(wS/red) Kreuztal, 31.05.2026 | Leidenschaft schlägt Personalsorgen, Ferndorf mit starkem Auftritt in Hüttenberg
TV Hüttenberg gegen TuS Ferndorf 34:31 (16:15)
Es war alles angerichtet für ein ganz heißes Match, nicht nur wegen der Temperaturen. Dass die Hitze in der Halle nicht sichtbar flimmerte, war fast schon ein Wunder.
Es wurde im Vorfeld viel darüber geredet und geschrieben: Der TuS Ferndorf hat den Klassenerhalt seit 1 Woche sicher. Wer trotzdem noch an theoretische Restchancen glaubte, durfte das gern tun, aber realistisch ist das ungefähr so wahrscheinlich wie eine Sonnenfinsternis am Mittwoch, also abhaken.
Aber eins ist ganz sicher: Kader hin, Kader her, unsere Jungs konnten zum ersten Mal seit langer Zeit ganz befreit aufspielen. Der Druck, gewinnen zu müssen, war nicht mehr da, der Kopf ist freier, die Gedanken gehen andere Wege, vielleicht aufs Saisonfinale gegen TuSEM Essen, wer weiß. Trotzdem, hier und heute wollte man noch mal alles in die Waagschale werfen und den geschätzt 200 TuS-Fans einen Galaabend bereiten.

Und der Gastgeber, nun, der will im letzten Heimspiel natürlich seine Fans versöhnlich stimmen, denn die Saison lief nicht so, wie man es erhofft hatte. Heute ein Sieg und im letzten Spiel vielleicht auch noch einer, könnte bedeuten, dass man max. 2 Plätze gutmachen könnte, wie gesagt, vielleicht.
Ferndorf hätte evtl. noch die Eulen Ludwigshafen oder Bayer Dormagen in der Tabelle einholen oder überholen können, aber jetzt hatte der Klassenerhalt Priorität, und das hat man geschafft und nur das zählt.
Es war einfach ein unglaubliches Spiel, ein schnelles, diszipliniertes Match mit hohem Tempo, guten Abwehrleistungen und schnellem Rückzugsverhalten. Der Arm der Schiris ging oft hoch wegen passiven Spiels, und das auf beiden Seiten. Was Ceven Klatt seinen Jungs da für ein Süppchen angerührt hatte, wissen wir nicht, aber es war lecker und hat auch die Ferndorfer Fans von den Sitzen gerissen. In der ausverkauften Halle waren die Rufe, das Klatschen und natürlich die neun nicht zu überhörenden Trommeln der Ferndorfer Füchse das Salz in der Suppe. Die Kommentatoren von DYN haben es wohlwollend erwähnt. Ebenso waren sie von der Leistung des TuS absolut überrascht, mit dieser Gegenwehr hatten auch sie nicht gerechnet. Namen wie Finn Scharnweber, Daniel Hideg, Mattis Michel, Julius Fanger und Marvin Mundus wurden oft von ihnen erwähnt, denn ihre Leistung fiel auf. Aber so richtig begeistert waren sie von Filip Baranasic im Ferndorfer Kasten. Er bekam den Vorzug vor Can Adanir und bedankte sich mit tollen 13 Paraden (34 %) dafür. Zudem erzielte er in der 45. Minute auch noch einen Treffer mit einem Wurf übers ganze Feld in den verwaisten Kasten der Hessen.
Der stark geschmolzene Kader von Ceven Klatt sah nur noch 9 Feldspieler auf dem Spielberichtsbogen, und nach dem Ausfall von Josip Eres im letzten Spiel konnten einem die Jungs leidtun. Ceven ging schon früh zum Sieben-gegen-sechs über. Er wählte diese Variante wohl, um die Spieler zu schonen, denn dann verkürzen sich die Laufwege und man spart Kräfte, was in der aktuellen Situation sehr wichtig ist.
Aber die Körpersprache unserer Jungs stimmte, sie spürten, dass sie den Gastgebern Paroli bieten konnten, und dadurch entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, und die 1450 Zuschauer waren restlos begeistert von ihren Teams. Hideg war Dreh- und Angelpunkt im Spiel, es lief sehr viel über ihn, außerdem war er mit 8 Toren der beste Torschütze.
Erwähnt werden muss hier aber auch Tom Jansen. Er ist sicherlich noch nicht fit, erzielte aber 4 Tore, außerdem kamen 5 Assists von ihm.
Zum ersten Mal seit gefühlt ewigen Zeiten stand Jonas Wilde, der ja nach Hagen wechselt, auf dem Spielberichtsbogen. Ceven wollte ihn noch mal dabeihaben, und er kam in der 26. Minute für einen Siebenmeter ins Tor, den der TVH allerdings verwandeln konnte. Schon früh sah man sich mit fragwürdigen oder zumindest diskussionswürdigen Entscheidungen der Schiris konfrontiert, die über 60 Minuten zu sehen waren. Es gab für beide Trainer nicht viel zu bemängeln, beide Teams agierten im Bereich ihrer Möglichkeiten, der Rumpfkader des TuS musste da natürlich mehr für investieren.

