Kollegen von damals, Freunde von heute: 30. Jahrestreffen der Ex-Delleraner in Welschen-Ennest

Teilen Sie
Teilen Sie

(wS/red) Siegen – Welschen Ennest 19.01.2026 | Es gibt Momente, da scheint die Zeit für ein paar Stunden stillzustehen. Wenn sich die massive Tür der Pizzeria Piccola in Welschen Ennest öffnet und Männer sich in die Arme schließen, die vor drei Jahrzehnten das letzte Mal gemeinsam an einer Werkbank standen, dann ist das mehr als ein bloßes Ehemaligentreffen. Es ist eine Zeitreise.

Am Samstag, den 17. Januar 2026, war es wieder so weit: Die ehemaligen Mitarbeiter der Wilhelm Deller KG kamen zusammen – exakt 30 Jahre nach der Schließung ihres Betriebs.

Zwei Werke, eine Familie

Die Wilhelm Deller KG war über Generationen hinweg nicht nur ein Arbeitgeber, sondern ein Identitätsstifter für die Region. Mit dem Werk I in Siegen-Sohlbach (Langenauer Straße 2) und dem Werk II in Welschen Ennest (Kölner Straße 37) war das Unternehmen eine Instanz im Apparate- und Behälterbau.

Wer an Deller denkt, denkt an technische Giganten: Wärmeübertrager, Kondensatoren, riesige Kolonnen von bis zu 40 Metern Länge und Bauteile, die bis zu 60 Tonnen auf die Waage brachten. Es war Präzisionsarbeit in gewaltigen Dimensionen. Doch was die Firma wirklich ausmachte, war nicht der Stahl, sondern die Menschen, die ihn formten.

Ein besonderes Jubiläum: Das 30. Treffen

Organisiert von Ralf Schmidt und Oliver (Olli) Ausetz, markierte dieser Samstag ein „rundes“ Jubiläum. Zum 30. Mal jährte sich das Treffen der Ex-Delleraner. Pünktlich um 11 Uhr morgens fanden sich 12 ehemalige Kollegen im Ristorante Piccola ein. Es war eine gemütliche, vertraute Runde. Man sah in Gesichter, in denen sofort das alte Blitzen in den Augen aufleuchtete, wenn die Sprache auf „damals“ kam.

Früher fanden diese Treffen traditionell im Haus Höfer statt. Jenem Hotel, das für die Deller-Belegschaft fast wie eine zweite Heimat war. Man erinnerte sich wehmütig an die legendären zwei „Deller-Busse“ – jene VW-Bullis, mit denen vor Jahrzehnten täglich das Mittagessen abgeholt wurde. Zubereitet wurde es damals von „Patschi“, und die Qualität des Essens ist bis heute unvergessen. Auch dass das Haus Höfer nach dem Betrieb als Getränkefachgroßhandel bis Ende 2025 von Thomas und Rita Höfer geführt wurde, war ein Thema, das die Runde bewegte.

Ex-Delleraner beim Treffen 2026 in Welschen-Ennest

Im Mittelpunkt der Gespräche stand immer wieder der damalige Macher, Manfred Deller. Er wird von seinen Männern als ein Chef beschrieben, wie es ihn heute kaum noch gibt: Ein zutiefst zugänglicher Mensch, der für die privaten Sorgen seiner Mitarbeiter stets ein offenes Ohr und viel Verständnis hatte.

Nur eines konnte er wohl nicht leiden: das Rauchen während der Arbeitszeit. Ein Teilnehmer lachte laut auf, als er den Chef zitierte: „In der Zeit, wo jemand raucht, kann er schon nicht arbeiten!“ Dennoch drückte auch der Betriebsleiter oft beide Augen zu, wenn es darauf ankam. Es herrschte ein Betriebsklima, das von gegenseitigem Respekt und einer Prise gesundem Schabernack geprägt war – Dinge, die man in der heutigen, oft gehetzten Arbeitswelt schmerzlich vermisst. „Früher war alles irgendwie entspannter“, war der Tenor am Tisch.

Natürlich wanderte der Blick auch zum ehemaligen Firmengelände in Welschen Ennest. Nach der Schließung 1996 wurde das Areal zunächst von der Handelsgruppe Kaiser + Kellermann genutzt, bevor Ende 2014 Teile des Geländes von der Firma Mennekes Elektrotechnik erworben wurden. Es schmerzt ein wenig zu sehen, wie sich die Orte verändern, aber die gemeinsamen Erinnerungen an die alte Wirkungsstätte im Werk II bleiben lebendig.

Ein Nachmittag voller Herzlichkeit

Besonders bewegend war die Anwesenheit von Helmut Peetz. Mit seinen 85 Jahren war er der älteste Teilnehmer der Runde und sichtlich gerührt, seine „Jungs“ wiederzusehen. Es floss das ein oder andere Bierchen, es wurde herzhaft gelacht und die Speisekarte der Pizzeria Piccola bot den würdigen Rahmen für einen geselligen Nachmittag.

Ein Wermutstropfen blieb jedoch: Nicht alle konnten kommen. Einige waren verhindert, und ein besonders geschätzter Kollege, der bereits die 90 überschritten hat, konnte aus gesundheitlichen Gründen leider nicht teilnehmen. In Gedanken war er jedoch dabei, als „Olli“ und Ralf durch die Stunden führten.

Ein Blick in die Zukunft

Als der Nachmittag sich dem Ende neigte und das Gruppenfoto vor dem Restaurant im Kasten war, blieb ein großer Wunsch: Dass im nächsten Jahr, zum 31. Treffen im Jahr 2027, alle wieder gesund und munter zusammenkommen.

Ralf Schmidt richtet zudem einen Appell an alle Leser: Wer noch alte Fotos, Dokumente, Briefköpfe oder sonstiges Wissenswertes über die Wilhelm Deller KG aus der Zeit vor 1996 besitzt, wird herzlich gebeten, sich zu melden. Die Geschichte der „Delleraner“ soll nicht in Vergessenheit geraten.

Kontakt: Ralf Schmidt E-Mail: Schmidt.ralf@freenet.de

Dieser Samstag unterstrich, was viele längst wissen:
Die Wilhelm Deller KG existiert seit 30 Jahren nicht mehr,
doch der Zusammenhalt ihrer ehemaligen Mitarbeiter lebt weiter.

Oliver Ausetz (links) und Ralf Schmidt beim Treffen der Ex-Delleraner 2026

Teilen Sie

Anzeige

Archivkalender

Mo. Di. Mi. Do. Fr. Sa. So.
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031