Inklusion nicht um jeden Preis: Qualität geht vor

wS/si  – Siegen-  Die 21. Sommerbereisung der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) unter dem Motto „Menschen. Würdig. Arbeiten“ führte am Montag in die AWO-Werkstatt am Siegener Heidenberg. Neben dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Hubert Hüppe, nutzten zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung und CDA den Rundgang, um sich in der aktuellen Inklusionsdebatte einen Einblick vor Ort in die Förderung und die Arbeitsbedingungen behinderter Menschen zu verschaffen.

„Menschen mit Behinderung sind in besonderem Maße auf Solidarität und Unterstützung angewiesen“, betonte CDA-Kreisvorsitzender Hartmut Steuber in seiner Begrüßung. Dem schloss sich auch Hubert Hüppe an: „Sie können etwas leisten, wenn sie die richtige Unterstützung und das richtige Umfeld haben.“ Er sei sich sicher, dass man nicht auf die Werkstätten verzichten könne, sagte der Beauftragte der Bundesregierung, forderte zugleich aber auch die Lücke zwischen den Werkstätten für behinderte Menschen und dem ersten Arbeitsmarkt zu schließen.

„Wir machen das zurzeit schon“, konnte Dagmar Graf, als Bereichsleiterin zuständig für die AWO Siegener Werkstätten, berichten. 45 Personen befänden sich aktuell auf Einzel- oder Gruppenaußenarbeitsplätzen oder in Praktika in Betrieben und Einrichtungen der Region. „Unser großes Ziel ist, unsere Beschäftigten in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln“, erklärte sie. In den letzten beiden Jahren sei dies schon einige Mal gelungen. „Wir wollen Inklusion nicht um jeden Preis, Qualität geht vor Quantität“, sagte Graf. „Wir versuchen, uns mit kleinen Schritten für die Industrie zu empfehlen.“

Hubert Hüppe lobte das Engagement der Arbeiterwohlfahrt, sich zu öffnen. Gleichzeitig appellierte er an alle Beteiligten, umzudenken: „Wir achten zu sehr darauf, was Menschen nicht können, wir müssen darauf schauen, was sie können.“ Alle schwerbehinderten Menschen hätten irgendwo etwas, was sie leisten könnten. Es gelte, dies zu entdecken und zu fördern. Denn Inklusion heiße nichts anderes, als gemeinsam zu leben, zu lernen, zu spielen und zu arbeiten. „Wer Inklusion will, sucht Wege. Wer sie nicht will, sucht Begründungen“, betonte Hüppe und traf bei AWO-Geschäftsführer Dr. Andreas M. Neumann auf Zustimmung. „Wir müssen uns beständig weiterentwickeln“, sicherte er zu, den Weg der Inklusion mitzugehen.

Wege suchten Hüppe und alle Gäste der CDA-Sommerbereisung auch zu den Beschäftigten der AWO-Werkstatt. An ihren Arbeitsplätzen ergaben sich intensive Gespräche. Da rund ein Drittel der 200 Beschäftigten mit dem öffentlichen Personennahverkehr zur Werkstatt kommen, wurde von ihnen die teilweise noch mangelnde Barrierefreiheit von Bus und Bahn angesprochen, die, so Hubert Hüppe, spätestens in sechs Jahren überall Standard sein soll. Auch MdB Volkmar Klein (CDU) zeigt sich bei der Besichtigung vom erfolgreichen AWO-Engagement beeindruckt: „Ich finde gut, dass Sie nicht nur in der Werkstatt gute Arbeit leisten, sondern auch für Vernetzung in der Region sorgen“. Damit würdigte er unter anderem eine Infoveranstaltung zum Thema „Inklusive Arbeitswelt“, die die Verantwortlichen der Arbeiterwohlfahrt am Donnerstag, 05.09. organisieren. Um 18.00 Uhr beginnt in der Werkstatt Siegen, Garnisonsring 14 ein Vortragsprogramm, zu dem alle Interessierten, insbesondere Vertreter von Firmen und sozialen Diensten der Region, eingeladen sind.

 CDA Bereisung Michael Hoof (r.) erläuterte Hubert Hüppe (Mitte) seinen Arbeitsplatz. Auch MdB Volkmar Klein (2.v.l.) und CDA-Kreisvorsitzender Hartmut Steuber (4.v.l.) zeigten sich von den verschiedenen beruflichen Tätigkeitsfeldern der AWO-Werkstatt Siegen beeindruckt. Foto: AWO