(wS/red) Kreuztal, 22.04.2026 | Hexenkessel Ischelandhalle: Ferndorf feiert Auswärtssieg wie ein Heimspiel
VfL Eintracht Hagen gegen TuS Ferndorf 30:31 (15:18)
Was sich am gestrigen Abend in der Ischelandhalle abspielte, hatte mit einem gewöhnlichen Zweitligaspiel nur am Rande zu tun. Beim Wiederholungsspiel der 2. Handball-Bundesliga setzte sich der TuS Ferndorf nach einer überragenden Mannschaftsleistung verdient mit 31:30 gegen den VfL Eintracht Hagen durch und verwandelte dabei ein Auswärtsspiel in ein emotionales „Heimspiel“.
Rund 250 lautstarke Ferndorfer Anhänger unter den insgesamt 603 Zuschauern machten die Halle zu einem Tollhaus, für Hagen war das eine extrem magere Zuschauerbeteiligung. Mit Trommeln, Gesängen und ohrenbetäubender Lautstärke zelebrierten die Ferndorfer eine Fankultur auf höchstem Niveau. „Da wurde keine Minute Anreisezeit und kein Tropfen Benzin vergeudet“, hätte man treffend sagen können, das war Leidenschaft pur.

Früher Rückstand, schnelle Antwort
Hagen erwischte zunächst den besseren Start und ging nach drei Minuten mit 4:2 in Führung. Ein Fehlwurf auf Ferndorfer Seite spielte ihnen dabei in die Karten. Doch was folgte, war sinnbildlich für den gesamten Abend, denn nach einem harten Foul an Tom Jansen nutzte Ferndorf die Überzahl eiskalt und glich innerhalb kürzester Zeit zum 4:4 aus.
Auch eine frühe Zeitstrafe gegen Mattis Michel (7.) brachte die Gäste nicht aus dem Konzept. Im Gegenteil, die Defensive formierte sich zu einem Bollwerk, während Coach Ceven Klatt seiner Mannschaft eine offensive Spielfreude einimpfte, die man so in dieser Saison selten gesehen hatte.
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Jansen überragt, Ferndorf dreht auf
Bis zur 12. Minute blieb es eng (5:5, 8:7), doch dann kippte das Spiel. Torhüterwechsel, mehr Zugriff in der Abwehr und vorne ein überragender Tom Jansen. Mit einem seiner insgesamt zehn Treffer brachte er Ferndorf in der 19. Minute erstmals mit 11:12 in Führung. Von diesem Moment an verlor Hagen zunehmend den Faden. Die Gäste spielten sich in einen Rausch, schnelles Umschaltspiel, kompromisslose Defensive und eine Effizienz im Abschluss, die ihresgleichen suchte. Zwischenstände wie 12:14, 13:16 und 14:17 mündeten in eine verdiente 15:18-Halbzeitführung.
Jansen war zu diesem Zeitpunkt schon bei sechs Treffern und für die Hagener Defensive über 60 Minuten nicht zu kontrollieren.
Fans als X-Faktor
Was die Ferndorfer Fans an diesem Abend ablieferten, war außergewöhnlich. Mit Trommlern, Dauergesängen und einer Lautstärke, die selbst Heimfans beeindruckte, pushten sie ihr Team unermüdlich.
Selbst aus Hagener Fan-Reihen kam anerkennend ein:
„Egal, am Ende schmeichelt uns das Ergebnis sogar noch. Der Ferndorfer Fan-Support nötigt mir ehrlichen Respekt ab. Ob man sie mag oder nicht, das war MEGA.“
Zweite Halbzeit: Chaos, Kampf und Cleverness
Der zweite Durchgang begann zerfahren. Technische Fehler, strittige Schiedsrichterentscheidungen und zunehmende Hektik bestimmten das Bild. Nach 40 Minuten hatte Hagen das Spiel plötzlich gedreht (21:20). Doch Klatt reagierte mutig, Umstellung auf den siebten Feldspieler. Ein Risiko das sich auszahlte. Ferndorf gewann die Kontrolle zurück, Nico Schnabl traf zum 22:23 (44.), auch er machte heute ein sehr gutes Spiel.
Die Partie wurde nun hitziger, Rote Karte gegen Pouya Nourouzinezhad, Zeitstrafen, Gerangel auf dem Feld. Zwischenzeitlich standen beide Teams nur noch mit vier Spielern auf der Platte, ein echtes Kampfspiel.
Dramatisches Finale mit Heldenmomenten
Beim Stand von 28:29 in der 58. Minute hielt es niemanden mehr auf den Sitzen, zumindest akustisch dominierten weiterhin die Ferndorfer Fans.
