Ein Mann – ein Baum: Pflanzaktion auf der Streuobstwiese in Wiederstein

(wS/nk) Neunkirchen-Wiederstein. Auf der Streuobstwiese in Wiederstein kam es im Rahmen einer Neupflanzung jetzt zu einer „britischen Begegnung“. „Wir haben unter anderem den aus England stammenden Apfel „Grahams Jubiläum“ gepflanzt und festgestellt, dass neben dem britischen Apfel auch ein Heimatfreund vor Ort ist, der aus Großbritannien stammt“, berichtet der Pomologe und Initiator der Pflanzaktion Theo Morgenschweis.

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Auf der Streuobstwiese in Neunkirchens Ortsteil Wiederstein wurden jetzt Bäume nachgepflanzt. Die Wiese ist nach Süden ausgerichtet, damit Blätter und Blüten durch Wind und Sonne trocknen können.

Der Apfelbaum, der seinen Namen zu Ehren des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Königin Victoria von England erhielt, verbreitete sich ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert auch außerhalb des Vereinigten Königreiches. Geschätzt wird der Koch- und Küchenapfel ob seiner Robustheit und Vielseitigkeit. Außerdem kommt er mit dem siegerländer Klima gut zurecht, was dem in England – wenn man dem Klischee glauben darf – nicht unähnlich ist.

Weniger das Klima, als vielmehr die Arbeit führte den Briten Norman Hartley seinerzeit ins Hellertal. Er fand 1978 den Weg von der Insel nach Neukirchen und hat inzwischen in Wiederstein Wurzeln geschlagen. Seit vielen Jahren ist er aktives Mitglied im Heimatverein und unterstützt die Heimatfreunde bei allen Arbeiten, die während des Jahres anfallen – auch bei der Anpflanzung des „Grahams Jubiläum“.

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Das engagierte Pflanzteam setzte sich aus fünf Mitgliedern des Heimatvereins Wiederstein – darunter Norman Hartley (zweiter von rechts) – und dem Pomologen Theo Morgenschweis (dritter von rechts) zusammen.

Hartley erklärte sich sofort bereit, die Patenschaft über seinen „botanischen Landsmann“ zu übernehmen. „Ich bin ein großer Apfelfan, aber das ist natürlich nicht der Grund, warum ich die Aktion unterstütze.“ schmunzelt er. Wichtiger sei ihm und den übrigen Teilnehmern der Pflanzaktion, dass die mehr als 100 Jahre alte Streuobstwiese als Kulturlandschaft erhalten bleibe.

Dazu soll die Nachpflanzung von insgesamt acht neuen Bäumchen – alle zertifizierte und virusfreie Hochstämme – beitragen. Die fünf Mitglieder des Heimatvereins und Theo Morgenschweis aus Struthütten waren damit mehr als drei Stunden beschäftigt. Neben dem „Royal Jubilee“, wie er in seinem Heimatland genannt wird, wurden auch der Allergikerapfel „Prinz Albrecht von Preußen“ und der „Schöner aus Nordhausen“ angepflanzt. Ein Birnbaum ergänzt die Zahl der „Neuankömmlinge“ auf dem rund einen Hektar großen Areal.

„An allen Bäumen haben wir vor dem Einpflanzen einen Pflanzschnitt vorgenommen, bei dem die Äste und Wurzeln gekürzt wurden“, erklärt Morgenschweis. Eine gleichmäßig entwickelte Krone sei vorteilhaft, wenn der Baum Früchte trage, so der Fachmann. Bis die ersten Früchte geerntet werden können, wird es allerdings noch einige Jahre dauern. „Wir können davon ausgehen, dass die Bäume zwischen dem sechsten und achten Standjahr zu tragen beginnen“, weiß Morgenschweis.

Die Streuobstwiese wurde um 1900 von der Haubergsgenossenschaft angelegt, in deren Besitz sie sich nach wie vor befindet. Mit den acht neu gepflanzten Hochstämmen verfügt sie nun über einen Bestand von 92 Bäumen. Darunter sind 29 verschiedene Apfel- und drei Birnensorten.

„Bis in die 1980er Jahre hinein wurden die Früchte vor Ort versteigert“, erzählt Dieter Diehl vom Heimatverein Wiederstein. Später seien dann gegen ein Entgelt ganze Bäume zum Abernten vergeben worden. Doch da Äpfel dann zu jeder Jahreszeit und in jedem Supermarkt erworben werden konnten, ließ das Interesse mehr und mehr nach. Vor zwei Jahren wurde die Streuobstwiese vom Heimatverein wieder zu neuem Leben erweckt.
Dank der Unterstützung der Haubergsgenossenschaft und des Apfelkundlers Theo Morgenschweis ist es den Heimatfreunden gelungen, die Kulturlandschaft zu reaktivieren. Noch in diesem Jahr sollen von einigen der alten und inzwischen altersschwach gewordenen Bäumen Edelreiser genommen werden, um sie zu veredeln. So können die alten Sorten langfristig erhalten werden.

Fotos: Gemeinde Neunkirchen

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