(wS/red) Dortmund 22.04.2026 | Die Polizei Dortmund zieht die Zügel an: Ab sofort wird das seit 2023 in der Innenstadt und Teilen der Nordstadt laufende Präsenzkonzept „PK Fokus“ auf weitere Stadtteile ausgeweitet. Hintergrund ist eine Reihe teils schwerer Gewalttaten, die in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen gesorgt haben – darunter Schüsse auf ein Fahrzeug in Hörde, eine Messerstecherei in der Nordstadt und ein tödlicher Vorfall an der Mallinckrodtstraße.
Neues Präsenzkonzept für alle drei Polizeiinspektionen
Wie die Polizei Dortmund am Mittwoch (22. April) mitteilte, werden künftig alle drei Polizeiinspektionen eigene regionale Präsenzkonzepte umsetzen. Die zentrale „PK Fokus“ bleibt dabei als tragende Säule bestehen und konzentriert sich weiterhin auf die „trotz sinkender Fallzahlen weiter besonders kriminalitätsbelasteten Bereiche der Dortmunder Innenstadt und der südlichen Nordstadt“, wie es in der Pressemitteilung der Polizei heißt.
Behördenleiter Achim Stankowitz betont: „Die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in Dortmund und Lünen hat für uns höchste Priorität.“ Mit den Erfahrungen aus der bisherigen „PK Fokus“ sollen die erfolgreichen Maßnahmen nun auf weitere Bereiche der Stadt übertragen werden.
Die Schwerpunkte im Überblick:
- Polizeiinspektion 1 (Innenstadt, Süd, Süd/West): Die bereits zu Jahresbeginn gestartete „PK Gastro“ ergänzt die „PK Fokus“ und reagiert auf eine anhaltende Beschwerdelage rund um die Gastronomie.
- Polizeiinspektion 2 (Westen, Norden): Eigenes Konzept zur Bekämpfung von Straßen- und Gewaltkriminalität, vor allem in westlichen Stadtteilen.
- Polizeiinspektion 3 (Osten, Lünen): Schwerpunkt auf Jugendkriminalität – Hintergrund sind gestiegene Fallzahlen und eine zunehmende Gewaltbereitschaft junger Täter. Fortgeführt wird zudem das seit 2010 erfolgreich laufende Konzept „Sicherheit in Bus und Bahn“ (SiBB).
Unterstützt werden die Maßnahmen punktuell durch die Dortmunder Einsatzhundertschaft.
Nächtlicher Einsatz an der Mallinckrodtstraße: Faust durch die Autoscheibe
Wie notwendig die verstärkte Polizeipräsenz ist, zeigte sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag (19. April) eindrucksvoll an der Mallinckrodtstraße. Gegen 1 Uhr morgens kam es an der Ecke Uhlandstraße zu einem Streit zwischen zwei Fahrzeugführern, der in blanker Gewalt eskalierte: Einer der beiden Männer habe dem anderen – so die wörtliche Auskunft der Polizei-Pressestelle – „mit der Faust die Scheibe entglast“. Die Autoscheibe des Kontrahenten ging dabei vollständig zu Bruch.
„Man kannte sich“, hieß es dazu ergänzend aus Polizeikreisen. Die Beamten rückten mit starken Kräften an, um die Lage zu beruhigen. Der Bereich der Mallinckrodtstraße zwischen Schützenstraße und Uhlandstraße wurde während des Einsatzes vollständig gesperrt.



Fotos: Andreas Trojak – wirSiegen.de – Polizeieinsatz an der Mallinckrodtstraße in der Nacht zum 19. April 2026
Tödlicher Vorfall an derselben Straße nur Stunden später
Die Mallinckrodtstraße sollte an diesem Sonntag noch einmal Schauplatz eines dramatischen Geschehens werden – mit tödlichem Ausgang. Gegen 14 Uhr kam es auf Höhe der Hausnummer 242 zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Männern. Einer der Tatverdächtigen schlug auf sein 53-jähriges Opfer ein, sodass dieses auf die Fahrbahn stürzte. Ein herannahendes Fahrzeug konnte nicht mehr ausweichen und überrollte den Mann. Der 53-Jährige erlitt lebensgefährliche Verletzungen und verstarb am Montag (20. April) im Krankenhaus.
Sowohl die beiden Männer als auch das Unfallfahrzeug flüchteten vom Tatort. Die Staatsanwaltschaft Dortmund und die Polizei fahnden inzwischen öffentlich mit Lichtbildern nach dem Tatverdächtigen und seinem Begleiter. Die Bilder sind im Fahndungsportal der Polizei NRW unter polizei.nrw/fahndung/201165 abrufbar. Hinweise nimmt die Kriminalwache unter 0231/132-7441 entgegen.
