Entspannte Sportfreunde-Versammlung nimmt Vorstand-Kritikern den Wind aus den Segeln

Trotz Gegenstimmen: Der Sportfreunde-Vorstand wurde entlastet und die Versammlung lief ohne Besonderheiten ab. Fotos: Michael Handke

Trotz Gegenstimmen: Der Sportfreunde-Vorstand wurde entlastet und die Versammlung lief ohne Besonderheiten ab. Fotos (5): Michael Handke

(wS/jk) Siegen – Der Sturm blieb aus! Im Vorfeld der diesjährigen Mitgliederversammlung wehte dem in die Kritik geratenen Vorstand der Sportfreunde Siegen noch viel Wind entgegen. Doch am Donnerstagabend im proppenvollen Leonhard-Gläser-Saal der Siegerlandhalle war es allenfalls ein laues Lüftchen, das die Vereinsverantwortlichen zu spüren bekamen. Allein der wenige Stunden zuvor entfachte Skandal rund um die so genannte „Opposition“ hatte seine Spuren hinterlassen und erste „Opfer“ verzeichnet.

Ältestenrat-Antrag angenommen

Dem Antrag auf Neuwahlen des Vorstands an diesem Abend hatte der Sportfreunde-Ältestenrat vorab einen Riegel vorgeschoben und brachte selbst den Vorschlag ein, bis Mitte Mai 2015 gemäß der Vereinssatzung in einer außerordentlichen Sitzung über die Führungsetage abzustimmen. Die 202 stimmberechtigten Mitglieder im Saal winkten diesen bei nur 15 „Nein“-Votings problemlos durch. Weitere Anträge wurden nicht gestellt.

Mit klaren Worten zu Beginn leitete Ältestenrats-Vorsitzender Peter Drössler die Mitgliederversammlung ein.

Mit klaren Worten zu Beginn leitete Ältestenrats-Vorsitzender Peter Drössler die Mitgliederversammlung ein.

Jene Gruppierung, die in einem am Donnerstagmorgen erschienen Zeitungsartikel schwere Vorwürfe gegen den aktuellen Vorstand erhoben hatte und dessen Abwahl anstrebte, hielt sich bedeckt. Wer damit gerechnet hatte, dass die „Opposition“ versuchen würde, mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit doch noch Neuwahlen zu erzwingen, sah sich getäuscht. Immerhin lenkten die Kritisierten ein: Eine „Doppelspitze“ soll es künftig nicht mehr geben.

Soll heißen: Der aufgrund eines familiären Trauerfalls nicht anwesende Uli Steiner, derzeit Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH und Vereinschef in personalunion, werde dann nur noch einen dieser Posten bekleiden können. Ein geeigneter neuer Vorsitzender soll gesucht werden. Außerdem seien zwei offene Vorstandsposten vakant und Hilfe dringend benötitgt. Derweil rechnete Peter Drössler, Vorsitzender des Ältestenrats, zum Auftakt der Mitglieder-Zusammenkunft ab.

Drössler erbost über falsche Darstellung

Entgegen des Berichts jenes Redakteurs, der nach den skandalösen Erkenntnissen der Sportfreunde-Veranwortlichen mit der Contra-Vorstand-Gruppe gemeinsam operierte, habe sein Gremium nach dem „Oppositions“-Antrag eine ordnungsgemäße Sitzung einberufen, „das Für und Wider abgewägt und abschließend darüber befunden“. Über die falsche Darstellung der Vorgänge sei er erbost, so Drössler, der von den Kritikern als „böser Bube des Ehrenrats“ betitelt worden sein soll.

Fritz Reuter, Geschäftsstellenmitarbeiter Marketinig, wurde von seinen Aufgaben entbunden und ergriff das Wort.

Fritz Reuter, Geschäftsstellenmitarbeiter Marketing, wurde von seinen Aufgaben entbunden und ergriff das Wort.

Nach den aufgedeckten Geschehnissen im direkten Vorfeld der Mitgliederversammlung hat der Sportfreunde-Vorstands bereits erste Konsequenzen gezogen. Die beiden Geschäftsstellenmitarbeiter Fritz Reuter, der seit 15 Jahren mit viel Leidenschaft und Herzblut für den Verein in Sachen Marketing aktiv war, und Hermann Fuckert wurden am Donnerstagmorgen freigestellt. Sie sollen Internas ausgeplaudert haben.

