Ein kraftlos wirkender TuS Ferndorf verliert vor 942 Zuschauern in der Stählerwiese mit 34:36 (20:16)

(wS/red) Ferndorf/Hanau 19.05.2023 | Schluss, Aus, Vorbei, Minimalchance verpasst

„Woran hat et jelegen (?), das fragt man sich immer, woran et jelegen hat“

Das werden sich auch gestern Abend in der nicht prall gefüllten Stählerwiese alle gefragt haben. Nur logisch erklären lässt es sich nicht, Kopfschütteln im Ferndorfer Lager, die es wahrscheinlich heute noch immer nicht verstehen können. Bis zur 49. Minute waren alle total Happy, alles andere als ein Sieg der Ferndorfer wäre höchst verwunderlich gewesen, denn bis dahin gerieten sie nicht ein einziges mal in Rückstand. Ganz im Gegenteil, in der 29. Minute lagen sie mit 19:13 und 20:14 mit jeweils 6 Toren in Front und Hanau fand keine Gegenmittel, um gegen die gut agierenden Siegerländer etwas ausrichten zu können. Diese hohe Führung konnten sie aber nicht über die Zeit bringen, die HSG langte noch zweimal hin und man ging mit einem immer noch guten 20:16 in die Kabinen. Die zwei schnellen Gegentore waren eigentlich unnötig, beunruhigten aber sicherlich keinen sonderlich.

Gut, es wird in der Kabine thematisiert worden sein, aber man wollte ja in der 2. HZ an die guten Leistung der ersten 30 Minuten anschließen. Und die waren wirklich gut, wir hatten in der Vergangenheit schon öfter mal das Thema Rostyslav Polischuck und seine wenigen Einsatzzeiten angesprochen und haben auch die Qualität dieses Spielers gelobt. Seit zwei, drei Spielen hat er sich fast so etwas wie einen Start-Stammplatz erkämpft und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn er war der Goalgetter par ex­cel­lence des gestrigen Spiels, er erzielte in dieser 1. HZ sagenhafte 7 Tore und schraubte diesen Wert über 60 Minuten auf tolle 9 Tore hoch. Zwischen der 16. und 20. Minute erzielte er hintereinander 3 Tore.

Danach nahm er erstmal auf der Bank Platz um „durchzuschnaufen“, das hatte er sich auch redlich verdient. Für ihn kam Julius Fanger und der schloß da an, wo Polishchuck aufgehört hatte, denn er warf zwischen der 23. und 28. Minute 4 unhaltbare Kracher ins Netz. Das hatte er aber mit Polishchuck gemein, auch dessen Kracher waren ebenfalls unhaltbar, der HSG Keeper konnte gar nicht so schnell reagieren.

Ferndorf hatte bisher in den Play-offs noch keine 1. HZ mit 20 Toren abgeschlossen und in der abgelaufenen Drittligasaison mit 182 Spielen gab es auch nur 12 mal eine 1.HZ, die ein Team mit 20 oder mehr Toren absolviert hatte, dreimal war der TuS auch daran beteiligt. Das u.a. schürte ja die Hoffnung, das gegen Hanau auch alles für Ferndorf laufen könnte.

Jannis Michel und Robert Andersson. Sie waren nicht zu beneiden. (Foto: Peter Trojak)

Tim Hottgenroth hatte im Vergleich zum letzten Spiel weniger Glück, er kam im ersten Durchgang nur auf 3 Paraden, dafür stellte man in der 2 HZ Lucas Puhl in den Ferndorfer Kasten.

Und das sollte sich für Ferndorf bezahlt machen, denn die ersten 2 Angriffe endeten bei ihm und so erhöhte man mit dem gut aufgelegten Alex Reimann auf 21:16. Hanau zog zwar nach, aber auch die nächsten 2 Tore gingen auf das Konto von Reimann, man merkte, Ferndorf wollte diesen Vorsprung halten bzw. vergrößern. Das mit dem Halten klappte auch, denn Zwischenergebnisse von 22:18, 24:20, 26:22, 30:26 oder auch das 32:28 durch Jörn Persson in der mittlerweile schon 49. Minute zeigten eigentlich, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Doch dann begann eine Leistungsmäßig UNTERIRDISCHE Phase des TuS Ferndorf, wie wir sie lange nicht gesehen haben. Es schien, als wenn in dieser Crunchtime all das vergessen worden ist, was man sich vorgenommen hatte, all das, was man gelernt hatte und all das, was man ja eigentlich kann, nämlich KÄMPFEN und SIEGEN.

