(wS/red) Kreuztal 03.06.2026 | Die Hausärztinnen- und Hausärzteverbände schlagen Alarm: Mit einer bundesweiten Protestkampagne wollen sie verhindern, dass das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz – kurz: GKV-Spargesetz – in seiner aktuellen Form vom Bundestag beschlossen wird. Aus Sicht der Hausärzte gefährde es die Zukunft der hausärztlichen Versorgung massiv. Die Zeit drängt: Bereits am 26. Juni 2026 fällt die Entscheidung im Bundestag.
Drei Wochen für die Sensibilisierung der Abgeordneten
„Die Kolleginnen, Kollegen und Praxisteams in unserer Region Westfalen-Lippe, vom Münsterland über das östliche Ruhrgebiet bis Ostwestfalen-Lippe, werden in den nächsten drei Wochen verstärkt ihre Patientinnen und Patienten zu diesem Thema informieren und zur Teilnahme am Protest aufrufen“, erklärt Lars Rettstadt, 1. Vorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe. Das Ziel: Die Abgeordneten für die Tragweite des Gesetzentwurfes zu sensibilisieren und eine Korrektur zu erreichen.
So können Patienten mitmachen
Im Mittelpunkt der Kampagne steht eine groß angelegte E-Mail-Aktion. Über die roten Protestplakate in den Praxen oder über die Website www.hausarztpraxen-retten.de können Patientinnen und Patienten mit wenigen Klicks ihre heimischen Bundestagsabgeordneten kontaktieren und sich für den Erhalt ihrer Hausarztpraxis einsetzen.
Zwei Maßnahmen treffen Hausarztpraxen besonders hart
Zwei Punkte aus dem Gesetzentwurf stehen im Fokus der Kritik:
1. Einschränkung der Hausarztverträge (HZV). Die sogenannten Hausarztverträge – auch als Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) oder Hausarztprogramm bekannt – sollen finanziell eingeschränkt werden. „Das bedeutet im Klartext: Je mehr Patienten eine Praxis versorgt, desto weniger Vergütung erhält sie“, so Rettstadt. „Damit fehlt aber die finanzielle Grundlage, die Versorgung überhaupt erst möglich macht. Denn um die, durch die demografische Entwicklung und eine ausgedünnte Praxislandschaft, immer mehr Patienten versorgen zu können, braucht es Personal, Ausstattung und zukunftsfähige Strukturen.“
2. Rücknahme der Entbudgetierung. Erst im vergangenen Jahr hatte die Politik die Entbudgetierung beschlossen, mit der sichergestellt werden sollte, dass Hausarztpraxen für die erbrachte Patientenversorgung vollständig vergütet werden. Diese Entscheidung soll nun zurückgenommen werden. „Eine Rücknahme bedeutet auch hier, dass wieder mehr Leistungen umsonst erbracht werden sollen“, kritisiert Rettstadt.
Folgen für Patienten: Versorgung, Termine, Wartezeiten
Die Hausarztpraxen kämpfen nach Verbandsangaben bereits heute mit wachsendem Versorgungsdruck bei gleichzeitig steigenden Kosten. Mit den geplanten Einschnitten werde es immer schwieriger, die Versorgung wie gewohnt sicherzustellen – mit entsprechenden Folgen für Versorgung, Termine und Wartezeiten.
Widerspruch zum geplanten Primärarztsystem
Besonders unverständlich seien die Sparpläne aus Sicht des Verbandes vor dem Hintergrund der politischen Pläne zur Einführung eines verbindlichen Primärarztsystems. Darin sollen die Hausarztpraxen eine Schlüsselrolle bei der Patientensteuerung übernehmen.
„Mit der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) bzw. dem Hausarztprogramm leben wir in unseren Praxen bereits seit fast zwei Jahrzehnten das vor, was die Politik will: ein funktionierendes Primärversorgungssystem, das die Versorgung der Menschen nachweislich verbessert“, betont Rettstadt. Bundesweit nehmen mehr als 11 Millionen Versicherte am Hausarztprogramm teil, allein in der Region Westfalen-Lippe sind es mehr als eine Million – mit weiter steigender Tendenz.
„Während die Bundesregierung also noch über die Rahmenbedingungen für ein flächendeckendes Primärversorgungssystem streitet, zeigen wir in unseren Praxen längst jeden Tag, wie es geht“, so Rettstadt. Die Pläne, die HZV durch das GKV-Spargesetz auszubremsen, stünden in direktem Widerspruch zu den politischen Zielsetzungen der Koalition: „Das ist versorgungspolitischer Irrsinn. Denn wer mehr versorgt und steuert, darf nicht dafür bestraft werden!“
Was ist das Hausarztprogramm?
Im Hausarztprogramm wählen Versicherte eine Hausarztpraxis, an die sie sich bei allen medizinischen Anliegen zuerst wenden. Diese bindet bei Bedarf gezielt Fachärztinnen und Fachärzte ein und koordiniert die weitere Versorgung. Wissenschaftliche Evaluationen zeigen laut Verband, dass dadurch die Qualität und Effizienz der Versorgung nachhaltig verbessert werden können – insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen. Gleichzeitig würden unnötige Doppeluntersuchungen und Krankenhauseinweisungen vermieden, was auch zu finanziellen Einsparungen führe.

Hausärztinnen- und Hausärzteverband | Weitere Infos und Möglichkeit zur Teilnahme: www.hausarztpraxen-retten.de
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