Berufskolleg Technik feiert 200-jähriges Bestehen – Von der Sonntagsschule zur modernen Bildungsinstitution

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(wS/si) Siegen 10.07.2026 | Das Berufskolleg Technik des Kreises Siegen-Wittgenstein feiert in diesem Jahr ein außergewöhnliches Jubiläum: Seit 200 Jahren werden an der Einrichtung junge Menschen für das Berufsleben qualifiziert. Was im Jahr 1826 mit freiwilligen Zeichenkursen begann, hat sich über zwei Jahrhunderte zu einer der größten beruflichen Bildungseinrichtungen Südwestfalens entwickelt. „Was für ein außergewöhnliches Jubiläum! Diesen ganz besonderen Geburtstag wollen wir im zweiten Halbjahr 2026 mit einigen Veranstaltungen begehen und damit zugleich auch die berufliche Bildung mehr ins öffentliche Bewusstsein bringen“, sagt Landrat Andreas Müller.

Unter dem Leitmotiv „Dein Talent. Unsere Stärke. – In Technik, IT und Design.“ steht das Berufskolleg Technik für eine zukunftsorientierte Ausbildung in den drei Fachbereichen Technik-Naturwissenschaften, Informatik und Gestaltung. Aus den historischen Zeichenkursen ist eine Schule entstanden, die sich heute als modernes Bildungszentrum für Digitalisierung, Robotik, Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz versteht. Ein Kollegium mit knapp 150 Lehrkräften unterrichtet mit modernen Lernkonzepten und in digitalen Lernumgebungen rund 4.000 Schülerinnen und Schüler.

„Mit großer Freude und auch mit Stolz blicken wir auf unsere Geschichte zurück“, betont Schulleiter Ralf Bruch. „Generationen von Schülerinnen und Schülern haben hier ihren beruflichen Weg begonnen und prägen heute Unternehmen, Handwerk, Industrie und Wirtschaft in unserer Region. Dieses Jubiläum ist deshalb nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern auch ein Zeichen für die enge Verbundenheit unseres Berufskollegs mit den Menschen und Unternehmen der Region.“

Die Geschichte: Vom Sonntagsunterricht zum modernen Berufskolleg

Die Wurzeln des heutigen Berufskollegs Technik reichen zurück ins Jahr 1826. Damals versammelte der Bergamtszeichenmeister und Lehrer Johann Conrad in Siegen sonntags vor dem Kirchgang junge Handwerker, um ihnen auf freiwilliger Basis Unterricht im Freihand- und Linealzeichnen zu erteilen. Diese Sonntagsschule gilt als Ursprung des beruflichen Schulwesens im Siegerland.

Zu den Förderern der beruflichen Bildung gehörte der damalige Landrat Wilhelm Friedrich von Schenk. Er war von 1813 bis 1846 erster Landrat des Kreises Siegen und unterstützte die Bergschule in Siegen. Ebenfalls prägend war Freiherr von Vincke, Oberpräsident von Westfalen, der die Bedeutung einer qualifizierten Berufsausbildung erkannte und 1837 die organisatorische Anbindung der Sonntagsschule an die Höhere Bürgerschule veranlasste.

Aus dem anfänglichen Zeichenunterricht entwickelte sich ein breiteres Bildungsangebot: Unterrichtet wurden später neben Zeichnen auch Rechnen, Mathematik, Physik, Chemie, Geografie und Deutsch. Das Ziel war es, Handwerker und Facharbeiter für die wachsenden Anforderungen von Handwerk, Bergbau und Industrie besser zu qualifizieren. Aus den Sonntagsschulen entstanden Fortbildungs- und Gewerbeschulen. Mit der Einführung der obligatorischen Fortbildungsschule im Jahr 1887 und der allgemeinen Berufsschulpflicht ab 1919 entwickelte sich schrittweise ein modernes System beruflicher Bildung.

Herausragende Bedeutung für den Industriestandort

„Für uns als Kreis Siegen-Wittgenstein haben unsere insgesamt vier Berufskollegs eine herausragende Bedeutung. Mit ihnen stellen wir sicher, dass in vielen Berufsfeldern wohnortnah die Fachkräfte ausgebildet werden, die unsere heimischen Betriebe und Unternehmen benötigen. Das BK-Technik ist insbesondere für den Industriestandort mit seinen vielen Weltmarktführern unverzichtbar“, unterstreicht Landrat Müller.