Schüsse in Hörde: 43-Jähriger schwer verletzt
Nur einen Tag später, am Montagabend (20. April), erschütterte ein weiterer schwerer Vorfall die Stadt. Gegen 21:45 Uhr fielen auf einem Parkplatz an der Rathenaustraße Ecke Hochfelderstraße Schüsse. Ein bislang unbekannter Täter feuerte auf einen schwarzen Mercedes GLB mit Dortmunder Kennzeichen, in dem sich ein 43-Jähriger und sein 26-jähriger Begleiter befanden.
Der 43-Jährige erlitt Schussverletzungen an Fuß und Bein – nicht lebensgefährlich, aber schwerwiegend. Nach bisherigem Ermittlungsstand wurden die Schüsse mit einer scharfen Schusswaffe abgefeuert. Die Polizei Dortmund hat eine Mordkommission eingerichtet und ermittelt wegen versuchten Tötungsdelikts gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft.
Messerattacke in der Nordstadt – 50 Personen vor Ort
Bereits am Freitagabend (17. April) war es in der Nordstadt zu einer größeren Auseinandersetzung gekommen. Gegen 21 Uhr meldete eine Zeugin einen Streit in der Stollenstraße/Clausthaler Straße. Als die Polizei eintraf, befanden sich rund 50 Personen vor Ort. Kräfte der Bereitschaftspolizei sicherten den Bereich.
Blutspuren an zwei geparkten Autos führten die Beamten zu einem nahegelegenen Kiosk, wo sie zwei verletzte Männer aus Bremen antrafen – einen 21-Jährigen und einen 26-Jährigen. Der Jüngere war mutmaßlich durch einen Messerstich in den Rücken schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt worden. In seiner Jackentasche fanden die Beamten mehrere Verkaufseinheiten Kokain. Im Umfeld sicherten sie außerdem ein Küchenmesser, ein Klappmesser, eine Holzlatte und ein Brecheisen.
Drei Tatverdächtige sollen sich mit einem grauen Kombi vom Tatort entfernt haben. Auch hier sucht die Polizei Zeugen unter 0231/132-7441.
Update: OTS
Schüsse in der Nordstadt: Mordkommission jagt bewaffnete Gruppe nach versuchtem Tötungsdelikt
Versuchtes Tötungsdelikt am Sonntagabend (19.04.2026) auf der Borsigstraße: Mehrere Tatverdächtige sind auf der Flucht.
Gegen 18:10 Uhr kam es auf dem Gehweg der Borsigstraße / Ecke Gronaustraße zu einem Streit unter mehreren Personen.
Im weiteren Verlauf zog ein Mann aus einer der Gruppen eine Pistole, schoss damit zunächst in die Luft und sodann auf drei Männer (15, 18 und 22 Jahre alt) aus der anderen Gruppe. Fünf mögliche Tatverdächtige flüchteten im Anschluss zu Fuß.
Verletzt wurde niemand. Die Ermittlungen zu den Tathintergründen dauern an. Eine Mordkommission des Polizeipräsidiums Dortmund hat die Ermittlungen übernommen.
Zwei Tatverdächtige können wie folgt beschrieben werden: Täter 1: 25 bis 27 Jahre alt, 173 bis 180 cm groß, schlanke Statur. Er hat blonde Haare und blaue Augen und trägt einen Bart.
Täter 2 ist etwa 30 Jahre alt und 175 cm groß. Er trug mittellanges Haar und einen schwarzen Vollbart sowie dunkle Kleidung. Beide Männer hatten einen südosteuropäischen Phänotyp.
Die Polizei sucht weitere Zeugen, die das Tatgeschehen beobachtet haben und Angaben zu möglichen Tatverdächtigen machen können. Hinweise melden Sie bitte der Kriminalwache der Polizei Dortmund unter Tel. 0231/132-7441.

Fazit: Ein Brennpunkt mit Ansage
Die Vorfälle der vergangenen Tage zeichnen ein deutliches Bild: Auch wenn die Polizei auf sinkende Fallzahlen verweist, bleiben einzelne Stadtteile Dortmunds Brennpunkte schwerer Gewaltkriminalität. Die Ausweitung des Präsenzkonzepts dürfte daher nicht nur organisatorische, sondern auch symbolische Bedeutung haben – Stankowitz spricht von einem „erheblichen Einsatz personeller Ressourcen“, den die Behörde bewusst annehme.
Ob die zusätzliche Präsenz die Lage spürbar entspannt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
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