Ich will jetzt nicht das Match minutiös runterspielen. Kein Team konnte sich wirklich absetzen, trotzdem führten die Hessen über sehr weite Strecken. Das erste Remis erzielten die Ferndorfer mit dem 16:16 in der 31. Minute, ihm folgten das 17:17, 18:18, 20:20, 21:21 und dann in der 44. Minute die erste Führung zum 22:23 durch Mattis Michel. Das war jetzt die starke Phase des TuS, denn es ging mit 23:24 und sogar einer 2-Tore-Führung zum 23:25 (45.) und dem 24:26 in der 46. Minute weiter. Es war auch der Zeitpunkt, an dem die Partystimmung im Gästeblock unüberhörbar wurde. Waren die TVH-Fans in weiß gekleidet, sah man im Gästeblock das ROTE MEER an Ferndorfern. Es war in der Phase so viel möglich, aber keiner wusste, in welche Richtung das Pendel ausschlagen würde. Es waren Kleinigkeiten, kleine Fehler, eine unkonzentrierte Aktion, die dieses Spiel kippen lassen konnten. Ab der 50. Minute sah man, dass unsere Jungs mehr investieren mussten, hier kam jetzt der Kräfteverschleiß zum Tragen.
Trotzdem sahen wir noch das 27:28 (52.) und das 28:29 (53.). Nun bekam zur denkbar ungünstigsten Zeit Gabi Viana eine Zeitstrafe, der TVH verkürzte auf 29:29, Ferndorf hatte einen Fehlwurf und es hieß in der 56. Minute 30:29, gefolgt vom 31:29. Die 57. Minute: 31:30 durch Hideg, Siebenmetertor TVH, 32:30, dann Auszeit für Ferndorf, danach wieder Hideg zum 32:31. Nun wollte der TVH-Coach die restliche Zeit verplanen, denn alles stand auf Messers Schneide. In der 60. Minute dann das 33:31, noch ein Fehlwurf von uns, und diese Chance nutzten die Gastgeber dann zum Endstand von 34:31. Gefühlt etwas zu hoch, aber nach hinten raus ging es an die Substanz und da hatten wir nichts mehr zuzusetzen. Dabei wäre ein Remis durchaus möglich gewesen, aber „hätte, hätte, Fahrradkette“.
So steuern wir nun auf den letzten Spieltag zu, und da gibt sich am Samstag, den 06.06., um 18:00 Uhr in der Stählerwiese der TuSEM Essen die Ehre. Man kann jetzt nicht unbedingt sagen, es ginge um nichts mehr, den Klassenerhalt haben beide schon geschafft, aber je nach Ausgang können sich noch Verschiebungen in der Tabelle ergeben, aber warten wir es ab. Eins ist sicher: Die Stählerwiese wird pickepacke voll sein.

Auch noch erwähnenswert: Bei gefühlten 40° schwitzte alles, was schwitzen kann, am meisten natürlich die Spieler. Resultat, der Ball musste ständig getrocknet werden, bei Kontakt mit den Händen oder dem klatschnassen Trikot war er nicht mehr spielbar. Und dann die Wischer, die auf die Platte kommen, wenn irgendwo Feuchtigkeit weggewischt werden musste. Die Wischer werden ebenso komplett nass und man ging dazu über, Handtücher zu benutzen. Es war fast unerträglich, in der 47. Minute gab es einen medizinischen Notfall auf der Tribüne, aber der Person konnte geholfen werden, sie winkte noch kurz und verließ dann die Halle. Das Spiel wurde für diesen Einsatz unterbrochen.

Torschützen:
Daniel Hideg 8
Finn Scharnweber 5
Tom Jansen und Marvin Mundus je 4
Julius Fanger 3
Soeren Servos, Mattis Michel und Gabriel da Rocha Viana je 2
Philip Würz 1
Allen einen guten Start in die Woche, wir sehen uns, Nodda.
Bericht: Peter Trojak
Collage/Bilder: Andreas Domian

CEVEN KLATT: Wir verkaufen uns wirklich teuer und hätten nach hinten raus durchaus 1 Punkt verdient gehabt . Wir machen aber ein, zwei technische Fehler zuviel, kriegen zwei, drei schlechte Entscheidungen gegen uns und kriegen deshalb am Ende auch keinen Punkt. Wir haben das gut gemacht und spielen lange Strecken sieben gegen sechs und konnten uns dadurch unsere Kräfte einteilen. Die, die sonst nicht in der Startformation stehen, haben das gestern gut gemacht, Scharnweber auf Außen, Philip Würz in der Abwehr und Filip Baranasic im Tor, das war schon in Ordnung. Daniel Hideg mit vielen guten Entscheidungen beim sieben gegen sechs, war einmal mehr hinten der Fels in der Brandung. Wir hatten einen guten Auftritt, das war auch gut für die vielen mitgereisten Ferndorfer Fans. Auch der herzliche Empfang nach der Ankunft in der Stählerwiese ist nicht selbstverständlich, Danke von mir dafür an die Fans, die Jungs werden es genossen haben. Es hat sich auch niemand verletzt, das ist gut so.








