(wS/dia) Siegen 01.06.2026 | Viele Krebspatienten fragen sich, was sie – zusätzlich zur Behandlung per OP, Chemo- und Strahlentherapie – selbst tun können, um ihre Situation zu verbessern. Im Internet stoßen sie oft auf ein weites Feld ergänzender oder auch alternativer Methoden: von Akupunktur über Homöopathie, Yoga und Meditation bis hin zu Nahrungsergänzungsmitteln oder speziellen Krebsdiäten. Dass man sich „hier schnell in einem Dschungel verirren“ kann, verdeutlichte Professor Dr. Ralph Naumann beim Siegener Forum Gesundheit. Der Chefarzt der Medizinischen Onkologie, Hämatologie und Palliativmedizin am Diakonie Klinikum Jung-Stilling informierte vor zahlreichen Zuhörern in der Krankenhaus-Cafeteria über „Komplementäre Krebstherapien“. Organisiert hatte den Vortragsabend die Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen.
Dass Krebspatienten aktiv etwas zum Therapieerfolg beitragen wollen – für Naumann ist dies nur allzu verständlich. Eines jedoch stellte der Experte gleich zu Beginn klar: „Sanfte, natürliche Methoden, mit denen der Krebs unmittelbar bekämpft werden kann, gibt es nicht. Um Krebszellen medikamentös abzutöten, braucht es in der Regel stark wirksame Arzneimittel.“ Allerdings könne komplementäre Onkologie helfen, Nebenwirkungen abzumildern und die körperlichen Kräfte der Patienten zu stärken. Die Wirksamkeit dieser Methoden ist in Studien nachgewiesen – hierin unterscheiden sie sich von der Alternativmedizin, deren Verfahren gänzlich außerhalb der sogenannten „Schulmedizin“ stehen und daher, so Naumann, „höchstkritisch zu sehen sind“. Als Beispiele nannte er Heilmethoden aus dem Bereich der Homöopathie und Esoterik.
In einer Leitlinie zur Komplementärmedizin in der Behandlung von Krebspatienten werden von A wie Akupressur bis Z wie Zink zahlreiche Therapien, Verfahren und Substanzen beurteilt. Aufgelistet sind sie unter anderem nach Begleitsymptomen der Erkrankung und/oder Therapie, bei denen sie potenziell Anwendung finden. Von einer Selbsttherapie ohne ärztlichen Rat sei indes dringend abzuraten, warnte Naumann. Warum, das verdeutlichte er anhand einiger Beispiele: Vitamin C etwa ist für seine immunstärkende Wirkung bekannt. Höher dosiert in Tablettenform oder hochdosiert intravenös wird es bei Krebspatienten dennoch nicht empfohlen, da es als starkes Antioxidans unbeabsichtigt auch die Krebszellen schützen könnte, die mit der Chemo- oder Strahlentherapie bekämpft werden sollen.
Auch Grapefruitsaft oder Grüntee-Präparate stehen exemplarisch für ungewollte Wechselwirkungen: Sie können bei einer Immuntherapie gegen Lymphdrüsenkrebs oder chronischem Blutkrebs hohe oder niedrige Blutspiegel der entsprechenden Medikamente hervorrufen und sollten daher nur in Absprache mit einem Onkologen zu sich genommen werden.
Nachdrücklich warnte Naumann vor „Wundermitteln“, die vor allem im Internet angepriesen werden. Manche davon bergen sogar lebensgefährliche Nebenwirkungen. Als Beispiel nannte der Chefarzt bittere Aprikosenkerne. Das darin in hohen Mengen enthaltene Amygdalin (oft mit dem Phantasienamen „Vitamin B17“ versehen) wird nämlich bereits beim Kauen in Blausäure umgewandelt – dann droht eine schwere Vergiftung.
Doch welche komplementären Therapien sind ratsam? „Was wir unseren Patienten bedenkenlos empfehlen, sind eine Ernährungsberatung, körperliche Aktivität, psychoonkologische Begleitung sowie eine Beratung durch die onkologische Fachpflege, so Professor Naumann. Eine gesunde Ernährung mit frischen, hochwertigen Lebensmitteln und viel Obst und Gemüse sorge für eine ausgewogene Bilanz an Nährstoffen, hingegen sei von kohlenhydratarmen (ketogenen Diäten) dringend abzuraten. Durch Studien am besten belegt sind die positiven Effekte von Sport und moderater Bewegung bei Krebs. Auch Yoga gehört hierzu – so bietet das Diakonie Klinikum schon seit Jahren Kurse an. Geleitet werden diese von Margrit Völzing, die als ehemalige Ärztin am Onkologie-Zentrum viel Erfahrung mit Krebspatienten mitbringt.
Welche natürlichen Mittel überdies Begleitsymptome der Erkrankung und/oder der Therapie lindern können, wissen die Fachpflegekräfte am Onkologischen Therapiezentrum. So haben sich Ingwer in Ergänzung zu Medikamenten (bei Übelkeit), Mundspüllösungen mit Honig, Salbei oder Sanddorn-Öl (bei Mundschleimhautentzündung, einer häufigen Nebenwirkung der Chemotherapie), Baldrian und Lavendel (bei Schlafstörungen) oder auch Ginseng (bei Fatigue und Übelkeit sowie zur Verbesserung des Wohlbefindens) nachweislich bewährt.
Fazit des Referenten: „Komplementäre Medizin kann keine Standardtherapien ersetzen. Sie kann in vielen Fällen aber eine Krebsbehandlung unterstützen und Patienten Kraft und Lebensqualität im Kampf gegen die Erkrankung geben“, so Professor Naumann. Dabei sollte man sich jedoch unbedingt von medizinischen und pflegerischen Experten beraten lassen. „So lassen sich nicht nur gesundheitliche Risiken minimieren, sondern auch die Gefahr, auf teure und letztlich wirkungslose Abzocke hereinzufallen.“

„Stilling“-Chefarzt Professor Dr. Ralph Naumann referierte beim Siegener Forum Gesundheit. Foto: Diakonie in Südwestfalen
Werbepartner der Region – AnzeigeIn eigener Sache
Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
Unser wirSiegen-Team ist rund um die Uhr für Sie in Siegen und der Region unterwegs — und das kostenlos für alle Leser. Recherche, Fotos vor Ort, Technik und Deutschlands sagenhaft günstiger Super-Sprit 😉 kosten uns allerdings einiges an Zeit und Geld. Wenn Ihnen gefällt, was wir machen, motiviert uns ein kleiner Beitrag riesig — und hilft uns, weiter dranzubleiben. Schon der Preis eines Kaffees zählt.
Beträge für Handys, Autos und Mehrfamilienhäuser gehen natürlich auch 😉
Sicher per PayPal · auch ohne PayPal-Konto · einmalig oder regelmäßig














