmetertor für Dessau (25:25), ein erneuter TuS-Fehlwurf, 25:26 und 25:27 waren die Folge.
Doch Ferndorf glaubte weiterhin an sich, denn Valentino Duvancic und Josip Eres (Siebenmetertor) stellten wieder das Remis (27:27) her. Muss es denn immer auf einen Krimi hinauslaufen?
Offensichtlich ja, nach dem 27:28 in der 60. Minute schien der Käse für die Gäste gegessen. Ein weiteres Team-Time-Out von Ceven Klatt brachte keinen Erfolg, denn es folgte noch ein technischer Fehler. Dessau bedankte sich, nahm selbst noch eine Auszeit und machte mit dem 27:29 alles klar.
Den Zahn gezogen hat uns an diesem Tag natürlich auch Philip Ambrosius im Dessauer Tor. Er kam auf ganz starke 17 Paraden, was einer Quote von 39 % entspricht. Ein paar weniger davon und alle hätten gejubelt.
Dazu die Ferndorfer Wurfquote: Von 48 Würfen fanden 27 den Weg ins Ziel, Dessau verwandelte 29 von 44 Würfen und das macht am Ende eben den Unterschied.
Die Torausbeute war allerdings zu gering: Zwischen der 47. und der 60. Minute erzielte Ferndorf nur 4 Tore, Dessau hingegen 9 Tore, das ist einfach zu wenig.
Es war eine unnötige Niederlage, denn ständig schwankende Leistungen ließen keinen wirklich flüssigen Spielablauf zu. Welche Erkenntnisse Ceven Klatt daraus zieht und wie er die Fehlerquote wieder senken will, wird diese Trainingswoche zeigen.
Denn danach geht es zum Tabellenführer SG BBM Bietigheim, der sich anschickt, wieder die Beletage des Handballs anzupeilen. Interessant wird dieses Match auch deshalb, weil wir dort auf Maxim Orlov treffen, einen Ferndorfer, der bereits im Alter von 5 Jahren mit dem Handball begonnen hat und den Verein schon mit 14 Jahren in Richtung Minden verlassen hat.
Fazit:
Ja, wir haben den ersten Ausrutscher der Rückrunde produziert und ja, er war unnötig. Aber am Samstag, den 14.03.2026 um 18:00 Uhr können wir wieder Flagge zeigen. Allerdings wird der TuS bei der SG BBM krasser Außenseiter sein.
Danach folgt ein Heimspiel am 28.03.2026 gegen Balingen und auch das wird ganz sicher kein Zuckerschlecken. Aktuell steht der TuS (der Spieltag ist noch nicht beendet) mit 17:27 Punkten auf Platz 15 der Tabelle und stellt nach derzeitigem Stand die Drittbeste Abwehr der Liga. Absolut überzeugt hat an diesem Spieltag Nico Schnabl, der auch lt. eigener Aussagen sein bisher bestes Saisonspiel absolviert hat und auch seine bisher meisten Tore erzielt hat (Wurfquote 83 %), weiter so. Keinen guten Tag hingegen hatte Daniel Hideg, der bisher oft den Dirigentenstab geschwungen hat, aber diesmal nur 4 Fehlwürfe zu verzeichnen hatte, 2 Assists steuerte er trotzdem bei.
Sören Servos überzeugte einmal mehr, erzielte 7 Tore, hatte aber auch 4 Fehlwürfe, für einen Neuzugang ist das eine starke Leistung.
Allen Harzfreunden wünschen wir ein schönes Restwochenende und einen guten Start in die Woche, NODDA.
Tor: Can Adanir 1 Parade, Filip Baranasic 9 Paraden
Torschützen: Soeren Servos 7, Nico Schnabl 5, Valentino Duvancic 4, Marvin Mundus und Mattis Michel je 3, Josip Eres 2/2, Hampus Dahlgren, Gabriel da Rocha Viana und Julius Fanger je 1
DAS IST FERNDORF – DAS BIST DU
Bericht: Peter Trojak
Fotos: Andreas Domian
NICO SCHNABL: Die Niederlage müssen wir uns selber ankreiden. Wir kämpfen uns unglaublich gut zurück in der 2. HZ, machen dann ein cooles Spiel, bringen wieder Stimmung in die Halle und mach dann mit dem 26:23 einen Dreierlauf. Wir haben dann die Chance, das Spiel zuzumachen, verwerfen dann freie Bälle, das darf uns nicht passieren, wenn wir uns zu Hause für gute Leistung belohnen wollen. Es ist unser Anspruch, hier 2 Punkte zu holen und das war auf jeden Fall möglich, wir haben es aber kläglich aus der Hand gegeben mit unseren eigenen Fehlern. Das als Rücksdchritt zu bezeichnen wäre jetzt aus unserer Sicht falsch. Es waren heute wirklich freie Bälle, die wir ganz einfach nicht reingemacht haben und daran liegt es dann.
DRHV-Coach Vanja Radic: Es war heute wieder mal eine Mega Atmosphäre, die die beiden Fanclubs wieder mal gemacht haben. Man hat gespürt, dass man hier herzlich willkommen ist. Ich bin megastolz und sehr froh für meine Mannschaft , dass wir nach 3 Spielen ohne Punkte es heute endlich geschafft haben. Auch dass wir nach der 3-Tore-Führung von Ferndorf das Spiel noch drehen konnten, das ist richtig stark gewesen.
CEVEN KLATT: Wir kommen nicht gut ins Spiel heute, laufen schon in der 1. HZ einem sechs-Tore-Rückstand hinterher, spielen dann aber sehr gute 20 Minuten und machten aus einem 8:14 ein 21:20 und damit die erste Führung für uns. Wir haben dann das Momentum auf unsere Seite, setzen uns auch auf 3 Tore ab, für mich war aber heute vorentscheidend, dass wir beim 25:23 den Gegenstoß verschossen haben, sonst wäre es das 26:23 gewesen. Wir machen dieses Tor nicht und es steht sofort 25:24 bei noch zu spielenden 6 Minuten, das wäre dann zumindest wahrscheinlich 1 Punkt gewesen.
Wir lassen aber auch in der 2. HZ zuviel liegen, können Gegenstöße nicht im Tor unterbringen oder verprellen die Bälle. Nico Schnabl finde ich, macht heute ein sehr gutes Spiel, den möchte ich heute hervorheben. Als er ins Spiel kommt, bringt er eine gute Struktur rein, setzt die Kreisläufer gut ein und hat auch wirklich Tiefe. Und am Ende sind es, wie gesagt, Kleinigkeiten, die sich dann aber summieren, dazu kommt auch noch die Zeitstrafe von Sören. Dann sind wir in Unterzahl, das Tor leer und werfen dann 2 Bälle weg und laden Dessau ein, aufs leere Tor zu werfen, in den Phasen müssen wir ein besseres Game-Management haben. Das ist in unseren letzten Spielen besser gelungen, das war heute in einer ungünstigen Phase und deswegen geht der Sieg für Dessau auch in Ordnung. Wir haben in der 2. HZ zu viel liegen lassen und waren da nicht clever genug.





