„Das stimmt nicht“, stellte der enttäuschte Reuter vor der versammelten Sportfreunde-Familie klar und ergriff das Wort. Der Siegerländer weiter: „Als ich ins Büro kam, war mein Computer bereits nicht mehr für mich zugänglich.“ Reuter, der sich vor allem ehrenamtlich rund um die Sportfreunde Siegen verdient gemacht hat und nach eigenem Bekunden seit über 40 Jahren an dem Klub hängt, stellte klar: „Das kann man mit mir nicht machen. Ich werde für diesen Verein keine Hand mehr heben!“

Fritz Reuter und Hermann Fuckert freigestellt

Zu dem „Opfern“ des Skandals, der kurz vor der Versammlung ans Tageslicht befördert wurde, gab es von Vorstand Heiko Maurer folgendes Statement: „Die Dinge haben sich heute überschlagen. Wir werden in den nächsten Tagen konsequent und professionell den Sachverhalt aufarbeiten“, kündigte er an. Fritz Reuter hatte sich da schon wieder an seinen Tisch zurückgezogen und wirkte untröstlich. Derweil entlastete die Versammlung den Vorstand bei 26 „Nein“-Stimmen und 18 Enthaltungen.

Der Vorstand um Heiko Maurer, Ralf Utsch und Jens Behrend erlebte einen weitgehend ruhigen Abend in der Siegerlandhalle.

Der Vorstand um Heiko Maurer, Ralf Utsch und Jens Behrend erlebte einen weitgehend ruhigen Abend in der Siegerlandhalle.

Bis auf diese kurzen Momente im Leonhard-Gläser-Saal lief die Mitgliederversammlung 2014 der Sportfreunde Siegen ohne Besonderheiten ab. Der Umbruch im Verein nach dem Rückzug von Mäzen Manfred Utsch sei noch im „Anfangsstadium“, so Maurer. „Die Weichen sind erst annähernd gestellt. Wir müssen die Kräfte bündeln“, sagte er. Als Fortschritte bezeichnete er das Sponsoren- und Partner-Netzwerk, welches man aufgebaut habe. „Erste Pflänzchen des Erfolgs sind da“, so die Wasserstandsmeldung.

Im aktuellen Etat der Spielbetriebs-GmbH, also der Regionalliga-Mannschaft, klafft noch eine Lücke von rund 100.000 Euro, genauso viel Geld fehlt beim Restverein, also der U23 (bei der man übrigens 50 Prozent einsparte), der Jugend und der Frauen-Abteilung. Sprich: Insgesamt rund 200.000 Euro Unterdeckung. Die Ausgaben für den Kader des Teams von Michael Boris liegen mit 500.000 Euro fast genauso hoch wie im Vorjahr. Von 1,18 Millionen sank der Etat der GmbH auf circa eine Millionen Euro.

Lücke von 200.000 Euro ist zu schließen

Trotz Fehlbeträgen aus der Vorsaison war die Liquidität gesichert. Der Verein ist schuldenfrei. Doch erst seit Beginn der laufenden Spielzeit beendete Manfred Utsch seine Sponsorenaktivitäten. Die dadurch entstandene Lücke konnte immerhin zu einem Großteil geschlossen werden: 72 mit Hilfe des Initiativkreis „Wirtschaft“ verkaufte „Freunde“-Pakete für die Trikotbrust zu je 3.000 Euro brachten Einnahmen. Weitere Sponsorenpakete wurden geschnürt.

Trainer Michael Boris baut mittelfristig auf ein verändertes Jugendkonzept.

Trainer Michael Boris baut mittelfristig auf ein verändertes Jugendkonzept.

Nicht zuletzt der „Runde Tisch“, Unternehmertage (einige weitere Termine stehen schon fest) und Sponsorenveranstaltungen halfen den Siegener Verantwortlichen beim „netzwerken“. Mit dem neuen Vermarktungspartner „msc sports“ aus Karlsruhe möchte man das Fünf-Säulen-Konzept der Sponsoren- und Fördererstruktur des Vereins weiter forcieren. „Ein nachhaltiger Weg in die 3. Liga“, hieß es auf der Großbildleinwald der Saalbühne.

Boris bei den „richtigen Sportfreunden“

Sportlich wurde ein neuer Impuls durch die Verpflichtung von Michael Boris gesetzt. „Ich bin froh, wieder bei den richtigen Sportfreunden angekommen zu sein“, sagte der Gelsenkirchener und erntete viel Beifall.

Neben dem Ziel des Klassenerhalts – am morgigen Freitag wartet die nächste Aufgabe in Aachen – hat es sich Boris, als Fußballlehrer mit langjährigem Vertrag in Siegen ausgestattet, getreu einem neuen Jugendkonzept auf die Fahnen geschrieben, junge Spieler an seine Regionalliga-Elf heranzuführen.

Bericht: Jürgen Kirsch

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