Jannis Michel sprach in der Pressekonferenz von fehlenden Kräften zum Ende hin. Etwas fehlte in den letzten 12-15 Minuten, aber kann es denn nach 11 spielfreien Tagen an den Kräften gelegen haben. Hanau spielte in diesen Minuten ganz einfach besser, ihre Abwehr stand kompakter und ihr Keeper trug das seine dazu bei. Und Ferndorf erzeugte durch die schlechte Leistung eine ungewollte Spannung, in erster Linie aber für Hanau und dem Tross an mitgereisten trommelnden und in blau gekleideten Fans.

Beim TuS lief nichts mehr zusammen, in der 45. Minute stand es noch 30:26, es war doch alles im grünen Bereich, doch bis zum Schluß fanden grad mal noch 4 Würfe den Weg ins Netz, der Gegner glänzte da mit 8 Treffern. In der Crunchtime kam auch Tim Hottgenroth wieder zurück, es lief auch da nicht so wirklich. Josip Eres verwirft, Marvin Mundus mit Stürmerfoul, dann hält der HSG-Keeper, Ferndorf verliert den Ball, vorne läuft gar nichts mehr, denn auch Rostyslav Polishchuck verwirft. Das ist zu wenig, damit kann man nicht gewinnen und damit ist auch die kleine rechnerische Chance wie eine Seifenblase zerplatzt. Hanau erzielte nur in der 2. HZ 20 Tore, auch das ist definitiv zu viel, zeigt aber auf, woran es lag, nur das warum weiß niemand. Wirklich daran geglaubt hat sicher niemand so wirklich, aber „woran hat et jelegen“.

Diese Niederlage spülte den TuS von Platz 5 auf Platz 7 runter und nun kann man nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Ob das Auswärtsspiel am Sonntag in Emsdetten die richtige Paarung dafür ist, mögen andere entscheiden, zumindest wird Spannung vor vollem Haus garantiert sein. Egal wie, am letzten Spieltag der Play-offs, Samstag den 27. Mai ist Oppenweiler-Backnang zu Gast in der Stählerwiese, da sollte man den Ferndorfer Fans einiges zurückgeben können, was sie schon verloren glaubten.

Rostyslav Polishchuck , Torschütze mit 9 Treffern.
Archivfoto/Andreas Domian

Fazit:

Wir sahen ein Match mit unglaublichen 70 Toren, wir sahen einen TuS, bei dem ab der 45. Minute nichts mehr lief, wir sahen einen überragenden Rostyslav Polishchuck mit 9 Treffern und auch überzeugende Leistungen von Alex Reimann, Josip Eres und Julius Fanger, die sich mit jeweils 5 Treffern in die Torschützenliste eintrugen. Wir hoffen nun auf eine Trotzreaktion der Ferndorfer in Emsdetten, denn für den TV wird es ein „Schicksalsspiel“, gewinnen sie, haben sie ein Wörtchen im Aufstiegskampf mitzureden, verlieren sie, ist es auch für sie Geschichte. Nehmen sie ihre Klatschen, Tröten und Fächer mit, es wird ein heißer und hitziger Kampf werden.

Statistik:

Tor: Lucas Puhl und Tim Hottgenroth jeweils 5 Paraden (Puhl wehrte auch 1 Siebenmeter ab)

Torschützen:

Rostyslav Polishchuck 9

Alex Reimann, Josip Eres und Julius Fanger je 5

Marvin Mundus 3/2

Alon Obermann und Jörn Persson je 2

Gabriel Viana, Rene Mihaljevic und Marko Karaula je 1

Bericht: petro
Fotos: Peter Trojak/Andreas Domian

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