Dann kam er wieder, Tom Jansen. Mit einem wuchtigen Treffer zum 28:30 brachte er sein Team auf die Siegerstraße. Hagen verkürzte noch einmal, doch 39 Sekunden vor Schluss sorgte Daniel Hideg mit dem 29:31 für die Entscheidung.
Der letzte Treffer der Gastgeber kam zu spät, der TuS Ferndorf sicherte sich mit 31:30 zwei immens wichtige Punkte im Abstiegskampf.
Zahlen, die den Unterschied machen
- Torhüterleistung: Filip Baranasic mit 10 Paraden (33 %)
- Topscorer: Tom Jansen (10 Tore, 71 % Quote)
- Geschlossene Teamleistung trotz Rumpfkader (7 Ausfälle!)
Weitere Torschützen:
- Julius Fanger, Nico Schnabl (je 4)
- Daniel Hideg (3)
- Finn Scharnweber, Marvin Mundus, Soeren Servos (je 2)
- Josip Eres 2/1
- Filip Baranasic und Mattis Michel je 1
Fazit: Wille schlägt Widerstände
Dieses Spiel wurde nicht im Tor entschieden, sondern durch Leidenschaft, Teamgeist und taktische Cleverness. Ferndorf zeigte eine der besten Offensivleistungen der Saison und das mit stark dezimiertem Kader.
Für Hagen ist die Niederlage besonders bitter, denn nach dem erfolgreichen Einspruch gegen das ursprüngliche Februarspiel dürfte man sich dieses Ergebnis wohl kaum gewünscht haben.
Ein älterer Hagener Fan brachte es nach Abpfiff treffend auf den Punkt:
„Ferndorf hat verdient gewonnen, sie wollten es einfach mehr.“
Ausblick
Viel Zeit zum Feiern bleibt nicht, bereits am Freitag wartet mit dem TuS Nettelstedt-Lübbecke die nächste Herausforderung. Trainer Ceven Klatt plant, mit dem gleichen Kader anzutreten.
Wenn es gelingt, diesen Flow mitzunehmen, darf man gespannt sein, wohin die Reise noch geht.
Bericht: Peter Trojak
Bilder: Andreas Domian

CEVEN KLATT VOR dem Spiel: Ich muss zugeben, ich hätte schon gerne den 1 Punkt gehabt aus dem Unentschieden im Februar, weil wir damals auch zwei, drei Möglichkeiten hatten, als es heute der Fall ist, aber trotzdem traue ich meiner Mannschaft zu, 2 Punkte zu holen. Es ist ein Derby und wir wollen mit den nötigen Attributen auch hier Hagen vor eine hohe Hürde stellen und wieder um Punkte kämpfen.
CEVEN KLATT NACH dem Spiel: Ich bin unglaublich stolz auf meine Mannschaft und darauf, was sie heute geleistet haben. Ich bin auch unglaublich stolz auf unsere Fans, es war ein Wahnsinns-Support an einem Dienstagabend, sie haben ein Heimspiel für uns daraus gemacht. Wir sind ans absolute Maximum, ans absolute Limit gegangen, was die körperliche Belastung betrifft. Mit der personellen Situation, mit der Situation der letzten Wochen, das muss ich noch mehr honorieren. Was die Jungs da gemacht haben und dann schaffen wir es in der 1. HZ, viele Sachen so durchzubringen, wie wir uns das vorgenommen haben. Im Angriff haben wir mit Tom Jansen sicherlich einen, der heute einen Top-Tag erwischt hat, einen sehr, sehr starken Halbrechten, schaffen es aber immer wieder, aus verschiedensten Situationen, die wir vorbereitet haben zum Erfolg zu kommen.
Wir machen dann 18 Tore nur in der 1. HZ, was für uns ein Super-Wert ist. Ich hatte ein bisschen Angst davor, dass uns in der 2. HZ die Kräfte verlassen würden, wir haben dann aber sieben gegen sechs gespielt und das mit einem nicht gelernten Kreisläufer. Wir kriegen darüber ein bisschen Luft, ein bisschen Pause und damit Steigerung mit Filip Baranasic im Tor in der 2. HZ. Wir hatten wieder eine gute Abwehr und holen uns einen geilen Derbysieg. Nochmal Glückwunsch an die Fans, an die Mannschaft, für diese Riesen-Leistung, da bin ich wirklich stolz drauf.



























