Arbeitsmarkt-Zugang für geflüchtete Frauen

Workshop der Frauen-Union mit der Agentur für Arbeit

(wS/red) Siegen 07.11.2016 | Gut eine Million Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen. Laut Prognose des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung werden in diesem Jahr noch einmal 300.000 dazukommen. Die meisten von ihnen werden bleiben und das heißt zunächst: Unterkünfte und Verpflegung, Kindergärten und Schulen, Sprachkurse und Qualifizierungsmaßnahmen sicherstellen. Die meisten Flüchtlinge sind nicht älter als 35 Jahre. Die meisten Flüchtlinge sind (alleinreisende) Männer.

Es wird viel getan, vorwiegend für Männer. Der Zugang für Frauen zu Qualifikationsmaßnahmen ist aus unterschiedlichen Gründen schwierig.

Workshop der Frauen-Union mit der Agentur für Arbeit (Foto: Frauenunion)

Workshop der Frauen-Union mit der Agentur für Arbeit (Foto: Frauenunion)

Welche Möglichkeiten und Chancen bietet die Arbeitsmarktintegration der geflüchteten Frauen und Mädchen? Welche Angebote kann dieser Gruppe gemacht werden. Darüber diskutierte die Frauen-Union Siegen-Wittgenstein am 2. November mit Dr. Bettina Wolf, der Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Siegen, in der Stadtbibliothek in Kreuztal.

Die Integration Points in Siegen-Wittgenstein und Olpe betreuen zurzeit 2.745 Flüchtlinge. Insgesamt leben in den Kommunen jedoch über 6.000 Geflüchtete. Das neue Integrationsgesetz fordert, dass sich die Menschen selbst für Ihren Lebensunterhalt sorgen müssen. Deshalb erwartet Dr. Wolf, dass die Integration Points zukünftig mehr Menschen unterstützen werden.

Etwa 23 Prozent der Geflüchteten sind Frauen und Mädchen. Diese sind im Durschnitt älter als die Männer. Etwa jede zweite dieser Frauen kommt aus Syrien. Die Bildung ist oft niedriger als die der Männer. Insgesamt sind im Ausland erworbene Bildungsabschlüsse oft nicht auf das deutsche System übertragbar. Der Zugang für Frauen zu Qualifikationsmaßnahmen ist aus unterschiedlichen Gründen schwierig. Ehemänner verweigern Frauen die Teilnahme an Maßnahmen, da die Frauen dort gemeinsam mit Männern unterrichtet werden. Frauen nehmen Sprach- und Förderungsangebote nicht wahr, weil die Kinderbetreuung und Haushaltsführung als Kernaufgaben betrachtet werden. Auch fühlen sich einige junge Frauen in einem Kurs mit vielen männlichen Teilnehmern unwohl.

Die Teilnehmerinnen konnten nachvollziehen, dass kulturell bedingte Zurückhaltung besteht, Qualifikationsangebote anzunehmen. Informationen über die Lebensbedingungen in Europa sind jedoch via Internet weltweit verfügbar. Insofern scheint es gerechtfertigt, aktive Mitarbeit an den angebotenen Maßnahmen von allen zu verlangen, da sich die meisten Geflüchteten bewusst für Europa entschieden haben.

Zur Überwindung der ersten Hemmschwelle könnten geschlechterspezifische Sprachkurse hilfreich sein. Die Frauen Union diskutierte ein Modell, bei dem eine mobile Kinderbetreuung angeboten wird, um die Teilnahme zu erleichtern und Angst zu nehmen. Die Anbindung der Kurse an Familienzentren ist ebenfalls denkbar und wird teilweise bereits praktiziert.

Frau Dr. Wolf betont, dass solche Angebote eine schrittweise Integration der Frauen und damit auch der Kinder vorantreiben, eine differenzierte Betrachtung der einzelnen Fälle sei notwendig. Eltern müssen an die Hand genommen werden und Deutsch lernen, sowie Bildungs- und Qualifikationsmaßnahmen wahrnehmen, um ihren Kindern eine gute Lebensbasis zu schaffen.

Arbeitnehmer werden in Siegen-Wittgenstein und Olpe gebraucht. In beiden Kreisen herrscht strukturelle Vollbeschäftigung. Bereits ab 2018 scheiden mehr Erwerbstätige aus dem Arbeitsmarkt aus als dass neue Erwerbstätige hinzukommen. Somit stehen viele Unternehmen vor der Problematik qualifiziertes (Fach-)Personal zu finden. Es ist kein einfacher und auch kein kurzer Weg, die Geflüchteten Menschen und insbesondere die Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Mittel- und langfristig wird sich jedoch die Anstrengung für die Region lohnen.

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