(wS/spd) Kreis Siegen 20.04.2026 | Mit deutlicher Kritik reagieren die Spitzen der SPD in der Region auf die jüngsten Ankündigungen der Bundesregierung zur Siegstrecke. Trotz der geplanten Generalsanierung ab Dezember bleibt der dringend notwendige zweigleisige Ausbau der verbliebenen Engpässe auf unbestimmte Zeit verschoben. Für Julian Maletz, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion Siegen-Wittgenstein, Nicole Reschke, Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Siegen- Wittgenstein und Falk Heinrichs, Vorsitzender der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) in Siegen-Wittgenstein, ist dies ein fatales Signal für die gesamte Region.
Zukunftschancen werden verbaut
„Es ist völlig unverständlich, warum die Deutsche Bahn und der Bund eine monatelange Vollsperrung nutzen, um über 100 Millionen Euro zu verbauen, dabei aber die entscheidenden Nadelöhre unberührt lassen“, kritisiert Julian Maletz. Dass der zweigleisige Ausbau zwischen Blankenberg und Merten sowie Schladern und Rosbach zwar im Gesetz steht, aber nicht umgesetzt wird, sei ein Offenbarungseid. „Wir erleben hier eine Sanierung ohne echten Mehrwert für die Pünktlichkeit. Der RE 9 wird auch nach der Sperrung im Stau stehen, weil die Strecke schlicht am Limit ist. Ein 30-Minuten-Takt bleibt so Wunschdenken.“
Ländlicher Raum darf nicht das Nachsehen haben
Nicole Reschke unterstreicht die strukturpolitische Bedeutung der Schiene: „Die Siegstrecke ist das Rückgrat unserer Region. Wenn die Bundesregierung von der Verkehrswende spricht, darf sie den ländlichen Raum nicht vergessen. Wir können nicht akzeptieren, dass knappe Mittel immer nur in die Metropolen fließen, während wir hier auf einer Infrastruktur aus der Vorkriegszeit fahren.“
Reschke weist zudem auf die Belastung der Pendler hin: „Wer ein halbes Jahr lang in den Schienenersatzverkehr gezwungen wird, muss am Ende wenigstens die Perspektive auf eine stabile Verbindung haben. Die jetzigen Pläne sind ein Schlag ins Gesicht aller, die täglich auf die Bahn angewiesen sind.“
Sicherheitsrisiko Brücken und marode Substanz
Auch der Zustand der Brücken sorgt für Unruhe. Falk Heinrichs mahnt als SGK-Vorsitzender die kommunale Relevanz an: „Wir fahren hier sehenden Auges auf den Verschleiß zu. Wenn von 15 sanierungsbedürftigen Brücken zwischen Siegen und Hennef die meisten nur ‚in Planung‘ sind, drohen uns jederzeit unvorhersehbare Sperrungen wegen statischer Mängel. Das ist keine verantwortungsvolle Vorsorge, sondern Fahren auf Sicht.“
Zudem sei die Siegstrecke als Umleitungsstrecke für den Güterverkehr auf der Rheinschiene systemrelevant für ganz Deutschland. „Ein Ausfall hier bringt das gesamte Netz zum Wanken“, so Heinrichs weiter.
Forderungen der SPD
Die drei SPD-Politikerinnen und -Politiker fordern die Bundesregierung und die DB InfraGO gemeinsam auf, die Priorisierung der Haushaltsmittel sofort zu korrigieren:
Perspektive 30-Minuten-Takt: Nur mit einer kapazitätsstarken Strecke lässt sich der RE 9 so stabilisieren, dass ein Halbstundentakt zwischen Siegen und Köln realisierbar wird.
„Die Menschen im Siegerland und entlang der Sieg erwarten keine weiteren Vertröstungen auf die ferne Zukunft. Wir brauchen jetzt eine Infrastruktur, die funktioniert und die Region als Wohn- und Wirtschaftsstandort attraktiv hält“, so Maletz, Reschke und Heinrichs abschließend.
Sofortiger Planungsauftrag: Der durchgängige zweigleisige Ausbau muss unmittelbar in die Wege geleitet werden.
Verbindliche Brückensanierung: Ein klarer Zeitplan für den Ersatz der maroden Brückenbauwerke statt vager Planungsbekundungen.

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