(wS/dia) Betzdorf / Kirchen 27.01.2026 | Wenn Politik auf Pflege trifft, dann besteht unweigerlich Redebedarf. Und so kamen viele Fragen aufs Tapet, als Gordon Schnieder, CDU-Landesvorsitzender in Rheinland-Pfalz und Spitzenkandidat bei der diesjährigen Landtagswahl am 22. März, das Diakonie Klinikum in Kirchen und die Ökumenische Sozialstation in Betzdorf besuchte.

Spezielle Herausforderungen im Bereich der ambulanten Pflege standen im Fokus des Besuchs der CDU-
Politiker bei der Ökumenischen Sozialstation in Betzdorf
Im Kirchener Diakonie Klinikum hieß Verwaltungsdirektor Daniel Grube auch den Landrat des Kreises Altenkirchen, Dr. Peter Enders, willkommen, ebenso den heimischen CDU-Wahlkreisabgeordneten Michael Wäschenbach und dessen Nachfolgekandidaten, den Betzdorfer Stadtbürgermeister Johannes Behner, ferner den CDU-Kreisvorsitzenden Dr. Matthias Reuber sowie weitere Christdemokraten aus der Kommunalpolitik.
Das Kirchener Krankenhaus steht nach den beiden Insolvenzen des früheren Trägers seit August 2025 in Verantwortung der Diakonie in Südwestfalen. MdL Wäschenbach begrüßt ausdrücklich, dass die Klinik unter neuer Ägide wieder eine Perspektive hat: „Die Menschen hier hängen an ihrem Krankenhaus.“ Verwaltungsdirektor Grube verwies darauf, „dass eine solche Übernahme etliche Hürden mit sich bringt, zumal mit Kirchen und Altenkirchen in unserem Fall sogar zwei Standorte betroffen sind“. Gleichwohl in den ersten Monaten bereits gute Aufbauarbeit geleistet worden – nicht zuletzt dank der strukturellen Expertise der Diakonie. Bis zum Frühjahr soll eine Palliativstation mit sechs Betten in Betrieb gehen, mittelfristig eine Geriatrie sowie eine Neurologie mit Stroke-Unit. Zudem wolle man die bestehenden Fachbereiche in Kirchen und Altenkirchen weiter stärken, so Grube: „Darauf liegt unser Fokus.“ Weitere Leistungsgruppen seien beantragt, über die jedoch wohl erst 2027 entschieden werde.
Im Mittelpunkt des Politikerbesuchs stand jedoch das Thema Pflege. „Wie läuft es mit der Ausbildung? Und was können wir besser machen?“, wollte Schnieder wissen, der seit 2023 auch Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion in Mainz ist. Als Experten standen in Kirchen dazu neben Pflegedirektorin Michaela Meinhardt auch die Leiterin der Pflegeschule, Karola Jockel, sowie ein Kurs mit Pflegeschülern im zweiten Ausbildungsjahr Rede und Antwort. Jockel berichtete, dass man nach einer Phase großer Unsicherheit infolge der Insolvenz nun unter neuem Träger wieder hohen Zulauf an Bewerbern verzeichne. So sei der nächste Pflegekurs bereits zur Hälfte belegt.
Gesprochen wurde auch über das Für und Wider der generalistischen Ausbildung, die seit 2020 die vormals eigenständigen drei Bildungswege in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege mit dem Abschluss Pflegefachfrau/-mann zusammenführt. Einerseits wissen viele Schüler die zusätzliche Zeit zur Orientierung innerhalb der spezifischen Pflegebereiche zu schätzen, andererseits besteht laut Karola Jockel das Problem, dass die Generalistik bisweilen zulasten der fachlichen Tiefe gehe – insbesondere in der Kinderkrankenpflege. Sie plädiert dafür hier nachzujustieren, etwa mit einer einjährigen Nachqualifikation im Anschluss an die dreijährige Ausbildung. „Dies wäre in meinen Augen ein wichtiger Anstoß für die Politik.“
Einige der Auszubildenden schilderten persönliche Beweggründe, den Weg in die Pflege einzuschlagen. Tenor: Es ist ein sinnstiftender Beruf „mit Menschen, für Menschen“, der überdies viele Weiterbildungsmöglichkeiten biete und der, wie Schnieder ergänzte, in unserer älter werdenden Gesellschaft noch weiter an Bedeutung gewinnt. Aus seiner Sicht könne ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr dazu beitragen, dass sich künftig mehr junge Frauen und Männer für einen Pflegeberuf begeistern.
Denn der Mangel an Pflegekräften ist weiterhin akut. Dies wurde deutlich auch an der nächsten Station des Schnieder-Besuchs: bei der Ökumenischen Sozialstation in Betzdorf. Geschäftsführer Steffen Weinbrenner und Pflegedienstleiterin Kerstin Steiger betonten, man habe hier ein starkes, motiviertes Team. Doch die Suche nach Nachwuchskräften gestalte sich schwierig. Und dass, obwohl die Bezahlung in der Pflege nicht schlecht sei und die Ausbildung eine der bestbezahltesten überhaupt. Wie zuvor die Kolleginnen und Kollegen im Kirchener Krankenhaus sieht auch Weinbrenner ein weiteres Hauptproblem in der überbordenden Bürokratie – sei es bei der Dokumentation, im Austausch mit Kranken- und Pflegekassen oder auch bei den oftmals langen und zähen Anerkennungsverfahren ausländischer Fachkräfte.
Und noch etwas gaben die Experten vor Ort den Politikern mit auf den Weg: deutliche Kritik an der Pflegekammer, die vor zehn Jahren in Rheinland-Pfalz als bundesweit erste Branchenvertretung dieser Art aus der Taufe gehoben wurde. Diese sei mit einer Pflichtmitgliedschaft verbunden, leiste jedoch für die Pflegekräfte viel zu wenig.

Im Diakonie Klinikum in Kirchen suchte die CDU- Delegation um Gordon Schnieder den Austausch mit Experten aus der Pflege sowie Schülerinnen und Schülern der benachbarten Pflegeschule. Fotos: Diakonie in Südwestfalen