Der Kreis investiert kontinuierlich in die Ausstattung und Infrastruktur: In den vergangenen fünf Jahren wurden rund 10 Millionen Euro für Ausstattung, Unterhalt und Gebäudeinvestitionen bereitgestellt, allein 1,9 Millionen Euro für die energetische Sanierung. Hinzu kommen weitere 1,9 Millionen Euro, die der Kreis von 2022 bis einschließlich 2026 in die Ausstattung investiert hat. Schwerpunkte waren dabei ein Produktionslabor Industrie 4.0, ein Automatisierungslabor, ein Labor für Regelungs- und Sensortechnik, das School-FabLab, die Digitalisierung der Maschinen im Bereich Holzwerkstatt und Bautechnik sowie die Einrichtung eines Kfz-Labors für Hochvolttechnik.

Das Jubiläumsprogramm: Ein Veranstaltungs-Dreiklang

Das Berufskolleg Technik begeht sein 200-jähriges Bestehen mit einem Veranstaltungs-Dreiklang, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der beruflichen Bildung verbindet.

Den Auftakt bildet die Ausstellung „Wirtschaftswunder Charlottenhütte“, die am Dienstag, 29. September 2026, ab 16:00 Uhr eröffnet wird. Die Charlottenhütte war eine Eisenhütte mit Hochöfen im Siegerland, die im Jahr 1856 von den Geschwistern Kreutz gegründet wurde und sich bis in die 1950er und 60er Jahre zu einem der wichtigsten Unternehmen im Siegerland entwickelte. Die Ausstellung zeigt Bilder und Exponate aus der Geschichte und Entwicklung dieses bedeutenden Unternehmens und hebt insbesondere die Blütezeit der 50er und 60er Jahre hervor, die für das wirtschaftliche und industrielle Wachstum Siegens essenziell war. Die Ausstellung wird von NRW-Bildungsministerin Dorothee Feller und Landrat Andreas Müller eröffnet.

Am Samstag, 10. Oktober 2026, lädt das Berufskolleg von ca. 11:00 bis 17:00 Uhr zum „Open House“ – einem Tag der offenen Tür. Geplant sind offene Werkstätten, Labore und Klassenräume mit Mitmachaktionen, Vorführungen und Ausstellungen aus allen drei Fachbereichen und Bildungsgängen. Besucherinnen und Besucher können Schule, Unterricht und berufliche Bildung praktisch erleben. Auf dem Programm stehen unter anderem Mitmachaktionen in Werkstätten und Laboren, Schülerprojekte und Projektpräsentationen, Experimente und Vorführungen aus Physik, Chemie und Technik sowie Einblicke in moderne Technologien wie Robotik, 3D-Druck, CAD, VR und Industrie 4.0. Darüber hinaus gibt es eine Schulrallye, einen Technik-Parcours, Quizangebote, Trendsportarten, Mitmachangebote für Kinder und Familien sowie ein Bühnenprogramm mit Musik, Tanz und Beiträgen von Schülerinnen und Schülern. Für das leibliche Wohl sorgen Kaffee und Kuchen, ein internationales Buffet und eine Grillstation.

Den Abschluss bildet ein Festakt am Freitag, 20. November 2026, ab 18:00 Uhr. Die Festveranstaltung greift den Leitgedanken „Verankert in der Region – offen für die Zukunft“ inhaltlich auf. Ein abwechslungsreiches Programm aus kurzen Interviews, Gesprächsrunden und musikalischen Beiträgen von Schülerinnen und Schülern sowie dem Kollegium soll einen lebendigen Einblick in 200 Jahre berufliche Bildung geben. Die Veranstaltung findet in lockerer Feieratmosphäre statt und bietet Raum für Begegnungen und Gespräche.

„Unter dem Leitgedanken ‚Verankert in der Region – offen für die Zukunft‘ wollen wir zeigen, dass Tradition und Innovation kein Widerspruch sind. Unser Ziel ist es, Begeisterung für Bildung, Technik und berufliche Perspektiven zu wecken und gemeinsam Impulse für die nächsten 200 Jahre zu setzen“, so Schulleiter Ralf Bruch.

200 Jahre Berufskolleg Technik des Kreises Siegen-Wittgenstein: Schulleiter Ralf Bruch (r.) hat eine Büste von Landrat Andreas Müller in der Hand, Landrat Müller wiederum von seinem Vorgänger Wilhelm Friedrich von Schenk. Schenk war der erste Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein und hat vor 200 Jahren den Vorläufer des BK Technik und damit die berufliche Bildung insgesamt intensiv gefördert. Die Büsten wurden vom BK mit 3D-Druckern gefertigt. Foto: Kreis Siegen-Wittgenstein

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